Porträt: Wie UniSieve aus der ETH Membranen baut, die Gase ohne Hitze trennen

- UniSieve AG aus Zürich wurde 2018 von den ETH-Kommilitonen Samuel Hess (CEO) und Elia Schneider gegründet.
- Die Firma baut hybride Membranen aus metallorganischen Gerüstverbindungen (MOFs) und Zeolithen für die industrielle Gastrennung.
- Im Oktober 2026 sammelte UniSieve USD 9 Mio. in einer Series A unter Führung des Orano Venture Fund; insgesamt flossen USD 25 Mio.
- Das polnische Chemieunternehmen Qemetica testet eine UniSieve-Einheit zur CO2-Abscheidung im Live-Betrieb.
🔎 Porträt – Zürich: Ein ETH-Spin-off will einen der energiehungrigsten Schritte der Industrie ersetzen – und hat bereits zahlende Kunden.
Gase zu trennen klingt langweilig. Es ist aber einer der grössten Energiefresser der Industrie. UniSieve aus Zürich setzt auf Membranen statt auf Hitze. Wir haben uns die Firma genauer angeschaut.
Was die Firma macht
UniSieve entwickelt hochpräzise Membranen für die industrielle Gastrennung und Kohlenstoffabscheidung. Eine Membran wirkt wie ein molekulares Sieb: Sie lässt bestimmte Gasmoleküle durch und hält andere zurück. Das Ziel ist klar formuliert. CEO Samuel Hess will energieintensive thermische Verfahren durch, so wörtlich, kompakte und einfache Lösungen ersetzen.
Die Anwendungen liegen in der Olefinproduktion, die Grundstoffe für Kunststoffe liefert, in der Abscheidung von CO2 an Punktquellen, in der chemischen Verarbeitung und in der industriellen Gastrennung allgemein.
Die Geschichte
UniSieve wurde 2018 gegründet. Hinter der Firma stehen Samuel Hess und Elia Schneider. Beide haben an der ETH Zürich studiert, sie waren Kommilitonen. Die Firma gilt als ETH-Spin-out. Hess führt das Unternehmen als CEO.
Der Weg von der Hochschule in die Industrie dauerte Jahre. Das ist bei Materialtechnologie normal. Neue Membranen müssen nicht nur im Labor funktionieren. Sie müssen sich zuverlässig in grossen Mengen herstellen lassen und im Dauerbetrieb halten. Genau das betont UniSieve in der eigenen Mitteilung: Die Membranen sollen auf industrielle Massstäbe skalierbar sein.
Produkt und Technologie
Das Herzstück sind hybride Membranen. Sie verbinden zwei Materialklassen: metallorganische Gerüstverbindungen, kurz MOFs, und Zeolithe. Beide haben winzige, genau definierte Poren. Dadurch lassen sich Moleküle nach Grösse und Eigenschaft sortieren. Die Kombination soll die Stärken beider Welten vereinen, also hohe Trennschärfe und Haltbarkeit.
Nach eigenen Angaben haben die Membranen in der Olefinproduktion und bei der CO2-Abscheidung an Punktquellen eine vorkommerzielle Reife erreicht. UniSieve spricht von im Feld validierter Leistung und einsetzbaren Systemen. Die Firma ist von Pilotanlagen zu grösseren Systemen gewachsen.
Ein konkretes Beispiel nennt die Branchenpresse: Das polnische Chemieunternehmen Qemetica, früher CIECH, hat den Live-Test einer UniSieve-Einheit zur CO2-Abscheidung gestartet. Das gewonnene CO2 soll vor Ort genutzt werden, um Karbonate wie Soda herzustellen. Das ist ein geschlossener Kreislauf, wie ihn sich viele Chemiestandorte wünschen. Laut UniSieve gibt es zudem zahlende Kunden für die grösseren Systeme. Namen nennt die Firma dazu nicht.
Markt und Wettbewerb
Die Konkurrenz sind weniger andere Startups als eingespielte Verfahren. Gase werden in der Industrie heute häufig mit thermischen Prozessen getrennt, etwa durch Destillation. Sie sind bewährt, brauchen aber viel Energie. Wer als Chemiekonzern seine Emissionen und Energiekosten senken muss, schaut deshalb genauer auf Membranen.
Die Hürde ist hoch. Industriekunden wechseln nicht gern. Eine Anlage muss über Jahre zuverlässig laufen. Deshalb zählt bei UniSieve der Schritt vom Pilot zum bezahlten Einsatz mehr als jede Laborzahl.
Finanzierung und Zahlen
Im Oktober 2026 meldete UniSieve eine Series A über USD 9 Mio. Angeführt wurde sie vom Orano Venture Fund, den Supernova Invest verwaltet. Beteiligt sind ausserdem der Amadeus APEX Technology Fund, Founderful, die Zürcher Kantonalbank und Guenat Holding. Insgesamt hat die Firma bisher USD 25 Mio. eingesammelt. Das Geld soll in den Ausbau der bestehenden Märkte fliessen, in neue industrielle Anwendungen und in den breiteren kommerziellen Einsatz.
Unsere Einordnung
UniSieve ist ein Lehrstück für Schweizer Deeptech. Acht Jahre nach der Gründung steht die Firma dort, wo es zählt: bei zahlenden Industriekunden und einem Investor aus dem Nuklear- und Energieumfeld, der den Markt versteht. Das ist kein Hype, sondern Handwerk.
Wir sehen zwei offene Fragen. Erstens die Fertigung: Skalierbare Membranen in grosser Menge sind der eigentliche Beweis. Zweitens die Kundenbasis: Je mehr Namen UniSieve offenlegt, desto glaubwürdiger wird die Geschichte. Gelingt beides, kann aus dem ETH-Spin-out ein Standardbaustein für die dekarbonisierte Chemie werden. Wir drücken die Daumen.
Zum Startup
- Name
- UniSieve
- Phase
- Series A
- Letzte Runde
- USD 9 Mio. (Series A, 2026)
- Kanton
- Zürich
Quelle: unisieve.com
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