Porträt: Wie Scewo aus Winterthur den Rollstuhl Treppen steigen lässt

- Scewo aus Winterthur baut mit dem BRO den weltweit ersten treppensteigenden Elektrorollstuhl.
- Der Ursprung liegt in einem ETH-Zürich- und ZHdK-Projekt von 2014, gegründet wurde die Firma 2017.
- Der BRO balanciert auf zwei Rädern und überwindet Treppen; gesteuert wird per Joystick und Smartphone.
- Gründer sind Thomas Gemperle, Pascal Buholzer und Bernhard Winter.
🔎 Porträt – Winterthur: Ein Rollstuhl, der Treppen steigt, klingt nach Science-Fiction – Scewo baut ihn in Serie.
Treppen sind für viele Rollstuhlfahrende eine tägliche Mauer. Das Winterthurer Startup Scewo will sie einreissen – mit einem Elektrorollstuhl, der Stufen selbst überwindet und dabei auf zwei Rädern balanciert.
Was die Firma macht
Scewo entwickelt und produziert den BRO, nach eigenen Angaben den weltweit einzigen Elektrorollstuhl, der das Fahren auf zwei Rädern mit dem Treppensteigen kombiniert. Das Unternehmen ist damit weltweit der erste Hersteller eines treppensteigenden Rollstuhls. Gefertigt wird der BRO in Winterthur.
Die Geschichte
Die Firmengeschichte beginnt 2014 mit einem interdisziplinären Projekt: Maschinenbau-Ingenieure der ETH Zürich und Designerinnen und Designer der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) dachten das Thema Mobilitätshilfe neu. Aus der Idee eines treppensteigenden Roboters wurde ein treppensteigender Rollstuhl, mit dem das Team 2016 am Zürcher Cybathlon antrat. Nach dem Studium folgte 2017 die Gründung der Firma durch Thomas Gemperle, Pascal Buholzer und Bernhard Winter. Aus dem Studienprojekt wurde so ein Produkt – und aus der Werkstatt eine Serienfertigung.
Produkt & Technologie
Der BRO fährt im Alltag auf zwei Rädern und hält sich dabei selbst im Gleichgewicht – ähnlich einem selbstbalancierenden Fahrzeug. Das hebt die sitzende Person auf Augenhöhe und macht sie wendiger. Für Treppen fährt der Rollstuhl ein Raupensystem aus und überwindet die Stufen kontrolliert, hoch wie runter. Gesteuert wird der BRO über einen Joystick und ergänzend per Smartphone. Hinter dieser scheinbar einfachen Bedienung steckt viel Sensorik, Regelungstechnik und Sicherheitsentwicklung: Ein Gerät, das Menschen Treppen hinauf- und hinunterträgt, muss in jeder Situation berechenbar bleiben.
Markt & Wettbewerb
Der Markt für Elektrorollstühle ist gross und etabliert, doch das Treppensteigen bleibt eine Nische mit hoher Eintrittshürde. Bekannt wurde Scewo auch durch Auftritte in Fernsehformaten wie der Gründershow «Die Höhle der Löwen» im deutschsprachigen Raum. Die grössten Hürden sind nicht technischer, sondern struktureller Natur: hohe Stückkosten, Zulassungen als Medizinprodukt und die Frage, ob und wie Krankenkassen und Versicherungen die Geräte vergüten. Genau hier entscheidet sich, ob aus einem beeindruckenden Produkt ein breit zugängliches wird.
Unsere Einordnung
Scewo ist Schweizer Ingenieurskunst mit Sinn: kein Gadget, sondern ein Stück Unabhängigkeit für Menschen, für die eine Treppe sonst das Ende des Wegs bedeutet. Dass ein Studienprojekt zur Serienfertigung in Winterthur wurde, verdient Respekt – und zeigt, wie stark die Kombination aus ETH-Technik und ZHdK-Design sein kann. Die eigentliche Bewährungsprobe liegt aber im Vertrieb und in der Kostenübernahme: Ein Produkt dieser Klasse wird nur dann zum Erfolg, wenn es bezahlbar und erstattungsfähig ist. Wir drücken die Daumen, dass Scewo diesen Schritt schafft – denn technologisch spielt die Firma längst in der Weltspitze.
Quelle: scewo.com
Mehr aus der Szene
FinanzierungAI Infrastructure Capital startet mit USD 16 Mio. für grüne KI-Server in Island
FinanzierungOomnium-Ticker: GoCalma, PimPay und rrreefs holen im Eiltempo Kapital
International