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Exein holt EUR 234 Mio. – Rom stellt Europas wertvollstes Cybersecurity-Startup

Redaktion·18. Sept. 2026·6 Min.
Exein holt EUR 234 Mio. – Rom stellt Europas wertvollstes Cybersecurity-Startup
In 30 Sekunden gelesen
  • Exein aus Rom hat EUR 234 Mio. (USD 270 Mio.) bei einer Bewertung von EUR 1,4 Mrd. aufgenommen.
  • Angeführt wird die Runde von Headline, mit Sofina, Goldman Sachs, der EIB-Gruppe über ETCI, KfW Capital und T.Capital.
  • Die 2018 gegründete Firma schützt eingebettete Systeme in Robotern, Fahrzeugen und Industrieanlagen; ihre Software läuft auf über zwei Milliarden Geräten.
  • Exein registriert rund 5000 neue Angriffe pro Woche im eigenen Netz – fünfmal mehr als vor einem Jahr.

🌍 Blick über die Grenze – Italien: Während die Schweiz über souveräne KI diskutiert, baut Rom gerade die Sicherheitsschicht für die Maschinen, die diese KI steuern wird.

Europas wertvollstes Cybersecurity-Startup steht nicht in London, Tel Aviv oder München. Es steht in Rom, heisst Exein und hat gerade EUR 234 Mio. eingesammelt.

Was die Firma macht

Exein wurde 2018 von Gianni Cuozzo gegründet und sichert eingebettete Systeme ab – also die Software, die direkt auf Geräten läuft. Nicht in der Cloud, sondern im Roboterarm, im Steuergerät, in der Drohne, in der Industrieanlage. Nach eigenen Angaben ist die Technologie auf mehr als zwei Milliarden vernetzten Geräten verteilt.

Die Branchenliste liest sich wie ein Querschnitt der europäischen Industrie: Industrieautomation, Automobil, Energie, Gesundheitswesen, Halbleiter, Luft- und Raumfahrt, Robotik. Rund die Hälfte des Umsatzes kommt aus dem asiatisch-pazifischen Raum, der Rest aus Europa und den USA.

Anfang dieses Jahres hat Exein Photon vorgestellt, eine Laufzeit-Sicherheitsarchitektur, die auf Kernel-Ebene arbeitet. Sie soll bösartigen Code blockieren, bevor er ausgeführt wird. Das ist ein anderer Ansatz als die übliche Erkennung im Nachhinein – und für autonome Maschinen der einzig sinnvolle, weil dort niemand Zeit hat, einen Alarm zu lesen.

Was gerade passiert ist

Am 15. September hat Exein eine Runde über EUR 234 Mio. (USD 270 Mio.) bekannt gegeben. Die Bewertung liegt bei EUR 1,4 Mrd. – nach Angaben der Firma macht sie das zum wertvollsten Cybersecurity-Startup Europas.

Angeführt wird die Runde von Headline. Beteiligt sind Sofina, Goldman Sachs, die Gruppe der Europäischen Investitionsbank über die European Tech Champions Initiative, KfW Capital sowie T.Capital. Die bestehenden Investoren Balderton, HV, Intrepid Growth Partners, 33N Ventures, Lakestar, Supernova Invest, Blue Cloud Ventures und Geodesic Capital ziehen mit. Parallel wurde die bestehende Kreditlinie unter Führung von J.P. Morgan aufgestockt, die KfW kommt als zusätzlicher Kreditgeber dazu.

Die Entwicklung davor war steil. 2024 holte Exein eine Series B über EUR 15 Mio., 2025 kamen EUR 170 Mio. in zwei Ankündigungen dazu. Die Bewertung hat sich laut Firma in zwei Jahren verdreissigfacht, der wiederkehrende Umsatz im ersten Halbjahr 2026 vervierfacht.

Warum der Markt kippt

Die interessanteste Zahl in der Mitteilung ist keine Franken- oder Eurozahl. Exein registriert im eigenen Netz rund 5000 neue, nicht wiederholte Angriffe pro Woche. Vor einem Jahr war es ein Fünftel davon. Der Grund: KI macht Angriffe billig, die früher Spezialwissen verlangten.

«Frontier-Modelle drücken das Patch-Fenster gegen null», sagt Gründer und CEO Gianni Cuozzo. Angriffe liefen in Maschinengeschwindigkeit, also müsse die Verteidigung das auch. Genau das ist der Bruch mit dem klassischen Modell, in dem eine Lücke gemeldet, ein Patch gebaut und irgendwann ausgerollt wird. Bei einem autonomen Fahrzeug funktioniert dieser Ablauf nicht.

Exein baut deshalb ein eigenes Foundation-Modell für Maschinensicherheit. Trainiert nicht auf menschlichem Text, sondern auf Daten darüber, wie Maschinen tatsächlich arbeiten. Eine agentische Sicherheitsarchitektur soll bis Ende 2026 kommen, die ersten Foundation-Modelle im ersten Quartal 2027.

Warum das für die Schweiz zählt

Erstens das Timing. Die Schweiz baut gerade Physical AI: Embodied AI in Lausanne stellt Roboter in europäische Werke, Jaipur Robotics steuert Abfallanlagen, Stellar Alpina baut Antriebe. Jede dieser Maschinen ist ein vernetztes Gerät mit Firmware. Die Sicherheitsfrage kommt nicht später – sie kommt mit dem ersten Kunden. Wer das erst im Pilotprojekt merkt, hat ein Problem.

Zweitens die Finanzierung. In der Exein-Runde sitzen die EIB-Gruppe und die KfW – also öffentliches europäisches Kapital, das gezielt in Tech-Champions geht. Schweizer Firmen haben zu diesen Instrumenten keinen selbstverständlichen Zugang. Das ist kein Detail, wenn nebenan Runden im dreistelligen Millionenbereich entstehen und hierzulande die zweite Wachstumsrunde regelmässig zur Hängepartie wird.

Drittens der Standort. Rom ist in keiner Rangliste europäischer Tech-Hubs weit vorne. Trotzdem entsteht dort ein Marktführer – weil das Team eine unbequeme, hardwarenahe Nische acht Jahre lang durchgezogen hat, statt dem jeweils aktuellen Trend nachzulaufen. Das ist eine Tugend, die die Schweizer Deeptech-Szene eigentlich für sich reklamiert. Hier wird sie gerade von aussen vorgeführt.

Unsere Einordnung: Exein ist der Beleg dafür, dass die spannendste Sicherheitsfrage der nächsten Jahre nicht mehr am Bildschirm hängt, sondern an Dingen, die sich bewegen. Für Schweizer Robotik- und Industrie-Startups heisst das ganz praktisch: Firmware-Sicherheit gehört ins Produktversprechen, nicht in die Fussnote. Und für Investoren hier heisst es, dass diese Schicht gerade sehr teuer wird – wer noch einsteigen will, hat es beim nächsten Mal schwerer.

Ein Vorbehalt gehört dazu. Eine Bewertung von EUR 1,4 Mrd. bei einer Firma, die vor zwei Jahren eine Series B über EUR 15 Mio. holte, ist eine sehr schnelle Neubewertung. Sie beruht auf der Annahme, dass Physical AI in den nächsten Jahren wirklich in die Breite geht. Das könnte länger dauern, als die Runde unterstellt. Der operative Unterbau stimmt allerdings: wiederkehrender Umsatz, echte Industriekunden auf drei Kontinenten und eine Technologie, die auf Geräten läuft statt nur in einer Demo. Das unterscheidet Exein von vielen anderen Firmen, die gerade mit demselben Schlagwort Geld einsammeln.

Quelle: eu-startups.com

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