Proton baut Apertus in Lumo ein – das Schweizer Sprachmodell bekommt endlich echte Nutzer

- Proton integriert das offene Schweizer Sprachmodell Apertus 1.5 als wählbare Option in seinen KI-Assistenten Lumo.
- Apertus wird von Forschenden der EPFL und der ETH Zürich entwickelt, auf dem Supercomputer Alps am CSCS trainiert und unter Apache 2.0 veröffentlicht.
- Nutzende können freiwillig und anonymisiert Feedback geben; das Apertus-Team erhält damit erstmals Daten aus dem realen Einsatz.
- Apertus 1.5 wird unter anderem bereits von Swisscom, Infomaniak, Safe Swiss Cloud und Public AI eingesetzt.
Ein offenes Sprachmodell aus der Schweiz ist schnell gebaut. Nutzer dafür zu finden, ist die schwierigere Übung. Genau die löst Apertus jetzt – mit Proton als Partner.
Was passiert ist
Proton integriert Apertus 1.5 in seinen KI-Assistenten Lumo. Das Modell erscheint dort als wählbare Option – neben den bestehenden Optionen, für Dutzende Millionen Nutzende. Lumo ist Protons datenschutzfreundlicher Assistent und wurde wie Apertus in der Schweiz entwickelt.
Der interessantere Teil des Deals läuft in die Gegenrichtung. Nutzende können dem Apertus-Team freiwillig Rückmeldungen zu Antworten geben. Diese Feedbacks sind anonymisiert und setzen eine ausdrückliche Zustimmung voraus. Die Chats selbst bleiben durch Zero-Access-Verschlüsselung privat – auch die mit Apertus.
Warum das Feedback der Punkt ist
Die grossen KI-Anbieter haben einen Vorteil, der sich mit Rechenzeit nicht aufholen lässt: Millionen Nutzende, die täglich sagen, was gut und was schlecht war. Offene Modelle von Hochschulen haben das schlicht nicht. Sie werden trainiert, veröffentlicht – und dann verschwinden sie in Downloads, aus denen nie eine Rückmeldung zurückkommt.
«Feedback aus der realen Nutzung ist die eine Zutat, die offenen Modellen bisher gefehlt hat», sagt Imanol Schlag, KI-Forscher am ETH AI Center und Co-Leiter des Apertus-Projekts. Martin Jaggi, Professor an der EPFL und ebenfalls Co-Leiter, sieht darin auch eine Öffnung: Eine breitere Gemeinschaft kann am Modell mitarbeiten.
Was Apertus ist
Apertus 1.5 ist ein vollständig offenes Sprachmodell, entwickelt von Forschenden der EPFL, der ETH Zürich und weiterer Partner. Trainiert wird es auf dem Supercomputer Alps am CSCS, veröffentlicht unter der Apache-2.0-Lizenz. Trainingsdaten, Quellcode und Entwicklung sind dokumentiert. Behörden und Firmen können das Modell prüfen, anpassen und weiterentwickeln.
Seit der Einführung im September 2025 hat sich Apertus vom Forschungsprojekt zur eingesetzten Lösung entwickelt. Zu den Organisationen, die es nutzen oder integriert haben, zählen Swisscom, Infomaniak, OnPrem.ai, Stepping Stone, Safe Swiss Cloud, Mono.chat, Helvetra, Featherless.ai, Public AI und AI Potluck. Mit Lumo kommt nun der Partner mit der grössten Nutzerbasis dazu.
Unsere Einordnung
Das ist die bisher wichtigste Nachricht zu Apertus – wichtiger als jedes Benchmark-Ergebnis. Ein offenes Modell ohne Nutzerfeedback ist ein Museumsstück: technisch sauber, aber ohne Kontakt zur Realität. Mit Lumo bekommt das Projekt einen Kanal, den bisher nur die grossen amerikanischen Anbieter hatten.
Bemerkenswert ist auch, wer hier zusammenspannt. Eine Hochschulforschung, die ein Modell verschenkt, und eine Firma, deren gesamtes Geschäftsmodell auf Datensparsamkeit beruht. Dass daraus trotzdem ein funktionierender Feedback-Kanal entsteht, ohne die Privatsphäre zu opfern, ist die eigentliche Ingenieurleistung.
Eamonn Maguire, Director of AI bei Proton, bringt es auf den Punkt: Eigene KI zu haben reiche nicht, sie müsse auch wettbewerbsfähig sein, damit Menschen sie tatsächlich nutzen. Genau da war die Schwachstelle der europäischen Souveränitätsdebatte bisher. Es wurde viel über Unabhängigkeit geredet und wenig darüber, warum jemand freiwillig wechseln sollte.
Für Schweizer Startups steckt darin eine konkrete Lehre. Wer ein souveränes KI-Produkt bauen will, muss es nicht mehr bei Null beginnen. Apertus ist offen, dokumentiert, in der Schweiz trainiert – und wird gerade in der Praxis härter. Das senkt die Einstiegshürde für jede Firma, die aus regulatorischen Gründen nicht in eine US-Cloud darf.
Quelle: ethz.ch
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