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Porträt: Wie Planted aus Kemptthal die Fleischindustrie herausfordert

Redaktion·23. Juli 2026·6 Min.
Porträt: Wie Planted aus Kemptthal die Fleischindustrie herausfordert
In 30 Sekunden gelesen
  • ETH-Spin-off Planted (gegründet 2019, Kemptthal ZH) macht pflanzliches Fleisch aus wenigen natürlichen Zutaten.
  • Technologischer Vorsprung: ein fermentiertes Steak am Stück, das per 30- bis 40-stündiger Biofermentation entsteht.
  • CHF 70 Mio. Series B (2022); neues Werk in Memmingen (DE, 2025) mit über 20 Tonnen Kapazität pro Tag.
  • Im abgekühlten Markt für pflanzliches Fleisch ist der Steak-Rollout der entscheidende Test.

🔎 Porträt – Kemptthal (ZH): Wie ein ETH-Spin-off aus Pflanzenprotein und Pilzkulturen ein Steak macht, das die Fleischindustrie ernst nehmen muss.

Planted ist das bekannteste Gesicht der Schweizer Foodtech-Szene. Aus einem ETH-Labor wurde in sechs Jahren eine Marke, die in ganz Europa im Regal steht. Wir schauen genau hin: Was steckt hinter dem Hype, und wie robust ist das Geschäft in einem Markt, der es pflanzlichem Fleisch gerade schwer macht?

Was die Firma macht

Planted (Planted Foods AG) stellt pflanzliches Fleisch her. Der Ansatz ist klar: wenige, natürliche Zutaten statt langer Zusatzstoff-Liste. Aus Pflanzenproteinen entstehen Poulet-Alternativen, Pulled-Varianten, Kebab, Schnitzel und ein fermentiertes Steak. Verkauft wird an den Detailhandel, an die Gastronomie und an Grosskunden. Der Sitz ist in Kemptthal im Kanton Zürich, auf dem alten Maggi-Areal – passender geht es für eine Food-Firma kaum.

Die Geschichte

Gegründet wurde Planted 2019 als Spin-off der ETH Zürich. Hinter der Firma stehen Pascal Bieri, Lukas Böni, Eric Stirnemann und Christoph Jenny. Der Start gelang mit planted.chicken, einem Poulet-Ersatz aus Erbsenprotein. Von dort ging es schnell: mehr Produkte, mehr Länder, eine grosse Finanzierungsrunde und eine eigene Fabrik. Kemptthal wuchs vom Pilotbetrieb zum Produktionsstandort. 2025 kam ein zweites Werk im süddeutschen Memmingen dazu. Planted gehört seit Jahren zu den meistbeachteten Namen im Schweizer Startup-Ökosystem.

Produkt & Technologie

Der technologische Kern ist zweigeteilt. Für die klassischen Produkte nutzt Planted die Extrusion: Pflanzenprotein wird unter Druck und Hitze in eine faserige, fleischähnliche Struktur gebracht. Der eigentliche Sprung ist aber das Steak. Es entsteht per Biofermentation. Pilzkulturen wachsen 30 bis 40 Stunden durch das Protein und geben ihm Struktur, Biss und Geschmack. So entsteht ein Stück am Stück – nicht nur Hack oder Streifen. Genau daran scheitern viele in der Branche. Und die Zutatenliste bleibt trotzdem kurz. Das ist der Winkel, mit dem sich Planted von reinen Imitat-Produkten abhebt.

Markt & Wettbewerb

Der Markt für pflanzliches Fleisch ist rauer geworden. Nach dem Boom um 2020 kühlte die Nachfrage ab. Preis und Geschmack blieben Streitpunkte, einige Anbieter gerieten in Schieflage. Planted spielt in einer Liga mit Beyond Meat, Impossible Foods und der Rügenwalder Mühle – aber mit einer eigenen Position: Clean Label und Fermentation statt möglichst fleischnaher Chemie. Der wichtigste Absatzmarkt ist der deutschsprachige Raum, wo pflanzliche Alternativen stärker im Alltag angekommen sind als anderswo. Das neue Werk in Memmingen zielt genau auf diese Nachfrage. Wer hier gewinnen will, muss Geschmack, Preis und Verfügbarkeit gleichzeitig liefern.

Finanzierung & Zahlen

2022 sammelte Planted CHF 70 Millionen in einer Series B ein – eine der grössten Foodtech-Runden der Schweiz. Das Werk in Memmingen ist auf über 20 Tonnen pro Tag ausgelegt und schuf rund 50 Stellen. Das fermentierte Steak spart laut Planted 97 Prozent CO2e und 81 Prozent Wasser gegenüber Rindfleisch. Aktuelle Umsatzzahlen legt die Firma nicht offen – an dieser Stelle bleibt das Bild bewusst unvollständig, und wir spekulieren nicht.

Unsere Einordnung

Planted ist das stärkste Schweizer Pferd im Rennen um pflanzliches Fleisch. Die Fermentations-Technologie für ganze Stücke ist ein echter Vorsprung, und die kurze Zutatenliste trifft den Nerv der Zeit. Trotzdem sind wir nicht blauäugig. Der Markt wächst nicht mehr von allein, und eine zweite Fabrik will ausgelastet sein. Der Steak-Rollout im Detailhandel ist deshalb der Lackmustest. Gelingt er, ist Planted europäische Spitze. Gelingt er nur halb, wird die neue Kapazität zur Last. Unsere Wette: Die Technologie ist gut genug, dass die Firma diesen Test besteht. Aber die nächsten zwei Jahre entscheiden, ob aus dem Vorzeige-Startup ein dauerhaft profitables Unternehmen wird.

Zum Startup

Name
Planted
Phase
Growth
Letzte Runde
CHF 70 Mio. (Series B, 2022)
Kanton
Zürich
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Quelle: eatplanted.com

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