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Porträt: Wie SurfAce Cleantech kompostierbare Folien mit einer Art Druckfarbe stärkt

Redaktion·14. Sept. 2026·6 Min.
Porträt: Wie SurfAce Cleantech kompostierbare Folien mit einer Art Druckfarbe stärkt
In 30 Sekunden gelesen
  • SurfAce Cleantech entwickelt eine Verbundbeschichtung, die kompostierbare Folien um über 30 Prozent verstärkt.
  • Die Beschichtung wird auf bestehenden Flexodruckmaschinen aufgetragen, ähnlich wie Druckfarbe.
  • Die FIT sprach dem Startup ein Tech-Seed-Darlehen von CHF 100'000 zu.
  • Das Team sitzt in Lausanne und arbeitet für die Forschung mit der EPFL zusammen.

🔎 Porträt – Lausanne: Ein Startup, das kompostierbare Verpackung nicht besser verkaufen, sondern schlicht billiger machen will.

Kompostierbare Verpackung hat ein Imageproblem, das keines ist: Sie ist teurer und schwächer als Plastik. SurfAce Cleantech aus Lausanne greift genau diese zwei Punkte an – mit einer Beschichtung, die wie Druckfarbe auf die Folie kommt.

Was die Firma macht

SurfAce Cleantech entwickelt eine Verbundbeschichtung für Biokunststoff-Folien. Sie verstärkt die Folie nach Firmenangaben um über 30 Prozent. Das klingt technisch, hat aber eine sehr handfeste Konsequenz: Hersteller können dünnere Folien verwenden, ohne an Leistung zu verlieren. Weniger Material heisst weniger Kosten, weniger Gewicht, weniger Emissionen in der Logistik. Das Startup beziffert den Effekt mit rund 15 Prozent tieferen Kosten.

Der entscheidende Punkt ist die Anwendung. Die Beschichtung wird auf bestehenden Flexodruckmaschinen aufgetragen, ähnlich wie eine Farbe. Sie ist mit den vorhandenen Rasterwalzen kompatibel und bremst die Produktionsgeschwindigkeit nicht. Wer sie einsetzen will, muss also keine neue Anlage kaufen. Das senkt die Einstiegshürde massiv – und erlaubt nebenbei, die Beschichtung gezielt als Muster aufzutragen, dort wo die Folie wirklich belastet wird.

Die Geschichte

Das Unternehmen wurde 2025 gegründet und sitzt in Lausanne, in unmittelbarer Nähe zur EPFL. An der Spitze steht Frederic Mauch als Mitgründer und CEO. Er bringt rund zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Branche für kompostierbare Verpackungen mit – und damit das, was einem Deeptech-Startup in einem Industriemarkt am häufigsten fehlt: ein Netzwerk, das die Einkaufsabteilungen kennt.

Die technische Seite verantwortet Mitgründerin und CTO Saoirse Kathryn McConnell, Chemieingenieurin mit Schwerpunkt Biopolymere. Die Forschung und Entwicklung leitet Loris Castagnolo, Werkstoffingenieur, in Zusammenarbeit mit der EPFL. Ein kleines Team, aber eines mit klarer Rollenteilung zwischen Markt und Labor.

Produkt und Technologie

Die Zusammensetzung und die Auftragsart der Beschichtung sind zum Patent angemeldet. Laut Firma funktioniert sie auf allen gängigen Biopolymer-Folien und integriert sich nahtlos in den bestehenden Herstellungsprozess. Zentral ist ausserdem, dass die Kompostierbarkeit erhalten bleibt: Die Beschichtung soll nach der europäischen Norm EN 13432 als kompostierbar zertifiziert werden. Ohne diesen Nachweis wäre die ganze Übung sinnlos – eine verstärkte Folie, die am Ende nicht mehr in die Grünabfuhr darf, löst kein Problem, sondern schafft eines.

Markt und Wettbewerb

Die Nachfrage nach kompostierbaren Verpackungen wächst weltweit, getrieben von strengeren Regeln für Kunststoffe und von Konsumentinnen und Konsumenten, die nachhaltige Lösungen einfordern. Die Stiftung für technologische Innovation FIT rechnet damit, dass sich der Markt für Biokunststoffe bis 2030 verdoppelt, wobei biologisch abbaubare Kunststoffe am schnellsten wachsen.

Trotzdem bleibt die Verbreitung begrenzt, und zwar aus zwei Gründen: höhere Kosten und schwächere mechanische Eigenschaften. Genau diese Doppellücke adressiert SurfAce. Der Wettbewerb besteht weniger aus anderen Startups als aus den grossen Folienherstellern selbst, die ihre Rezepturen laufend verbessern. Der Vorteil des Lausanner Teams: Es verkauft keine neue Folie, sondern ein Upgrade für bestehende – und muss damit niemanden zwingen, den Lieferanten zu wechseln.

Finanzierung und Unterstützung

Die Stiftung für technologische Innovation FIT sprach SurfAce Cleantech ein Tech-Seed-Darlehen von CHF 100'000 zu. Das Geld soll die Produktentwicklung abschliessen, Markttests ermöglichen, Zertifizierungen finanzieren und den Patentschutz vervollständigen. Dazu kommt eine erste Auswahl bei Venture Kick sowie Unterstützung durch den Kanton Waadt, Innosuisse, die EPFL, Business Angels und Climate Founders.

Unsere Einordnung

Dieses Startup gefällt uns, weil es die Nachhaltigkeitsdebatte auf eine Rechnung reduziert. Kompostierbare Verpackung setzt sich nicht durch, weil sie gut gemeint ist, sondern wenn sie pro Quadratmeter gleich viel oder weniger kostet als Plastik. SurfAce verkauft keine Moral, sondern eine Materialeinsparung. Das ist das deutlich robustere Geschäftsmodell.

Stark ist auch die Entscheidung, auf vorhandene Maschinen zu setzen. Wer der Verpackungsindustrie eine neue Anlage verkaufen will, verliert Jahre. Wer eine neue Farbe im bestehenden Druckwerk anbietet, kann in Monaten testen. Genau darin liegt die Chance, aus einem Laborergebnis eine industrielle Referenz zu machen.

Die Risiken sind aber ebenso klar. Die Zertifizierung nach EN 13432 ist noch nicht abgeschlossen, das Patent noch nicht erteilt, das Team klein. Und die Verpackungsindustrie ist ein Volumengeschäft mit brutalem Preisdruck, in dem Einkaufsabteilungen jahrelange Qualifizierungsverfahren fahren, bevor sie etwas ändern. SurfAce Cleantech hat die richtige Idee am richtigen Ort. Der Beweis steht noch aus – und er wird in Tonnen gemessen, nicht in Prototypen.

Zum Startup

Name
SurfAce Cleantech
Phase
Pre-Seed
Kanton
Waadt
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Quelle: surfacecleantech.com

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