Sympany schaltet das Medi-Check-Programm von TOM Medications frei

- Sympany bietet das Adhärenz- und Medi-Check-Programm von TOM Medications seinen Versicherten an.
- Das Angebot richtet sich an chronisch Erkrankte und Versicherte mit bestimmten Risikofaktoren.
- Der Medi-Check prüft rezeptpflichtige und rezeptfreie Medikamente auf Wechselwirkungen und Doppelspurigkeiten.
- Laut TOM ist das Programm vollständig anonym aufgebaut; die Kasse erhält keine Rückschlüsse auf Versicherte.
Digital Health verkauft sich in der Schweiz schwer – ausser jemand spart damit Geld. TOM Medications hat genau diesen Hebel gefunden. Die Krankenkasse Sympany bietet das Adhärenz- und Medi-Check-Programm des Startups jetzt ihren Versicherten an.
Was passiert ist
Sympany und TOM Medications haben ihre Partnerschaft von der Pilotphase in den Regelbetrieb überführt. Versicherte mit chronischen Erkrankungen und bestimmten Risikofaktoren können das digitale Programm in der TOM-App nutzen – direkt von zu Hause aus und ohne Gang zur Kasse.
Das Angebot besteht aus zwei Teilen. Das Adhärenz-Programm begleitet Betroffene engmaschig und spielerisch bei der Einnahme, mit massgeschneiderten Erinnerungen. Der integrierte Medi-Check ist neu: Über ein barrierefreies Tool in der App erfassen Nutzerinnen und Nutzer ihre gesamte Medikation – rezeptpflichtige Präparate ebenso wie rezeptfreie OTC-Produkte. Das System prüft die Angaben automatisch auf Wechselwirkungen und Doppelspurigkeiten.
Das Problem, das dahintersteckt
Rund 2,7 Millionen Menschen in der Schweiz leben laut TOM Medications mit chronischen Erkrankungen. Im Schnitt nehmen nur etwa die Hälfte aller Patientinnen und Patienten ihre Medikamente so ein wie verordnet. Besonders heikel wird es bei Polymedikation, also wenn mehrere Ärztinnen und Ärzte unabhängig voneinander verschreiben: Dann drohen gefährliche Wechselwirkungen und unbewusste Doppelmedikationen.
TOM verweist auf Zahlen aus früheren Programmen in der eigenen App: Doppelmedikationen liessen sich demnach um 45 Prozent, Wechselwirkungen um 57 Prozent reduzieren. Teilnehmende eines drei- bis sechsmonatigen Programms hielten ihre Therapietreue ein Jahr später noch bei über 90 Prozent. Über 70 Prozent blieben langfristig täglich in der App aktiv.
Anonym als Verkaufsargument
Der kritische Punkt bei Kassenprogrammen ist immer derselbe: Wer sieht meine Daten? TOM löst das nach eigenen Angaben strukturell. Das Programm laufe zu 100 Prozent anonym by design, Rückschlüsse auf die Identität einzelner Versicherter gelangten nicht an die Krankenkasse. Das ist nicht nur Datenschutz-Kosmetik, sondern die Voraussetzung dafür, dass genug Menschen mitmachen.
Unsere Einordnung
Das ist der wohl schwierigste Vertriebskanal im Schweizer Gesundheitswesen – und TOM bedient ihn nun mehrfach. Neben Sympany gehört auch Sanitas zur Kundschaft. Krankenkassen sind träge, risikoscheu und prüfen lange. Wer einmal drin ist, hat dafür Zugang zu Hunderttausenden Versicherten, ohne eine einzige Werbekampagne.
Der Schritt vom Pilot in den Regelbetrieb ist dabei das eigentliche Signal. Pilotprojekte gibt es in der Digital Health viele, sie enden oft in der Schublade. Hier hat eine Kasse entschieden, dass sich die Sache rechnet. Entscheidend wird nun, ob TOM die Wirkung auch in den Abrechnungsdaten der Kassen nachweisen kann und nicht nur in den eigenen App-Zahlen. Gelingt das, wird aus einer Erinnerungs-App ein Kostensenkungsinstrument – und das ist ein deutlich besseres Geschäft.
Quelle: tommedications.com
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