Porträt: Wie Luxtelligence aus dem EPFL-Umfeld Lichtchips aus Lithiumniobat für KI und Quanten baut

- Luxtelligence SA wurde laut Firmenangaben 2022 gegründet und sitzt im EPFL Innovation Park in Saint-Sulpice.
- Die Technologie geht auf Forschung am EPFL (Tobias Kippenberg) und am KIT zurück.
- Angeboten werden Chips und Foundry-Zugang für Dünnschicht-Lithiumniobat (TFLN) und -Lithiumtantalat (TFLT).
- Die Firma wird durch zwei Horizon-Europe-EIC-Projekte (CIELO, ELLIPTIC) unterstützt.
🔎 Porträt – Waadt: Wenn KI-Rechenzentren an der Bandbreite scheitern, wird Licht zur Lösung – und ein Westschweizer Spin-off liefert die Chips dazu.
Luxtelligence ist kein bekannter Name. Das Unternehmen gehört aber zu den spannendsten Photonik-Firmen der Romandie. Es baut Chips, die Daten mit Licht statt mit Strom verarbeiten.
Was die Firma macht
Luxtelligence entwickelt photonische integrierte Schaltungen. Das Motto der Firma: Optoelektronik auf einem Chip. Ziel sind Verbindungen für das Quanten- und KI-Zeitalter. Die Firma bietet Wafer, verpackte Modulatoren sowie kundenspezifische und Serienfertigung an.
Das Kernmaterial ist Dünnschicht-Lithiumniobat, kurz TFLN. Dazu kommt Dünnschicht-Lithiumtantalat, TFLT. Beide Materialien eignen sich für sehr schnelle optische Modulatoren. Laut Firma unterstützt TFLT das O-Band und das C-Band, TFLN nur das C-Band.
Die Geschichte
Die Wurzeln liegen in der Forschung. Die Plattform TFLX geht laut Firma auf eine Zusammenarbeit zwischen dem Labor von Prof. Tobias J. Kippenberg an der EPFL und dem Institut von Prof. Christian Koos am KIT zurück. Ein Teil der Technologie reicht bis zu Doktorarbeiten aus dem Jahr 2017 zurück, die optoelektronische Funktionen direkt auf Silizium bringen wollten.
Laut eigener Darstellung wurde die Luxtelligence SA im vierten Quartal 2022 gegründet. Das Kernteam besteht aus Forschenden und Ingenieuren, die seit 2017 am EPFL an TFLN- und TFLT-Photonik arbeiten. Als CEO nennt die Website Andrea Francescon, als Mitgründer und Leiter Produktion Rui Ning Wang. Der Sitz ist laut Adressangabe der EPFL Innovation Park in Saint-Sulpice.
Produkt und Technologie
Luxtelligence arbeitet als Foundry. Heute läuft die Fertigung auf 4-Zoll-Wafern, der Wechsel zu 6- und 8-Zoll-Foundries ist in Arbeit. Es gibt zwei Linien: LN-CORE für die Forschung und LT-PRO für Volumen. Dazu kommt ein offenes Process Design Kit mit GDSFactory-Zellen auf GitHub. So können Kunden Chips entwerfen, ohne bei null anzufangen.
Typische Durchlaufzeiten in Sammelfertigung (Multi-Project-Wafer) sind drei Monate für TFLN und vier bis fünf Monate für TFLT. Für Forschungsgruppen und Start-ups ist das ein realistischer Weg zum Prototyp. Als Testimonials nennt die Website Forschende von CNIT, KAIST und Orca Computing. Formale Partnerschaften beschreibt die Firma dort nicht.
Markt und Wettbewerb
KI-Rechenzentren brauchen mehr Bandbreite bei weniger Energie. Photonik verspricht genau das. Lithiumniobat gilt als eines der Materialien, die dafür infrage kommen. Das Feld ist umkämpft. In der Schweiz gibt es mit Lightium und CCRAFT weitere Firmen im Umfeld. Wie sich die Kräfte verteilen, ist offen.
Finanzierung
Belegt sind zwei Projekte im EU-Programm Horizon Europe (EIC): CIELO (Nr. 101187231) und ELLIPTIC (Nr. 101187515). Zu privaten Investoren und Runden macht die Firma auf ihrer Website keine Angaben. Deshalb nennen wir hier keine Zahlen.
Unsere Einordnung
Wir finden: Photonik ist ein Feld, in dem die Schweiz mitspielen kann. Das Wissen sitzt am EPFL, die Anwendungen kommen aus KI und Quanten. Luxtelligence verkauft nicht nur Chips, sondern Zugang. Das ist klug, weil Forschende und Start-ups so schneller zum eigenen Prototyp kommen.
Die Bewährungsprobe ist der Sprung auf grössere Wafer und in die Serie. Gelingt er, wird aus dem Spin-off ein Baustein der europäischen Chip-Lieferkette. Wir schauen genau hin.
Quelle: luxtelligence.ai
Mehr aus der Szene
MeinungCluster-Check: Vier Basler Biotechs, vier Wege nach oben – Alentis, Nouscom, Windward Bio und Atlas Bio im Herbst 2026
Produkt-UpdateAlentis und PinotBio bauen neue Krebs-Wirkstoffe gegen Claudin-1 – Basler Biotech sichert sich Option auf Linker und Payloads
Finanzierung