Zum Inhalt springen
startupnews.ch
← Zurück zu News
PorträtVerifiziert

Porträt: Wie Flyability aus der Waadt Menschen aus gefährlichen Inspektionen holt

Redaktion·3. Aug. 2026·6 Min.
Porträt: Wie Flyability aus der Waadt Menschen aus gefährlichen Inspektionen holt
In 30 Sekunden gelesen
  • Flyability ist ein 2014 gegründetes Spin-off der EPFL mit Sitz in Paudex (Waadt).
  • Die kollisionstoleranten Elios-Drohnen inspizieren enge, gefährliche Räume wie Tanks, Kessel und Schächte.
  • Gründer Patrick Thévoz und Adrien Briod liessen sich von der Fukushima-Katastrophe 2011 inspirieren.
  • Die Technik ist in über 60 Ländern im Einsatz; 2018 holte die Firma USD 11 Mio. in einer Series B.

🔎 Porträt – Waadt: Ein EPFL-Spin-off schickt käfiggeschützte Drohnen dorthin, wo kein Mensch hin sollte – in Tanks, Kessel und Schächte.

Industrieanlagen inspizieren hiess lange: Gerüst aufbauen, Anlage abstellen, einen Menschen in einen engen, dunklen Raum schicken. Flyability aus der Waadt hat daraus ein Software- und Robotikgeschäft gemacht. Seine Drohnen fliegen dorthin, wo es für Menschen gefährlich ist – und kommen mit den Daten zurück.

Was die Firma macht

Flyability baut Drohnen für die Inspektion enger und geschlossener Räume. Das Besondere: Ihre Geräte stecken in einem schützenden Käfig und sind kollisionstolerant. Sie dürfen also an Wände stossen, ohne abzustürzen. Genau das braucht es in Tanks, Kesseln, Schächten oder Bergwerksstollen, wo GPS fehlt und jeder Zentimeter zählt. So lässt sich prüfen, ob ein Kessel Risse hat oder ein Schacht einsturzgefährdet ist, ohne dass ein Mensch hineinsteigen muss.

Die Geschichte

Gegründet wurde Flyability 2014 als Spin-off der EPFL und ihres Laboratory of Intelligent Systems. Die Gründer Patrick Thévoz und Adrien Briod liessen sich von der Reaktorkatastrophe in Fukushima 2011 inspirieren: Damals war klar, dass Menschen dort nicht sicher hin konnten – Roboter aber schon. Briod entwickelte und patentierte an der EPFL Verfahren, um Drohnen in engen Räumen stabil zu halten. Aus dieser Forschung wurde die Technik, die Flyability bis heute prägt.

Produkt & Technologie

Das Aushängeschild ist die Elios-Reihe. Das aktuelle Modell Elios 3 kombiniert die käfiggeschützte Drohne mit einem LiDAR-Sensor, der die Umgebung in 3D vermisst. So entsteht während des Flugs eine detaillierte Karte des Innenraums. Techniker sehen danach am Bildschirm, wo genau ein Schaden sitzt, statt sich auf Lückentexte und Erinnerung zu verlassen. Rund um die Drohne verkauft Flyability auch die Software, mit der die Aufnahmen ausgewertet und dokumentiert werden – der eigentliche Wert steckt oft in diesen Daten.

Markt & Wettbewerb

Die Kunden kommen aus Energie, Chemie, Abwasser, Zement und Bergbau – also überall dort, wo grosse Anlagen regelmässig geprüft werden müssen. Der Nutzen ist leicht zu rechnen: Jede Stunde, in der eine Anlage stillsteht, kostet Geld, und jeder Einsatz in einem engen Raum ist ein Risiko für die Sicherheit. Eine Drohne kürzt beides ab. Flyability gehört in diesem Nischenmarkt zu den international führenden Anbietern; die Technik ist nach Firmenangaben in über 60 Ländern und bei hunderten Unternehmen im Einsatz. Der Wettbewerb wächst, doch der Käfig-Ansatz und der Vorsprung bei Software und Erfahrung sind ein solider Graben.

Finanzierung & Zahlen

2018 holte Flyability in einer Series B rund USD 11 Mio. und finanzierte damit die internationale Expansion. Seither ist die Firma von Paudex am Genfersee aus stetig gewachsen und hat ihre Produktlinie mehrfach erneuert. Genaue aktuelle Zahlen hält das Unternehmen zurück, doch die breite Kundenbasis in über 60 Ländern spricht für ein tragfähiges Geschäft jenseits reiner Wachstumsfinanzierung.

Unsere Einordnung

Flyability ist ein Musterbeispiel für Schweizer Deeptech: eine klar umrissene, schwierige Aufgabe, gelöst mit einer patentierten Idee aus der Hochschule. Die Firma verkauft keine Spielerei, sondern Sicherheit und gespartes Geld – ein Nutzen, den jeder Anlagenbetreiber sofort versteht. Genau das macht das Geschäft robust. Die Herausforderung der nächsten Jahre wird sein, vom Gerät noch stärker zur Software zu wandern und Inspektionen weiter zu automatisieren. Gelingt das, kann aus dem Drohnenbauer eine Datenplattform für die Industrie werden.

Quelle: flyability.com

Teilen

Mehr aus der Szene