Groupe Mutuel testet Giotto.ai im eigenen Rechenzentrum – die Lausanner KI bleibt hinter der Firmenmauer

- Giotto.ai aus Lausanne und der Versicherer Groupe Mutuel starten eine Zusammenarbeit.
- Das Modell Giotto soll auf der eigenen Infrastruktur von Groupe Mutuel laufen, sensible Daten bleiben im Haus.
- Der Versicherer testet das Modell derzeit über mehrere Anwendungsfälle und Geschäftsbereiche.
- Groupe Mutuel betreut über 1,3 Mio. Privatkundinnen und -kunden sowie über 31'600 Unternehmen.
Groupe Mutuel holt die künstliche Intelligenz ins eigene Haus. Der Versicherer aus Martigny setzt auf das Modell des Lausanner Labors Giotto.ai – und lässt es auf der eigenen Infrastruktur laufen.
Was passiert ist
Giotto.ai und Groupe Mutuel haben eine Zusammenarbeit gestartet, um das KI-Modell Giotto über mehrere Anwendungsfälle einzusetzen. Derzeit prüft der Versicherer das Modell in verschiedenen Geschäftsbereichen. Der geplante Einsatz ist so ausgelegt, dass Giotto auf der eigenen Infrastruktur von Groupe Mutuel läuft.
Das ist der Kern der Sache. Sensible Daten bleiben in der Umgebung des Versicherers, und dieser behält die direkte Kontrolle darüber, wie die KI betrieben und in interne Abläufe eingebunden wird. Giotto tritt dabei nicht als Chatbot auf, sondern als Modell plus Betriebssystem für Daten, Wissen und Arbeitsabläufe.
Wer die beiden Partner sind
Giotto.ai hat seinen Hauptsitz in Lausanne und arbeitet mit einem Team quer durch Europa. Die Firma baut kompakte Reasoning-Systeme, die auf der vom Kunden gewählten Infrastruktur laufen sollen – in der Cloud, auf eigenen GPUs oder auf zertifizierter Hardware. Das Modell ist darauf ausgelegt, auf einer einzelnen GPU zu arbeiten. Geführt wird das Unternehmen von CEO Aldo Podestà und CTO Matteo Caorsi.
Groupe Mutuel ist der einzige Allbranchenversicherer der Schweiz. Das Unternehmen beschäftigt über 2'600 Mitarbeitende, betreut mehr als 1,3 Mio. Privatkundinnen und -kunden sowie über 31'600 Firmen und erzielt einen Umsatz von über CHF 6,5 Mrd. In der Krankenversicherung ist es die Nummer drei im Land.
«Schweizer Exzellenz zählt am meisten, wenn sie einen greifbaren Nutzen für unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger schafft», sagt Podestà. Mariana Atilano Merinan, Head of Strategy & Data Analytics bei Groupe Mutuel, spricht von nachhaltigen, souveränen KI-Lösungen, die sensible Daten schützen und zugleich Nutzen für Kunden und Mitarbeitende stiften sollen.
Warum souveräne KI gerade jetzt Thema ist
Versicherer, Banken und Spitäler sitzen auf den heikelsten Datenbeständen des Landes. Der Weg über eine grosse ausländische Cloud ist bequem, wirft aber jedes Mal dieselben Fragen auf: Wo liegen die Daten, wer darf sie sehen, und was passiert bei einer Änderung der Nutzungsbedingungen. Modelle, die klein genug sind, um im eigenen Rechenzentrum zu laufen, machen diese Diskussion überflüssig.
Genau darauf setzt Giotto.ai seine Positionierung. Nicht das grösste Modell gewinnt, sondern jenes, das auf vorhandener Hardware gut genug arbeitet. Für regulierte Branchen ist das ein sehr konkreter Vorteil.
Unsere Einordnung
Das ist der wertvollste Referenzkunde, den ein Schweizer KI-Startup derzeit gewinnen kann. Ein Krankenversicherer mit 1,3 Mio. Kundinnen und Kunden lässt niemanden leichtfertig an seine Systeme. Wenn Giotto dort durch die Prüfung kommt, öffnet das Türen bei jedem anderen regulierten Haus im Land.
Wir bleiben trotzdem nüchtern. In der Mitteilung steht ausdrücklich, dass der Versicherer das Modell derzeit erprobt. Das ist ein Start, kein flächendeckender Rollout. Zwischen «wir testen über mehrere Anwendungsfälle» und «wir betreiben das produktiv über die Schadensbearbeitung» liegen in der Versicherungswelt oft zwei Jahre.
Interessant finden wir die Richtung. Während die Debatte über Schweizer KI meist darum kreist, ob das Land ein eigenes Grossmodell braucht, beantwortet Giotto.ai eine praktischere Frage: Wie bringt man brauchbare KI dorthin, wo die Daten ohnehin schon liegen. Das ist weniger spektakulär, aber vermutlich der schnellere Weg zu echtem Einsatz. Wir schauen jetzt darauf, ob aus dem Test ein benannter Produktivfall wird – und ob Giotto.ai daraus weitere Schweizer Grosskunden macht.
Quelle: webdisclosure.com
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