Swiss Scale-up Report 2026: 265 Firmen, CHF 26,6 Mrd. Wert – und nur noch 13 Prozent Schweizer Kapital

- Der Report identifiziert 265 Schweizer Scale-ups mit einer geschätzten Gesamtbewertung von CHF 26,6 Mrd.
- 43 Prozent sind Spin-offs von Schweizer Hochschulen und Forschungsinstituten, 64 Prozent zählen als Deeptech.
- Schweizer Investoren stellten 2025 nur 13 Prozent des zugeordneten Later-Stage-Kapitals, 2019 bis 2022 waren es 27 Prozent.
- 79 Prozent der Gründerinnen und Gründer würden einen ausländischen Käufer in Betracht ziehen, 39 Prozent einen Schweizer.
Zum ersten Mal sind die Schweizer Scale-ups einzeln gezählt worden. Das Ergebnis ist beeindruckend – und es legt ein Problem offen, das sich nicht mehr wegdiskutieren lässt.
Was der Report zeigt
Der Swiss Scale-up Report 2026 identifiziert 265 Schweizer Scale-ups mit einer geschätzten Gesamtbewertung von CHF 26,6 Mrd. Die tatsächliche Zahl dürfte bei 400 bis 500 Firmen liegen; die Lücke besteht vor allem aus Unternehmen, die über Umsatz oder Personalbestand qualifizieren, aber nie Risikokapital aufgenommen oder offengelegt haben. 75 Firmen wurden zusätzlich vertieft befragt.
Die meisten dieser Firmen sind im letzten Jahrzehnt entstanden. 64 Prozent zählen als Deeptech, 43 Prozent sind Spin-offs einer Schweizer Hochschule oder Forschungseinrichtung, angeführt von der ETH Zürich und der EPFL. Und sie bleiben hier: 71 Prozent der befragten Firmen halten den grössten Teil ihrer Belegschaft in der Schweiz. Allein die 75 befragten Unternehmen stehen für rund 2'700 Forschungsstellen, etwa 4,5 Prozent der gesamten privatwirtschaftlichen Forschungsbeschäftigung im Land.
Geografisch ist das Bild klar: Zürich beherbergt 89 der 265 Firmen, gefolgt von der Waadt (57), Zug (34), Basel-Stadt (26) und Genf (18). Diese fünf Kantone stellen 85 Prozent der Gesamtheit. Nach Branchen führen die Life Sciences mit 41 Prozent, vor Fintech und Consumer sowie Industrie, Hardware und Robotik mit je 17 Prozent.
Wo das Geld herkommt
Hier wird es unangenehm. Die identifizierten Scale-ups haben seit 2012 über CHF 13 Mrd. in 348 Later-Stage-Runden aufgenommen. Den grössten Teil davon haben ausländische Investoren finanziert. Der Schweizer Anteil am zugeordneten Wachstumskapital lag 2019 bis 2022 bei 27 Prozent – 2025 bei 13 Prozent. Sieben von zehn befragten Firmen planen innerhalb von 24 Monaten die nächste Runde.
Ausländisches Kapital ist kein Makel. Es ermöglicht grosse Runden und öffnet Märkte. Die Lücke ist die fehlende Schweizer Beteiligung daneben, wie Alexander Schläpfer, Managing Partner bei Swisscom Ventures, im Report festhält.
Aus der Finanzierungsfrage wird eine Eigentumsfrage
76 Prozent der befragten Scale-ups erzielen den Grossteil ihres Umsatzes im Ausland, 79 Prozent betreiben mindestens eine Auslandsgesellschaft. Bei den Exits folgt die Richtung den Kunden: 79 Prozent der Gründerinnen und Gründer würden einen ausländischen Käufer in Betracht ziehen und 41 Prozent einen Börsengang im Ausland, gegenüber 39 Prozent für einen Schweizer Käufer und 27 Prozent für eine Kotierung an der SIX.
Die aufschlussreichste Zahl des ganzen Reports steht direkt daneben. Ist die Aktionärsstruktur schweizerisch verankert, ziehen 49 Prozent einen Schweizer Exit in Betracht. Ist sie es nicht, sind es 13 Prozent. Wer nicht mitfinanziert, verliert am Ende das Unternehmen.
Zur Abwanderung ist das Bild differenzierter, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Rund ein Drittel der befragten Firmen hat einen Wegzug ernsthaft erwogen, meist wegen Marktzugang oder Kapital, nicht wegen Steuern. Zwei Drittel haben es nie ernsthaft erwogen. Firmen, die bereits weg sind, kann die Befragung naturgemäss nicht erfassen.
Was die Gründerinnen und Gründer fordern
Gefragt nach den wirksamsten Reformen, nennen sie an erster Stelle einen einfacheren Zugang der Pensionskassen zu Risikokapital (73 Prozent), danach standardisierte Mitarbeiterbeteiligungen (61 Prozent), schnellere Arbeitsbewilligungen für Talente ausserhalb der EU (48 Prozent) und die Abschaffung der Emissionsabgabe auf Kapital (44 Prozent). Keine dieser vier Forderungen ist neu. Alle stehen in der Startup-Agenda Schweiz, die im Februar 2026 verabschiedet wurde.
Beim operativen Alltag überrascht die Rangliste ebenfalls. Grösste Herausforderung ist der Vertrieb: 60 Prozent nennen ihn, vor dem Zugang zu Wachstumskapital (37 Prozent) und Wettbewerbern mit tieferen Taschen (28 Prozent). Technologierisiko taucht praktisch nicht auf.
Unsere Einordnung
Dieser Report war überfällig, und er ist gut gemacht. Endlich diskutieren wir über gezählte Firmen statt über Gefühle. Die gute Nachricht sollte dabei nicht untergehen: Die Schweiz hat eine ganze Schicht junger Weltmarktfirmen aufgebaut, die hier forscht, hier anstellt und weltweit verkauft.
Der Absturz des Schweizer Anteils am Wachstumskapital von 27 auf 13 Prozent ist trotzdem das Signal des Jahres. Wir halten die Sorge um «Ausverkauf» für falsch adressiert. Niemand kauft uns etwas weg. Wir verkaufen selbst, weil zu Hause niemand mitbietet.
Und dass die Gründerinnen und Gründer als wichtigste Reform ausgerechnet den Zugang der Pensionskassen zu Risikokapital nennen, ist bezeichnend. Sie verlangen keine Subventionen. Sie verlangen, dass Schweizer Kapital überhaupt mitspielen darf. Das ist keine Geldfrage, sondern eine Umsetzungsfrage – und die liegt seit Februar auf dem Tisch. Wenn der Report 2027 wieder 13 Prozent ausweist, ist die Ausrede aufgebraucht.
Ein Detail zum Schluss, das uns positiv stimmt: Die grösste operative Baustelle ist der Vertrieb, nicht die Technik. Das ist ein gutes Problem. Technik lässt sich schwer nachholen, Verkaufen lässt sich lernen.
Quelle: deeptechnation.ch
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