Porträt: Wie 9T Labs Carbonfaser aus der Manufaktur in die Serie bringt

- 9T Labs ist ein 2018 gegründetes Spin-off der ETH Zürich mit Sitz in Zürich.
- Die Plattform Red Series verbindet Design-Software, 3D-Druck und Presse zur Serienfertigung von Carbonfaser-Bauteilen.
- Series A über USD 17 Mio. (2022) mit Stratasys, Solvay Ventures, Verve Ventures, ACE & Company, ZKB und Wingman Ventures.
- Ziel: Leichtbau aus faserverstärktem Kunststoff für Luftfahrt, Medizin, Sport und Industrie bezahlbar machen.
🔎 Porträt – Zürich: Carbonfaser galt lange als teurer Luxus für Rennwagen und Jets. Dieses ETH-Spin-off will das ändern – und Verbundbauteile endlich in Serie fertigen.
9T Labs baut keine Bauteile. Die Firma baut die Maschine und die Software, mit der andere Bauteile bauen. Genau das macht das Zürcher Unternehmen zu einem der spannendsten Deeptech-Spin-offs der ETH.
Was die Firma macht
9T Labs ist ein Spin-off der ETH Zürich. Das Unternehmen entwickelt eine komplette Produktionsplattform für Bauteile aus faserverstärktem Kunststoff. Der Kern heisst Red Series. Sie verbindet drei Schritte: eine Design-Software, einen 3D-Drucker und eine Presse. Zusammen fertigen sie Teile aus carbonfaserverstärktem Thermoplast, kurz CFRTP. Kundschaft sind Hersteller, die heute noch auf Metall oder auf teure Handarbeit setzen. Das Ziel ist klar: Carbonfaser aus der Manufaktur holen und in die Serie bringen.
Die Geschichte
Gegründet wurde 9T Labs 2018. Die Wurzeln liegen in der Forschung an der ETH Zürich, wo sich das Team mit dem 3D-Druck von Endlosfasern beschäftigte. Aus dieser Arbeit entstand die Idee, den ganzen Fertigungsprozess neu zu denken. Statt teurer Handarbeit im Autoklav sollte eine digitale, wiederholbare Prozesskette entstehen. Rund um Mitgründer und CEO Martin Eichenhofer wuchs daraus ein Unternehmen mit Sitz in Zürich und einem zweiten Standbein in den USA, näher an der grossen Luftfahrt- und Medizinindustrie.
Produkt & Technologie
Der Ablauf ist elegant. Zuerst legt die Software fest, wo im Bauteil die Fasern verlaufen müssen. Dann druckt ein Modul einen Rohling, bei dem die Endlos-Carbonfasern genau entlang der Lastpfade liegen. Zum Schluss presst ein zweites Modul den Rohling in einer Metallform zum fertigen Teil. So entstehen Bauteile mit der Steifigkeit von Metall, aber einem Bruchteil des Gewichts. Der Materialabfall ist gering, weil Faser nur dort landet, wo sie gebraucht wird. Und weil der Prozess digital gesteuert ist, lässt sich jedes Teil in gleicher Qualität wiederholen. Das ist der Schlüssel für die Serie.
Markt & Wettbewerb
Der Markt ist gross. Leichtbau ist in der Luftfahrt, in der Medizintechnik, im Sport und in der Industrie gefragt. Überall, wo jedes Gramm zählt, ist Carbonfaser attraktiv, bislang aber zu teuer für hohe Stückzahlen. Genau in diese Lücke stösst 9T Labs. Der Wettbewerb kommt von klassischen Composite-Zulieferern und von anderen 3D-Druck-Firmen. Der Vorteil der Zürcher: Sie liefern nicht nur einen Drucker, sondern die ganze Prozesskette inklusive Serienpresse. Das macht den Sprung von Prototyp zu Serie glaubwürdig und senkt die Hürde für Industriekunden.
Finanzierung & Zahlen
9T Labs ist gut finanziert. Nach einer Seed-Runde von USD 4,3 Mio. folgte 2022 eine Series A über USD 17 Mio. An Bord sind starke Namen: der 3D-Druck-Konzern Stratasys, der Wagniskapital-Arm des Chemiekonzerns Solvay, dazu Verve Ventures, ACE & Company, die Zürcher Kantonalbank und Wingman Ventures. Diese Mischung aus Industrie und Finanzinvestoren ist ein gutes Signal. Sie zeigt: Auch etablierte Player glauben an die Serienfertigung von Composite-Teilen.
Unsere Einordnung
9T Labs macht vieles richtig. Die Firma verkauft nicht den Traum vom Wunderwerkstoff, sondern die Werkzeuge, um ihn wirtschaftlich zu nutzen. Das ist der klügere Weg. Wer die Maschinen liefert, verdient an jedem Bauteil mit, ganz gleich, welche Branche gerade boomt. Das Risiko liegt im Tempo: Serienfertigung in der Industrie einzuführen dauert, und die Kundschaft prüft lange. Doch die Kombination aus ETH-Technologie, starken Industriepartnern und einem klaren Produktversprechen macht 9T Labs zu einem der überzeugendsten Schweizer Deeptech-Spin-offs. Wir schauen genau hin.
Quelle: venturelab.swiss
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