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Keiron: EUR 20,7 Mio. für die Lötpaste, die 70 Prozent aller Platinenfehler verursacht

Redaktion·3. Aug. 2026·7 Min.
Keiron: EUR 20,7 Mio. für die Lötpaste, die 70 Prozent aller Platinenfehler verursacht
In 30 Sekunden gelesen
  • Keiron aus Eindhoven ist ein 2019 gegründetes Spin-off des TNO Holst Centre.
  • Die Firma holte EUR 20,7 Mio. in einer Series A, mitangeführt von Invest-NL, DeepTechXL und Waves Capital.
  • Ihr Verfahren LiFT druckt Lötpaste per Laser – präziser als das 100 Jahre alte Schablonen-Verfahren.
  • Lötpasten-Druck verursacht über 70 Prozent aller Platinenfehler in einem Markt von über EUR 600 Mrd. pro Jahr.

🌍 Blick über die Grenze – Niederlande: Warum ein Laser-Druckverfahren aus Eindhoven die Elektronikfertigung umkrempeln könnte – ein Thema, das auch Schweizer Präzisionsfertiger direkt angeht.

Fast jedes elektronische Gerät beginnt mit Lötpaste auf einer Platine. Ausgerechnet dieser erste Schritt ist bis heute die grösste Fehlerquelle der ganzen Fertigung. Das niederländische Startup Keiron will das ändern – mit einem Laser statt einer Schablone. Jetzt hat die Firma EUR 20,7 Mio. eingesammelt.

Was die Firma macht

Keiron Printing Technologies stammt aus Eindhoven, dem Herzen der niederländischen Hightech-Industrie. Gegründet 2019 als Spin-off des Forschungszentrums TNO Holst Centre, entwickelt die Firma ein Verfahren namens LiFT – kurz für Laser-Induced Forward Transfer. Statt Lötpaste wie seit rund hundert Jahren durch eine Metallschablone zu streichen, überträgt Keiron winzige Mengen Paste per Laserpuls exakt an die richtige Stelle. Das Ziel ist eine Elektronikfertigung, die sich weitgehend selbst optimiert – mit maximaler Präzision, Tempo und Flexibilität bei minimalem menschlichem Eingriff.

Was gerade passiert ist

Keiron hat eine Series A über EUR 20,7 Mio. abgeschlossen. Mitangeführt wurde die Runde von Invest-NL, DeepTechXL und Waves Capital. Dazu kamen bestehende und neue Investoren, darunter Ramphastos Investments, ATUM Ventures, der Cottonwood Technology Fund und TNO Ventures. Mit dem Geld will Keiron die Produktion hochfahren und das Geschäft in Europa, Nordamerika und dem asiatisch-pazifischen Raum ausbauen. Es ist eine typische Deeptech-Runde: viel Kapital, um eine bewiesene Labortechnik in den industriellen Massstab zu bringen.

Warum das Problem so gross ist

Die Zahl, die Keirons Pitch trägt, ist eindrücklich: Lötpasten-Druck ist für über 70 Prozent aller Fehler bei der Bestückung von Leiterplatten verantwortlich. Der Markt für die Elektronikfertigung ist mehr als EUR 600 Mrd. pro Jahr schwer. Wer also den ersten, fehleranfälligsten Schritt zuverlässiger macht, spart enorme Ausschuss- und Nacharbeitskosten. Das klassische Schablonenverfahren stösst zudem an Grenzen, je kleiner und dichter die Bauteile werden – genau der Trend, den KI-Chips, Medizintechnik und Luftfahrt gerade befeuern. Ein Laser, der einzelne Punkte setzt, passt viel besser in diese Welt der Miniaturisierung.

Warum das für die Schweiz zählt

Die Schweiz lebt von Präzision – in der Medizintechnik, der Uhrenindustrie, der Luft- und Raumfahrt und zunehmend bei Halbleitern. Überall dort werden hochzuverlässige Elektronikbauteile gebraucht, bei denen ein einziger Lötfehler teuer oder gefährlich ist. Ein Verfahren wie LiFT könnte also direkt in Schweizer Fabriken landen. Genauso spannend ist das Muster dahinter: Keiron ist ein Spin-off eines öffentlichen Forschungszentrums, das mit staatlichem und privatem Kapital gross gemacht wird. Das ist exakt der Weg, den auch Schweizer Deeptech aus ETH und EPFL geht. Wer sehen will, wie aus Grundlagenforschung ein industrieller Champion werden kann, sollte Eindhoven im Auge behalten – und sich fragen, ob die Schweiz ihre eigenen LiFT-Momente schnell genug finanziert.

Quelle: keirontechnologies.com

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