Voltiris bringt seine Spektralfilter nach Spanien – Novagric nimmt sie ins Gewächshaus-Programm

- Voltiris aus Epalinges (VD) hat eine Partnerschaft mit dem spanischen Gewächshaustechnik-Unternehmen Novagric geschlossen.
- Novagric bietet die Solarmodule mit Spektralfilter künftig in seinen Gewächshausprojekten an – nach technischer Prüfung im Einzelfall.
- Eine erste Anlage ist bei einem Novagric-Kunden in Mazarrón in Spanien installiert und getestet.
- Voltiris wurde 2022 als AG eingetragen und schloss 2025 eine Seed-Runde über CHF 4,8 Mio. ab.
Voltiris verkauft seine Technologie nicht mehr nur selbst – andere tun es jetzt auch. Das Waadtländer Cleantech hat eine Partnerschaft mit Novagric geschlossen, einem spanischen Gewächshausbauer mit über 50 Jahren Erfahrung. Das ist der Wechsel vom Projektgeschäft in den Vertriebskanal.
Was passiert ist
Novagric wird die Solartechnologie von Voltiris künftig Produzenten anbieten, die Anbau und Energieerzeugung verbinden wollen. Die Module können nach technischer Prüfung in Novagric-Gewächshausprojekte integriert werden. Eine erste Anlage steht bereits: Bei einem Novagric-Kunden in Mazarrón in Spanien ist die Technik installiert und getestet worden.
Novagric ist kein kleiner Partner. Das Unternehmen plant, baut und installiert Gewächshäuser samt Bewässerung, Fertigation und Klimasteuerung. Wer dort ins Standardprogramm kommt, sitzt auf einem Kanal in einen der grössten Gewächshausmärkte Europas.
Wie die Technik funktioniert
Die Grundidee ist bestechend einfach. Pflanzen brauchen nur einen Teil des Sonnenlichts zum Wachsen. Voltiris filtert genau die Wellenlängen heraus, die für die Photosynthese kaum eine Rolle spielen, und lenkt sie auf Solarzellen. Das Gewächshaus bleibt Gewächshaus und wird gleichzeitig Kraftwerk – ohne dass der Ertrag der Kultur leidet. Das ist der zentrale Unterschied zu klassischer Agri-Photovoltaik, bei der Panels schlicht Schatten werfen.
Die Firma erzählt ihre Geschichte selbst als Etappenplan: Idee 2021, Gründung der Voltiris SA 2022, eine Pre-Seed-Runde über CHF 1,1 Mio. im Jahr 2023, erste mittelgrosse Installationen 2024 mit Romande Energie und EBL, eine Seed-Runde über CHF 4,8 Mio. im Jahr 2025 und elf kommerzielle Projekte in der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich und Belgien. Die erste Anlage im Hektar-Massstab läuft bei Meier Gemüse in der Schweiz.
Warum Spanien der richtige Markt ist
Spanien hat viel Sonne, hohe Energiekosten im Gemüseanbau und eine sehr grosse Gewächshausfläche, vor allem im Südosten. Genau dort liegt Mazarrón. Anders als in den Niederlanden, wo Gewächshäuser vor allem geheizt und belichtet werden müssen, geht es in Spanien oft ums Kühlen und um teuren Netzstrom. Eigenverbrauch aus dem eigenen Dach rechnet sich dort schneller.
Voltiris ist damit in vier bis fünf europäischen Märkten unterwegs. Für eine Firma, die 2022 eingetragen wurde, ist das ein zügiges Tempo.
Unsere Einordnung
Diese Partnerschaft ist strategisch wichtiger, als sie klingt. Hardware-Cleantechs scheitern selten an der Technik und fast immer am Vertrieb: Jede einzelne Anlage muss verkauft, geplant und montiert werden, und das frisst Kapital. Wer stattdessen im Katalog eines etablierten Gewächshausbauers steht, lässt andere verkaufen. Das ist der Hebel, der aus einem Pilotprojekt-Unternehmen ein Produktunternehmen macht.
Ein Dämpfer bleibt: Die Formulierung "nach technischer Prüfung" heisst, dass nicht jedes Novagric-Projekt automatisch Voltiris-Module bekommt. Es ist ein Angebot im Portfolio, keine Standardausrüstung. Die spannende Zahl ist deshalb nicht die Partnerschaft selbst, sondern wie viele Hektaren daraus in den nächsten zwölf Monaten werden. Bis dahin gilt: Voltiris macht genau das, was ein Schweizer Deeptech in dieser Phase machen muss – raus aus dem Heimmarkt, rein in fremde Vertriebsnetze.
Zum Startup
- Name
- Voltiris
- Phase
- Seed
- Letzte Runde
- CHF 4,8 Mio. (Seed, 2025)
- Kanton
- Waadt
Quelle: voltiris.com
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