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Förder-Ticker KW 37: Genf verteilt CHF 500'000, das Tessin knackt erstmals die 100er-Marke

Redaktion·9. Sept. 2026·5 Min.
Förder-Ticker KW 37: Genf verteilt CHF 500'000, das Tessin knackt erstmals die 100er-Marke
In 30 Sekunden gelesen
  • Der Genfer Innovationsfonds FIF vergibt CHF 500'000 an Goodwall (400'000), Roofless Labs (50'000) und Infera Neuro (50'000).
  • SCAIT aus Risch-Rotkreuz hat das dreistufige Venture-Kick-Programm mit insgesamt CHF 150'000 durchlaufen.
  • Die Boldbrain Startup Challenge im Tessin zählt mit 102 zulässigen Bewerbungen einen Rekord und nimmt 20 Teams auf.
  • Neun Startups aus vier Ländern starten im HSG START Accelerator in St. Gallen.

Diese Woche ging Geld nach Genf, ins Tessin und in die Ostschweiz. Einzeln wäre jede Meldung zu klein, zusammen ergeben sie ein ordentliches Bild davon, wo in der Schweiz gerade Frühphasen-Kapital hinfliesst. Der Reihe nach.

Genf: CHF 500'000 aus dem Innovationsfonds

Der Genfer Innovationsfonds FIF hat drei Firmen unterstützt. Getragen wird er vom Kanton Genf zusammen mit FONGIT, der Fondation Modus, dem International Trade Centre und dem UNO-Umweltprogramm. Vergeben wird in drei Stufen: FIF Grant bis CHF 50'000, FIF Seed bis CHF 100'000, FIF Growth bis CHF 400'000.

Goodwall: CHF 400'000

Die grösste Summe geht an Goodwall, die Genfer Plattform für Kompetenzen und Karriereeinstieg junger Menschen: CHF 400'000 aus der Stufe FIF Growth, also das Maximum. Goodwall wurde 2014 gegründet, wird von FONGIT begleitet und zählt weltweit über drei Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Für sie ist die Plattform gratis, finanziert wird sie über Partnerschaften, unter anderem mit UNICEF. Das Geld geht in den Ausbau von Marketing und Partnerships.

Roofless Labs: CHF 50'000

CHF 50'000 aus der Stufe FIF Seed Tech gehen an Roofless Labs, ebenfalls Genf, gegründet 2025. Das Team baut K4MERA, eine digitale stereoskopische Kamera: Vier synchronisierte Kameramodule und ein Edge-AI-Chip erzeugen in unter fünf Sekunden ein sogenanntes Wigglegram – ein Bild, das durch minimale Perspektivwechsel dreidimensional wirkt. Unterstützt wurde die Firma bereits von Innosuisse, dem CSEM und Venture Kick. Das Produkt ist noch nicht auf dem Markt. Der Betrag fliesst in Industrialisierung, Markteinführung und IP-Strategie.

Infera Neuro: CHF 50'000

Ein FIF Grant über CHF 50'000 geht an Infera Neuro. Das Team um Raphael Berner und Masoud Farivar entwickelt Chips, die neuronale Signale direkt auf dem Gerät decodieren – für nicht-invasive Schnittstellen, die Gedanken in Sprache übersetzen sollen. Die Rohdaten bleiben dabei auf dem Chip. Das Geld finanziert die Firmengründung in Genf und die nächste Entwicklungsstufe.

Zug: SCAIT hat das Venture-Kick-Programm durchlaufen

SCAIT aus Risch-Rotkreuz hat das dreistufige Venture-Kick-Programm abgeschlossen und dabei insgesamt CHF 150'000 erhalten. Zur Einordnung, weil das oft durcheinandergeht: Venture Kick zahlt in drei Stufen aus – CHF 10'000, CHF 40'000 und CHF 100'000. Die häufig zitierten CHF 150'000 sind die Summe aller drei Stufen, nicht der Betrag einer einzelnen. Die zweite Stufe über CHF 40'000 erhielt SCAIT im März 2026.

SCAIT baut eine KI-Plattform für Bau-Ausschreibungen. Sie liest tausende Seiten Projektunterlagen nicht als Einzeldateien, sondern als zusammenhängendes Ganzes, markiert vertragliche Risiken und Widersprüche und unterstützt die Angebotserstellung. Laut Firma bearbeiten Kunden damit bis zu 60 Prozent mehr Ausschreibungen. Gegründet wurde SCAIT von Dominic Graber (CEO), Luisa Lager (COO) und Nicolas Hoferer (CTO). Im Juni meldete das Team eine überzeichnete Pre-Seed-Runde.

Tessin: Boldbrain mit Rekordandrang

Die Boldbrain Startup Challenge der Fondazione Agire und des USI Startup Centre startete am 3. September in Manno in ihre neunte Ausgabe. Erstmals seit dem Beginn 2018 überschritt die Zahl der zulässigen Bewerbungen die Hundertermarke: 243 begonnene Bewerbungen, 112 eingereicht, 102 zulässig – gut 30 Prozent mehr als die 78 im Vorjahr.

75 der zulässigen Bewerbungen kamen aus der Schweiz, davon 58 aus dem Tessin. Ausgewählt wurden 20 Teams: 18 aus der Schweiz, zwei aus Italien. Schwerpunkte sind ICT und Software (9 Teams), Life Science (4) sowie Energie und Cleantech (3). Acht der Startups sind bereits gegründet, zwei davon am Markt. Das Programm dauert drei Monate mit sechs Workshops, die Preisverleihung findet am 10. Dezember im Palazzo dei Congressi in Lugano statt.

St. Gallen: neue Kohorte im HSG START Accelerator

Neun Startups aus der Schweiz, Frankreich, Deutschland und Österreich sind in die neue Runde des HSG START Accelerator eingezogen. Getragen wird das Programm von der Universität St. Gallen, der START Foundation und dem Switzerland Innovation Park Ost. Es kombiniert ein Stipendium mit dem Zugang zu Investment von bis zu CHF 200'000 für ausgewählte Teams.

Dabei sind unter anderem catchfree (pflanzliche Fisch-Alternativen, ETH), Déploya (robotische Gerüstlösungen), MoleSense (molekulares Monitoring in der Schwangerschaftsbetreuung), Skaaltec (nicht-invasive Vagusnerv-Stimulation für die Schlaganfall-Reha), MOOST (Personalisierung für Energieversorger), das Empa-Spin-off Lepto (Terahertz-Photonik), solarwing aus Österreich (mobile Solar-Ladelösungen), nawu diagnostics aus Frankreich (kontaktlose Diagnostik für luftgetragene Erreger) und Foresaight aus Deutschland (KI-Nachfrageprognose für Industrie-KMU).

Unsere Einordnung

Zwei Dinge fallen auf. Erstens spielt Genf seine Rolle als Förderstandort konsequent aus. Ein Fonds, der von CHF 50'000 bis CHF 400'000 abstuft, deckt genau die Lücke zwischen Idee und erster Runde ab, die sonst kaum jemand füllt. Dass mit Infera Neuro ein Team die Firmengründung selbst über den Grant finanziert, ist der Zweck der Sache.

Zweitens hat das Tessin ein Volumenproblem gelöst, das lange als strukturell galt. 102 zulässige Bewerbungen, 58 davon aus dem eigenen Kanton – so etwas entsteht nicht in einem Jahr. Wer über die Schweizer Startup-Landkarte spricht, sollte Lugano und Manno inzwischen mitdenken.

Und ein Hinweis in eigener Sache: Wir schreiben bewusst «insgesamt CHF 150'000 über drei Stufen» statt «CHF 150'000 erhalten». Der Unterschied klingt kleinlich, ist aber genau der Grund, warum Fördersummen in Startup-Meldungen regelmässig grösser wirken, als sie sind.

Quelle: agire.ch

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