Scandit steigt in die Biometrie ein: KI-Altersprüfung an der Selbstkasse

- Scandit lanciert 'Age Verified Self-Checkout' und macht damit den ersten Schritt in die Biometrie.
- Eine On-Device-KI schätzt das Alter per Selfie; liegt es über der Schwelle, läuft die Kasse automatisch weiter.
- 100% der Verarbeitung passiert auf dem Gerät, es werden keine biometrischen Daten gespeichert oder übertragen.
- 80% der Alterskontrollen sollen sich in Sekunden automatisch lösen, rund 6x schneller als bisher.
Der Zürcher Scale-up Scandit ist bekannt für das Scannen von Barcodes per Smartphone. Jetzt wagt das Unternehmen den Schritt in die Biometrie.
Was passiert ist
Scandit hat mit 'Age Verified Self-Checkout' eine neue Lösung vorgestellt. Sie automatisiert den Kauf von Produkten mit Altersgrenze an der Selbstkasse, etwa Alkohol, Tabak oder Medikamente. Der Ablauf ist simpel: Die Kundin macht ein kurzes Selfie, eine KI schätzt sofort das Alter. Liegt der Wert über der Schwelle des Händlers, läuft der Bezahlvorgang automatisch weiter. Zusätzliche Kiosk-Hardware braucht es nicht. Für Scandit ist es der erste Ausflug in die Gesichtsanalyse.
Datenschutz als Kern
Der heikelste Punkt bei Biometrie ist der Datenschutz. Scandit adressiert ihn direkt. Die gesamte Verarbeitung läuft zu 100% auf dem Gerät. Es werden keine biometrischen Daten und keine Ausweisdaten übertragen oder gespeichert, weder von Scandit noch vom Händler. Die Lösung erfüllt nach Firmenangaben zentrale Standards, darunter die DSGVO, den CCPA sowie ISO/IEC 27566-1, ISO 27001 und die UKAS-Challenge-25-Zertifizierung. Laut Scandit lassen sich rund 80% der Alterskontrollen automatisch in Sekunden lösen, der Vorgang sei etwa sechsmal schneller als bisher.
Der Markt dahinter
Selbstkassen sind im Detailhandel längst Standard. Der Verkauf von Alterswaren bleibt aber ein Bruch im Ablauf. Meist muss Personal manuell freigeben, das kostet Zeit und ärgert Kundschaft. Eine automatische, datensparsame Prüfung trifft damit einen echten Schmerzpunkt. Für Scandit ist der Schritt logisch: Das Unternehmen sitzt bereits mit seiner Computer-Vision-Technologie an der Kasse und kennt die Abläufe der Händler genau.
Unsere Einordnung
Der Vorstoss ist strategisch stark. Scandit verlässt die reine Barcode-Welt und öffnet ein neues, grösseres Feld. Der Fokus auf On-Device-Verarbeitung ist dabei der entscheidende Zug. Er nimmt der Biometrie einen grossen Teil des Datenschutz-Risikos und macht die Lösung in Europa überhaupt erst verkaufbar. Kritisch bleibt die Genauigkeit der Altersschätzung. Wer knapp über oder unter der Schwelle liegt, braucht weiterhin eine saubere manuelle Rückfallebene, sonst drohen Bussen oder Frust. Setzt Scandit das gut um, ist das ein Musterbeispiel dafür, wie ein Schweizer Scale-up eine bestehende Stärke klug in einen neuen Markt trägt.
Zum Startup
- Name
- Scandit
- Phase
- Growth
- Letzte Runde
- USD 150 Mio. (Series D, 2022)
- Kanton
- Zürich
Quelle: prnewswire.com
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