Santelle liegt jetzt in Schweizer Apotheken – ein Selbsttest gegen den Umweg über die Gynäkologie

- Santelle aus Genf bringt seinen CE-zertifizierten Vaginal-Selbsttest (IVDR) in Schweizer Apotheken.
- Der Test läuft im Rahmen von Galenicas Programm «Consultation Plus» und ist während eines zweimonatigen Pilots in 15 Amavita-, Coop-Vitality- und Sun-Store-Apotheken erhältlich.
- Das Kit misst sechs Biomarker – pH, H₂O₂, Sialidase, Leukozyten-Esterase, β-Glucuronidase und NAG – und liefert in rund zehn Minuten ein Indikativ-Ergebnis.
- Gegründet wurde das Unternehmen 2025 von den Geschwistern Roxanne Sabbag, Biomedizin-Ingenieurin, und Axel Sabbag.
Brennen, Juckreiz, Ausfluss – und dann drei Wochen warten auf einen Termin. Santelle aus Genf will diesen Umweg verkürzen und ist jetzt in Schweizer Apotheken angekommen.
Was passiert ist
Das Femtech-Startup Santelle hat seinen Vaginal-Selbsttest in den Schweizer Apothekenvertrieb gebracht. Der Einstieg läuft über «Consultation Plus», ein Programm des Galenica-Netzwerks. Der Pilot dauert zwei Monate und umfasst 15 Apotheken der Ketten Amavita, Coop Vitality und Sun Store – ohne Rezept, ohne Termin, mit Beratung durch die Apothekerin oder den Apotheker.
Das ist bewusst als Test angelegt, nicht als Vollrollout. Es geht um die Frage, ob Frauen den Weg in die Apotheke gehen, wenn sie dort mehr bekommen als ein Produkt aus dem Regal.
Wie der Test funktioniert
Der Ablauf ist bewusst simpel. Abstrich mit einem Tupfer nehmen, in eine Flüssigkeit geben, ein paar Tropfen auf eine Karte mit sechs Feldern auftragen. Nach rund zehn Minuten steht das Ergebnis. Gemessen werden sechs Biomarker: pH-Wert, Wasserstoffperoxid, Sialidase, Leukozyten-Esterase, β-Glucuronidase und N-Acetyl-Glucosaminidase.
Eine App führt durch die Schritte, erfasst Symptome und speichert den Verlauf. Der Test ist CE-zertifiziert nach IVDR. Santelle selbst formuliert die Grenze deutlich: Das Kit ist ein Selbsttest zur Beobachtung und Information, keine Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden bleibt der Gang zur Ärztin.
Woher die Firma kommt
Hinter Santelle stehen die Geschwister Roxanne und Axel Sabbag. Roxanne Sabbag ist Biomedizin-Ingenieurin mit Schwerpunkt Frauengesundheit und beschreibt auf der Firmenseite offen den Auslöser: eine eigene Vaginalinfektion, die sie zu spät ernst genommen hat und die Folgen bis hin zur Fruchtbarkeit hatte.
Ein wissenschaftlicher Beirat aus vier Fachpersonen – darunter die Schweizer Gynäkologin Dr. Regula Bürki – validiert Biomarker und Inhalte. Das Team ist klein. Neben den beiden Gründern arbeiten aktuell Content-Marketing und Art Direction mit.
Unsere Einordnung
Der eigentliche Coup ist nicht der Test, sondern der Vertriebskanal. Ein junges Startup bekommt Zugang zum grössten Apothekennetz der Schweiz – das schafft sonst kaum jemand ohne Konzern im Rücken. Und «Consultation Plus» passt inhaltlich: Wer im Beratungszimmer testet, bekommt sofort eine Einordnung, statt allein mit einem Streifen dazustehen.
Wir sehen zwei Risiken. Erstens die Trennschärfe: Sechs Biomarker geben einen Hinweis, keine Diagnose. Wenn Frauen daraufhin die ärztliche Abklärung aufschieben, ist niemandem geholfen. Zweitens die Grösse: 15 Apotheken sind ein Pilot, kein Markt. Trotzdem gefällt uns die Richtung. Frauengesundheit ist in der Schweiz unterversorgt, und die Apotheke ist der niederschwelligste Ort im ganzen Gesundheitssystem. Wenn dieser Kanal funktioniert, ist er mehr wert als jede Werbekampagne.
Quelle: santelle.com
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