Zum Inhalt springen
startupnews.ch
← Zurück zu News
MeinungVerifiziert

Porträt: Wie Voltiris aus Epalinges Solarstrom in Gewächshäuser bringt, ohne die Tomaten zu beschatten

Redaktion·29. Okt. 2026·4 Min.
Porträt: Wie Voltiris aus Epalinges Solarstrom in Gewächshäuser bringt, ohne die Tomaten zu beschatten
In 30 Sekunden gelesen
  • Voltiris (Epalinges, VD) baut Solarmodule, die Pflanzenlicht durchlassen und den Rest in Strom wandeln
  • Seed-Runde von CHF 4,8 Mio. im Januar 2025, angeführt von EquityPitcher Ventures und 3M Ventures
  • Laut Firma 12 kommerzielle Projekte mit europäischen Gemüsebauern, Partner sind Elektra Baselland und Romande Energie
  • Die Kennzahlen zu Ertrag und Temperatur stammen von der Firma selbst

🔎 Porträt – Waadt: Ein Gewächshaus ist heute ein Stromfresser. Voltiris will daraus ein Kraftwerk machen, ohne dass die Pflanzen leiden.

Wer in der Schweiz Tomaten im Winter will, braucht Wärme, Licht und Strom. Voltiris aus Epalinges bei Lausanne bietet dafür eine ungewöhnliche Lösung: Solarmodule, die selbst im Gewächshaus hängen.

Was die Firma macht

Voltiris verkauft „Green Energy-as-a-Service“ für Gewächshausbetreiber. Die Module sitzen im Haus. Ein Spektralfilter lässt das Licht durch, das Pflanzen für die Fotosynthese brauchen. Den Rest des Lichts leitet die Firma auf Solarzellen und macht daraus Strom. So entsteht Energie auf der Fläche, die ohnehin Gemüse trägt.

Die Geschichte

Voltiris wurde im März 2022 gegründet und hat seinen Sitz in Epalinges im Kanton Waadt. Co-Gründer und CEO ist Nicolas Weber. Der Weg war klassisch für die Schweizer Szene: Venture Kick 2022, Venture Leaders Cleantech 2023, eine Top-100-Listung unter den Schweizer Startups. Im Januar 2025 folgte die Seed-Runde. Wir nennen bewusst keine Hochschul-Herkunft, denn die Quellen, die wir prüfen konnten, nennen keine.

Produkt und Technologie

Die Firma setzt auf drei Bausteine: den patentierten Spektralfilter, ein patentiertes Reflektor-Design und eine Nachführung auf zwei Achsen. Laut Voltiris verlängert die Nachführung das tägliche Produktionsfenster um bis zu 35 Prozent gegenüber fest montierten Modulen. Weitere Firmenangaben: Der CO2-Ausstoss sinke um bis zu 95 Prozent, die Spitzentemperatur an den Pflanzen um bis zu 7 Grad. Die Module lassen sich in bestehende und neue Häuser einbauen. Projekte seien in wenigen Monaten umsetzbar, Baubewilligungen brauche es laut Firma nicht. All diese Werte stammen von Voltiris selbst. Unabhängige Messungen haben wir nicht gefunden.

Getestet wurde die Technik an Tomaten, Gurken und Peperoni. Im Herbst 2025 lief zudem ein Erdbeer-Versuch mit Harvestis im belgischen Hoogstraten, den die Firma in einem White Paper beschreibt.

Kunden und Markt

Auf der Referenzliste stehen Meier Gemüse, Les Champs du Loup und Domaine des Mattines in der Schweiz sowie TomatoMasters in Belgien. Meier Gemüse, ein Produzent von Cherrytomaten, hat 2025 insgesamt 1'736 Module installiert. Laut Finanzierungsmitteilung betreibt Voltiris zwölf kommerzielle Projekte mit europäischen Gemüsebauern. Als Partner nennt die Firma die Energieversorger Elektra Baselland und Romande Energie.

Den Markt für Hightech-Gewächshäuser beziffert die Firma auf 60 Milliarden US-Dollar. Das ist eine Eigenangabe, aber die Richtung stimmt: Gemüsebauern leiden unter hohen Energiepreisen und wollen unabhängiger werden. Konkurrenz kommt von klassischen Dachanlagen, von lichtdurchlässigen Solarfolien und von Anbietern, die Gewächshäuser mit Wärmepumpen und Speichern ausstatten.

Finanzierung

Am 28. Januar 2025 meldete Voltiris eine Seed-Runde von CHF 4,8 Millionen. Angeführt wurde sie von EquityPitcher Ventures und 3M Ventures, dem Corporate-VC-Arm des Konzerns 3M. Mit dabei waren der Klima-VC Satgana und mehrere Family Offices. Das Geld soll den Ausbau in der Schweiz, in Frankreich, in den Niederlanden und in Belgien tragen. Zusätzlich will Voltiris Teams in Agronomie, Solarprojekten und Vertrieb in der Schweiz und den Niederlanden aufbauen und die Technik verbessern, damit sich die Anlage für Gemüsebauern schneller rechnet.

Unsere Einordnung

Voltiris hat eine klare Idee mit einem klaren Kunden. Das ist selten genug. Der Betreiber spart Strom, die Ernte bleibt, die Fläche wird doppelt genutzt. Ein Konzern wie 3M als Investor und Partner zeigt, dass auch Industrie das Thema ernst nimmt.

Der nächste Schritt ist der Beleg. Die grössten Versprechen – bis zu 7 Grad kühler, höherer Ertrag, schnelle Amortisation – brauchen Messreihen, die Dritte prüfen können. Zudem fehlen öffentliche Zahlen zu Preis, Umsatz und Zahl der Kunden. Gelingt das, kann Voltiris ein Standard für den europäischen Gewächshausbau werden. Wir drücken die Daumen und schauen genau hin.

Zum Startup

Name
Voltiris
Phase
Seed
Letzte Runde
CHF 4,8 Mio. (Seed, 2025)
Kanton
Waadt
Verwandte Themen

Quelle: venturekick.ch

Teilen

Mehr aus der Szene