Porträt: Wie Vandria vom Biopôle aus die Kraftwerke der Zelle aufräumt

- Vandria wurde 2021 als Spin-off von Amazentis von Patrick Aebischer, Chris Rinsch und Johan Auwerx gegründet.
- Der Leitwirkstoff VNA-318 ist ein oral verfügbarer, hirngängiger Mitophagie-Induktor gegen Alzheimer.
- Die Series A brachte insgesamt USD 30,7 Mio. (CHF 28,3 Mio.), angeführt von +ND Capital, mit Hevolution Foundation und Dolby Family Ventures.
- Die Phase-1-Studie mit 92 gesunden Probanden zeigte gute Verträglichkeit und einen signifikanten Effekt auf einen Ziel-Biomarker im Plasma.
🔎 Porträt – Waadt: Ein kleines Team am Biopôle-Campus arbeitet an einer Idee, die grösser ist als eine einzelne Krankheit – kaputte Mitochondrien wieder loswerden.
Vandria gehört zu den Schweizer Biotechs, die man kennen sollte, bevor sie gross sind. Die Firma sitzt in Epalinges bei Lausanne und verfolgt einen Ansatz, der auf den ersten Blick simpel klingt: Zellen sollen ihre defekten Kraftwerke selbst entsorgen.
Was die Firma macht
Vandria entwickelt kleine Moleküle, die Mitophagie auslösen. Mitophagie ist der Prozess, mit dem eine Zelle beschädigte Mitochondrien abbaut und ersetzt. Mit dem Alter lässt dieser Aufräumdienst nach. Die Folge sind schlechte Energieversorgung und chronische Entzündung – zwei Faktoren, die bei vielen Alterskrankheiten mitspielen, vom Gehirn bis zum Muskel.
Die Firma beschreibt sich selbst als klinische Biotech, die Mitochondrienfunktion wiederherstellen und Entzündung senken will, um alters- und chronische Krankheiten zu behandeln. Der Fokus liegt zuerst auf dem Zentralnervensystem, dahinter steht eine breitere Pipeline für Muskel-, Lungen- und Lebererkrankungen sowie ein Programm gegen Ferroptose, eine spezielle Form des Zelltods.
Die Geschichte
Vandria wurde 2021 als Spin-off von Amazentis ausgegründet. Hinter der Gründung stehen drei Namen mit Gewicht in der Westschweizer Forschung: Patrick Aebischer, langjähriger Präsident der ETH Lausanne, Chris Rinsch und Johan Auwerx. Amazentis selbst ist in der Schweiz bekannt geworden, weil es Urolithin A als Nahrungsergänzung unter der Marke Timeline auf den Markt gebracht hat – ebenfalls ein Molekül, das mit Mitochondrien zu tun hat.
Der Unterschied ist wichtig. Amazentis bewegt sich im Consumer-Geschäft, Vandria geht den harten Weg der Arzneimittelentwicklung mit Studien, Behörden und Endpunkten. Geführt wird die Firma von Klaus Dugi als CEO, einem Mediziner mit Pharma-Hintergrund. Der Standort ist der Biopôle-Campus, die Life-Sciences-Adresse der Waadt.
Produkt & Technologie
Der Leitwirkstoff heisst VNA-318. Es ist ein oral verfügbares, hirngängiges kleines Molekül mit patentiertem Schutz, das ein neuartiges Zielprotein moduliert. Der Wirkmechanismus ist doppelt: kurzfristig soll er Gedächtnis und Lernfähigkeit verbessern, langfristig den Krankheitsverlauf bremsen. In präklinischen Modellen zu Neurodegeneration zeigte VNA-318 beides – sofortige kognitive Effekte sowie eine Reduktion von Neuroentzündung und toxischen Proteinablagerungen bei besserer Mitochondrienfunktion.
Die erste Studie am Menschen, VNA-318-01, war randomisiert und doppelblind, mit ansteigender Einzel- und Mehrfachdosis bei 92 gesunden männlichen Probanden. Die Topline-Resultate wurden im Dezember 2025 an der CTAD-Konferenz in San Diego vorgestellt. Verträglichkeit und Sicherheit waren gut, es gab keine schweren unerwünschten Ereignisse und keine Abbrüche wegen Nebenwirkungen. Die Halbwertszeit erlaubt eine Tablette pro Tag, die Exposition stieg vorhersagbar und dosislinear.
Der interessanteste Befund: Schon nach einer Einzeldosis veränderte sich ein zentraler Ziel-Biomarker im Blutplasma statistisch signifikant und dosisabhängig. Messungen im Nervenwasser bestätigten, dass die Hirngängigkeit aus den Tiermodellen beim Menschen ankommt. Im Juli 2026 legte Vandria an der Alzheimer-Konferenz AAIC in London Daten aus dem Mehrfachdosis-Teil nach, die einen pharmakodynamischen Effekt im menschlichen Gehirn zeigen.
Markt & Wettbewerb
Alzheimer ist das schwierigste Feld der Neurologie. Jahrzehntelang scheiterten Kandidaten reihenweise, erst in den letzten Jahren kamen Antikörper gegen Amyloid durch die Zulassung – mit begrenztem Nutzen und Debatten über Nebenwirkungen. Vandria setzt bewusst nicht auf Amyloid, sondern auf einen Mechanismus dahinter: Energiehaushalt und Entzündung der Nervenzelle.
Das ist die Chance und zugleich das Risiko. Wer einen neuen Mechanismus verfolgt, hat wenig Konkurrenz um dasselbe Ziel, muss aber jeden Schritt selbst beweisen. Es gibt keinen Vorgänger, an dem sich eine Behörde orientieren könnte. Immerhin hat Vandria mit dem Plasma-Biomarker ein Werkzeug, um die Wirkung früh und günstig zu messen. Das senkt die Kosten der nächsten Studienphase spürbar.
Finanzierung & Zahlen
Die Series A lief in zwei Schritten. Das erste Closing im Dezember 2023 brachte USD 20,6 Mio. (CHF 18 Mio.) unter der Führung von +ND Capital zusammen mit privaten Investoren. Im August 2024 stiessen die Hevolution Foundation und Dolby Family Ventures dazu und hoben die Runde auf insgesamt USD 30,7 Mio. (CHF 28,3 Mio.). Die Firma beziffert ihre bisher eingesammelte Venture-Finanzierung auf rund USD 32 Mio.
Dazu kommt nicht verwässernde Förderung: Vandria erhielt EUR 3,8 Mio. aus Innosuisse- und Eurostars-Programmen für Wirkstoffprogramme gegen altersbedingte Erkrankungen von Nervensystem und Muskel. Eine Series B ist für 2026 angekündigt. Sie soll die Phase-2-Studien zum Wirksamkeitsnachweis finanzieren und die präklinische Pipeline ausserhalb des Nervensystems vorantreiben.
Unsere Einordnung
Vandria macht vieles richtig, was Schweizer Biotechs oft zu spät tun. Die Firma hat früh einen messbaren Biomarker etabliert, statt sich allein auf kognitive Tests zu verlassen. Sie hat einen erfahrenen Pharma-Mann an der Spitze statt nur Wissenschaftler. Und sie hat neben Venture-Kapital auch Fördergelder geholt, die keine Anteile kosten.
Der ehrliche Vorbehalt: Alles, was bisher vorliegt, stammt aus einer Studie mit gesunden Probanden. Verträglichkeit und Biomarker-Bewegung sind gute Vorzeichen, aber sie sagen nichts über Wirkung bei Kranken. Die Series B wird deshalb zum Nadelöhr. Gelingt sie in einem Umfeld, in dem Investoren bei Alzheimer vorsichtig geworden sind, hat die Waadt ein weiteres Deeptech-Schwergewicht im Aufbau. Gelingt sie nicht, endet eine gute Idee im Regal. Wir drücken die Daumen – und schauen genau hin.
Zum Startup
- Name
- Vandria
- Phase
- Series A
- Letzte Runde
- USD 30,7 Mio. (Series A, 2024)
- Kanton
- Waadt
Quelle: vandria.com
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