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Porträt: Wie Synhelion aus ETH-Forschung Treibstoff aus Sonnenlicht macht

Redaktion·1. Aug. 2026·7 Min.
Porträt: Wie Synhelion aus ETH-Forschung Treibstoff aus Sonnenlicht macht
In 30 Sekunden gelesen
  • Synhelion ist ein 2016 gegründeter Spin-off der ETH Zürich mit Sitz in Lugano.
  • Die Firma stellt synthetische Treibstoffe aus konzentriertem Sonnenlicht her.
  • Mit DAWN im deutschen Jülich hat Synhelion die weltweit erste industrielle Anlage für solare Treibstoffe eingeweiht.
  • Partner sind unter anderem die Lufthansa Group, SWISS, der Flughafen Zürich, AMAG und CEMEX.

🔎 Porträt – Lugano: Dieser ETH-Spin-off will das Fliegen klimafreundlicher machen – mit Kerosin aus konzentriertem Sonnenlicht.

Treibstoff aus Sonnenlicht klingt nach ferner Zukunft. Synhelion hat daraus eine echte Fabrik gemacht. Der Spin-off der ETH Zürich mit Sitz in Lugano produziert synthetische Treibstoffe, die fossiles Kerosin, Benzin oder Diesel ersetzen können. Der Rohstoff ist im Kern Sonne.

Was die Firma macht

Synhelion stellt sogenannte solare Treibstoffe her. Ein Spiegelfeld bündelt Sonnenlicht auf einen Receiver an der Spitze eines Turms. Dort entsteht Prozesswärme von bis zu 1500 Grad. Diese Hitze treibt einen thermochemischen Reaktor an, der aus CO2 und Wasser ein Synthesegas macht. Aus dem Gas wird in einem etablierten Verfahren flüssiger Treibstoff. Das Besondere: Der Sprit ist ein Drop-in-Fuel. Er passt in bestehende Motoren, Turbinen und Tankstellen, ohne dass etwas umgebaut werden muss.

Die Geschichte

Synhelion wurde 2016 als Spin-off der ETH Zürich gegründet. Die Wurzeln liegen in jahrelanger Forschung zur konzentrierten Solarenergie. Aus dem Labor entstand eine Firma mit klarem Ziel: die Technologie in den industriellen Massstab bringen. Der Hauptsitz liegt heute in Lugano, entwickelt und getestet wird über mehrere Standorte hinweg. Damit steht Synhelion für eine Seite der Schweizer Forschung, die man selten sieht: harte Ingenieurarbeit über viele Jahre, bevor das erste Produkt fliesst.

Produkt & Technologie

Das Vorzeigeprojekt heisst DAWN und steht im deutschen Jülich. Es ist nach Firmenangaben die weltweit erste industrielle Anlage zur Produktion solarer Treibstoffe. 2024 wurde sie eingeweiht. Ein rund 20 Meter hoher Solarturm und ein Spiegelfeld liefern die Wärme. Ein thermischer Speicher erlaubt es, den Prozess auch dann laufen zu lassen, wenn die Sonne gerade nicht scheint. DAWN produziert zunächst einige tausend Liter Treibstoff pro Jahr. Das ist bewusst eine Demonstrationsgrösse. Sie soll beweisen, dass die Kette vom Spiegel bis zum fertigen Sprit im Dauerbetrieb funktioniert.

Markt & Wettbewerb

Der Zielmarkt ist gewaltig. Die Luftfahrt sucht dringend nach nachhaltigem Flugtreibstoff, kurz SAF. Batterien und Wasserstoff helfen auf der Langstrecke kaum, ein Drop-in-Fuel dagegen schon. Entsprechend prominent ist die Partnerliste. Die Lufthansa Group und ihre Tochter SWISS haben Abnahmevereinbarungen, auch der Flughafen Zürich und die AMAG sind an Bord. Der Zementkonzern CEMEX kooperiert bei der Nutzung von Prozesswärme. Der Wettbewerb ist trotzdem hart. Andere Firmen setzen auf E-Fuels mit Strom und Elektrolyse. Synhelions Wette ist, dass der direkte Weg über Solarwärme am Ende günstiger ist.

Finanzierung & Zahlen

Synhelion hat über mehrere Runden Kapital von strategischen Investoren geholt, darunter eine Runde über rund CHF 22 Mio. im Jahr 2022. Zum Kreis der Geldgeber zählen unter anderem CEMEX Ventures, die AMAG und weitere Industriepartner. Auffällig ist, dass viele Investoren zugleich Kunden oder Anwender sind. Das gibt der Firma nicht nur Geld, sondern auch einen konkreten Absatzkanal. Für ein derart kapitalintensives Vorhaben bleibt der Finanzierungsbedarf für die nächsten, grösseren Anlagen aber hoch.

Unsere Einordnung

Synhelion ist eines der mutigsten Deeptech-Projekte der Schweiz. Wer eine Fabrik baut, die aus Sonnenlicht Kerosin macht, denkt in Jahrzehnten, nicht in Quartalen. Genau das ist Stärke und Risiko zugleich. Die Technologie ist beeindruckend und die Partnerliste erstklassig. Doch der Sprung von einigen tausend Litern zu Millionen Litern ist enorm, und der Preis muss irgendwann mit fossilem Sprit mithalten können. Wir drücken die Daumen. Gelingt die Skalierung, hat die Schweiz einen echten Champion in einem Zukunftsmarkt. Der Weg dahin ist aber lang und teuer.

Zum Startup

Name
Synhelion
Phase
Growth
Letzte Runde
CHF 22 Mio. (2022)
Kanton
Tessin

Quelle: synhelion.com

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