Porträt: Wie SWISSto12 aus Renens den Satelliten schrumpft

- SWISSto12 wurde 2011 im Umfeld der EPFL gegründet und sitzt in Renens VD.
- Die Firma druckt Hochfrequenz-Bauteile in 3D und baut mit HummingSat einen kompakten GEO-Satelliten.
- 2025 erzielte SWISSto12 USD 140 Mio. Umsatz, der Auftragsbestand liegt über USD 500 Mio.
- Im Juli 2026 schloss die Firma eine Series C über USD 70 Mio. ab.
🔎 Porträt – Renens VD: Ein geostationärer Satellit, der kaum grösser ist als eine Industriewaschmaschine – und ein Schweizer Startup, das damit letztes Jahr 140 Millionen Dollar umgesetzt hat.
Die Schweizer Raumfahrt ist klein, aber sie hat ein Schwergewicht. SWISSto12 aus Renens im Kanton Waadt ist eine der wenigen Schweizer Deeptech-Firmen, die aus der Forschung heraus zu einem profitablen Industriebetrieb geworden sind. Im Juli schloss sie eine Series C über USD 70 Mio. ab. Das Bemerkenswerte daran ist nicht die Summe. Es ist, dass die Firma das Geld gar nicht dringend braucht.
Was die Firma macht
SWISSto12 baut zwei Dinge. Erstens Hochfrequenz-Bauteile für die Satellitenkommunikation: Antennen, Wellenleiter, komplette Nutzlasten. Sie laufen unter dem Namen HummingLink und werden mit additiver Fertigung hergestellt, also im 3D-Druck. Das erlaubt Geometrien, die sich klassisch gefräst gar nicht bauen liessen, und spart Gewicht und Montageschritte. Nach Firmenangaben sind heute über 2'000 HummingLink-Lösungen im All unterwegs.
Zweitens baut die Firma einen eigenen Satelliten: HummingSat. Er fliegt auf der geostationären Umlaufbahn, dort also, wo traditionell mehrere Tonnen schwere Kolosse stehen. HummingSat ist ein Bruchteil davon. Das ändert die Rechnung für Betreiber, die eine einzelne Mission brauchen und nicht gleich ein Grossprojekt finanzieren wollen.
Die Geschichte
SWISSto12 entstand 2011 aus dem Umfeld der EPFL. Gründer und CEO ist Emile de Rijk. Die ersten Jahre drehten sich um eine schmale Nische: Bauteile für Terahertz- und Millimeterwellen, verkauft an Forschungsgruppen und Messtechnik-Labore. Daraus wurde Schritt für Schritt ein Zulieferer für die Satellitenindustrie – und schliesslich ein Systemanbieter, der ganze Plattformen liefert.
Diesen Sprung schafft in Europa fast niemand. Vom Komponentenlieferanten zum Satellitenhersteller zu werden, heisst Qualifikationen, Zertifizierungen und Kundenvertrauen aufzubauen, die man sich über Jahre verdient. SWISSto12 hat dafür einen starken Verbündeten: Die ESA unterstützt die Entwicklung und die Validierung von HummingSat im Orbit über das ARTES-Partnerschaftsprojekt. ESA-Mitgliedstaaten sprachen dafür USD 84,8 Mio.
Produkt und Technologie
Der 3D-Druck ist bei SWISSto12 kein Marketingbegriff, sondern der Kern des Geschäftsmodells. Wer Hochfrequenzteile drucken kann, kann sie in einem Stück fertigen statt aus zwanzig verschraubten Einzelteilen. Weniger Fugen bedeuten weniger Verluste, weniger Gewicht und kürzere Lieferzeiten. Genau diese Lieferzeiten sind in der Raumfahrt gerade die knappste Ressource.
HummingSat setzt dieselbe Logik eine Ebene höher fort. Statt eine Plattform um die Nutzlast herum zu bauen, verschmilzt SWISSto12 beides. Sieben HummingSat-Verträge sind bisher unterzeichnet, unter anderem mit SES und Viasat. Parallel liefert die Firma Nutzlasten für LEO-Konstellationen in Europa und Asien.
Markt und Wettbewerb
Der Satellitenmarkt zerfällt gerade in zwei Lager. Auf der einen Seite die grossen Konstellationen im tiefen Orbit, die Kapazität als Dienstleistung verkaufen. Auf der anderen Seite Staaten und Betreiber, die eigene Infrastruktur wollen – souverän, kontrollierbar, im eigenen Besitz. Für diese zweite Gruppe war der geostationäre Orbit lange zu teuer. Ein kompakter GEO-Satellit senkt die Eintrittsschwelle deutlich.
Die Konkurrenz ist trotzdem gross: Airbus, Thales Alenia Space und die etablierten US-Hersteller sitzen im selben Markt. SWISSto12 gewinnt dort, wo Grösse zum Nachteil wird – bei kleineren Missionen, die für einen Konzern schlicht nicht rentieren.
Finanzierung und Zahlen
Die Zahlen sind für ein Schweizer Deeptech-Unternehmen ungewöhnlich. Umsatz 2025: USD 140 Mio. Auftragsbestand: über USD 500 Mio. Wachstum seit 2022: 110 Prozent pro Jahr im Schnitt. Und laut Firmenangaben ein positives EBITDA für 2026. Die Series C über USD 70 Mio. vom 16. Juli 2026 dient dem Ausbau von Fertigung und Integration, nicht dem Überleben.
Unsere Einordnung
SWISSto12 ist der Gegenbeweis zu einer verbreiteten These über die Schweizer Startup-Szene: dass hier zwar exzellent geforscht, aber nicht industrialisiert wird. Diese Firma hat den Weg vom Laborteil zum Serienprodukt gemacht, und zwar ohne Sitzverlegung nach Kalifornien.
Uns gefällt, dass die Firma Kapital aufnimmt, während sie profitabel wird, und nicht weil sie es muss. Das ist die deutlich bessere Verhandlungsposition. Ein Risiko bleibt: Der Auftragsbestand ist beeindruckend, aber er muss auch geliefert werden. Sieben GEO-Satelliten parallel zu bauen ist eine andere Übung als sieben Verträge zu unterschreiben. An dieser Ausführung wird sich in den nächsten zwei Jahren entscheiden, ob aus dem Schweizer Vorzeigefall ein europäischer Champion wird.
Zum Startup
- Name
- SWISSto12
- Phase
- Growth
- Letzte Runde
- USD 70 Mio. (Series C, 2026)
- Kanton
- Waadt
Quelle: swissto12.com
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