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Porträt: Wie PAVE Space aus der Waadt Satelliten in 24 Stunden auf ihre Umlaufbahn bringen will

Redaktion·10. Sept. 2026·7 Min.
Porträt: Wie PAVE Space aus der Waadt Satelliten in 24 Stunden auf ihre Umlaufbahn bringen will
In 30 Sekunden gelesen
  • PAVE Space ist ein EPFL-Spin-off, gegründet 2024 von Julie Böhning (CEO) und Jérémy Marciacq (CTO).
  • Im März 2026 sammelte die Firma USD 40 Mio. Seed ein – angeführt von Visionaries Club und Creandum.
  • Das Kick-Stage-Fahrzeug LYOBA soll bis zu 5 Tonnen Nutzlast in unter 24 Stunden vom niedrigen Orbit auf die Zielbahn bringen; heute dauert das sechs bis zwölf Monate.
  • Ein ehemaliges Walliser Kraftwerk dient als Triebwerks-Prüfstand; die erste Demo-Mission GRAZE ist für Oktober 2026 geplant.

🔎 Porträt – Waadt: Zwei EPFL-Ingenieure, die als Studierende eine wiederverwendbare Rakete bauten, sammeln heute eine der grössten Seed-Runden der weltweiten Raumfahrt ein.

Es gibt ein Problem in der Raumfahrt, über das kaum jemand spricht: Die Rakete bringt den Satelliten nur bis vor die Tür. Den Rest des Wegs muss er selbst zurücklegen – und das dauert. PAVE Space aus der Waadt will genau diese Lücke schliessen.

Was die Firma macht

PAVE Space baut Orbital-Transfer-Fahrzeuge, kurz OTV. Man kann sich das als Schlepper im All vorstellen. Die meisten Trägerraketen setzen ihre Fracht heute im niedrigen Erdorbit ab, dem LEO. Wer höher hinaus will – in den geostationären Orbit, den mittleren Erdorbit oder auf eine Mondbahn –, muss sich mit elektrischem Antrieb dorthin schleppen. Dieser Vorgang dauert sechs bis zwölf Monate.

Das ist teuer. Ein Satellit, der ein Jahr lang unterwegs ist, verdient in diesem Jahr kein Geld. Er altert, ohne zu arbeiten. Das Flaggschiff von PAVE Space, eine Kick-Stage namens LYOBA, soll dieselbe Strecke in unter 24 Stunden zurücklegen – mit bis zu fünf Tonnen Nutzlast. Aus einem Jahr wird ein Tag.

Die Geschichte

Gegründet wurde PAVE Space 2024 von Julie Böhning und Jérémy Marciacq. Böhning ist CEO, Marciacq CTO. Beide sind EPFL-Ingenieure – und beide haben eine Vorgeschichte, die man sich merken sollte: Sie gehören zu den Mitgründern des Gruyère Space Program, der ersten von Studierenden geführten Initiative Europas für eine wiederverwendbare Rakete.

Das ist mehr als eine nette Anekdote. Wer als Studierender eine Rakete baut, die zurückkommt, hat gelernt, mit wenig Geld viel Hardware zu bewegen. Genau diese Disziplin prägt heute die Firma.

Produkt & Technologie

Auffällig ist die Fertigungstiefe. PAVE Space entwickelt Antriebssysteme, Avionik, Regelungsalgorithmen und Strukturbauteile im eigenen Haus. Das erlaubt schnelle Entwicklungszyklen und eine enge Integration der Plattform – statt monatelang auf Zulieferer zu warten, ändert man selbst und testet weiter.

Dazu gehört auch der eigene Prüfstand. Die Firma hat ein ehemaliges Alpenkraftwerk im Wallis zu einer Testanlage für Antriebe umgebaut. Dort sollen noch dieses Jahr die ersten Triebwerkszündungen stattfinden. Ein stillgelegtes Wasserkraftwerk als Raketen-Prüfstand – pragmatischer geht Schweizer Raumfahrt kaum.

Der nächste Meilenstein steht im Kalender: Eine erste Demonstrationsmission im All namens GRAZE ist für Oktober 2026 geplant. Sie soll die Avionik-Architektur im Orbit validieren – also beweisen, dass die Elektronik unter realen Bedingungen tut, was sie soll.

Markt & Wettbewerb

Der Weltraumtransport ist zu einem Engpassmarkt geworden. Startplätze sind knapp, die Zahl der Satelliten wächst rasant, und die letzte Etappe zur Zielbahn ist der langsamste Teil der Kette. PAVE Space adressiert damit einen logistischen Flaschenhals, kein Forschungsthema.

Der Bedarf ist offenbar real. Die Firma hat nach eigenen Angaben acht Reservierungsvereinbarungen mit Satellitenbetreibern und -herstellern abgeschlossen und steht mit mehreren grossen Branchenteilnehmern im Austausch. Reservierungen sind noch keine Aufträge – aber sie zeigen, dass das Problem erkannt ist.

Finanzierung & Zahlen

Im März 2026 schloss PAVE Space eine Seed-Runde über USD 40 Mio. ab. Angeführt wurde sie von Visionaries Club und Creandum. Beteiligt waren zudem Lombard Odier Investment Managers, Atlantic Labs, Sistafund, b2venture, ACE Investment Partners, Ilavaska Vuillermoz Capital sowie Pareto & Motier Ventures. Die Runde gehört zu den grössten Seed-Finanzierungen, die der globale Raumfahrtsektor in den vergangenen Jahren gesehen hat.

Bemerkenswert ist die Zusammensetzung: europäisches Wachstumskapital, ein Genfer Vermögensverwalter, deutsche und nordische Fonds. Das Geld für europäische Raumfahrt kommt inzwischen aus Europa – das war vor fünf Jahren noch anders.

Unsere Einordnung

PAVE Space ist die interessanteste Schweizer Raumfahrtgründung seit Jahren – und zwar, weil sie kein Technologie-Schaufenster ist, sondern ein Logistikproblem löst. Der Kundennutzen lässt sich in einem Satz erklären: Der Satellit verdient elf Monate früher Geld. Solche Rechnungen überzeugen Einkaufsabteilungen schneller als jede Technologie-Roadmap.

Auch die Standortwahl gefällt. Die Waadt hat mit SWISSto12 bereits gezeigt, dass sich Raumfahrthardware hier bauen lässt. Ein umgebautes Walliser Kraftwerk als Prüfstand ist ein Beispiel dafür, wie man Infrastruktur nutzt, statt sie neu zu bauen. Das ist gute Ingenieurskultur.

Und die kritische Seite: PAVE Space hat noch nichts geflogen. USD 40 Mio. klingen nach viel, sind für die Entwicklung einer Kick-Stage mit fünf Tonnen Nutzlast aber ein knapper Rahmen. Raketenantriebe sind unerbittlich – Verzögerungen sind in dieser Branche die Regel, nicht die Ausnahme. Die Demo-Mission GRAZE im Oktober ist deshalb der ehrlichste Gradmesser. Klappt sie, ist PAVE Space eine europäische Adresse. Klappt sie nicht, wird die nächste Runde deutlich teurer.

Zum Startup

Name
PAVE Space
Phase
Seed
Letzte Runde
USD 40 Mio. (Seed, 2026)
Kanton
Waadt
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Quelle: ggba.swiss

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