Fusionality holt CHF 3 Mio. Pre-Seed – zwei Ex-DeepMind-Forscher bauen das Betriebssystem für Fusionsreaktoren

- Fusionality aus Lausanne hat eine Pre-Seed-Runde über USD 3,7 Mio. (CHF 3 Mio.) abgeschlossen.
- Co-Lead sind Founderful und der britische Frühphasen-Investor Playfair.
- Gegründet 2026 von Federico Felici (CEO) und Jonas Buchli (CTO), beide zuvor bei Google DeepMind; die Firma stammt aus dem Umfeld des Swiss Plasma Center der EPFL.
- Das Team umfasst derzeit sieben Personen und baut Mess-, Regel-, Daten- und Simulationssysteme für Anlagen mit magnetischem Einschluss.
Ein Startup, das dieses Jahr gegründet wurde, hat bereits CHF 3 Mio. eingesammelt. Und verkauft nicht einmal Fusionsenergie – sondern die Technik, mit der man einen Fusionsreaktor überhaupt bedienen kann.
Was passiert ist
Fusionality aus Lausanne hat eine Pre-Seed-Runde über USD 3,7 Mio. abgeschlossen, umgerechnet rund CHF 3 Mio. Gegründet wurde die Firma dieses Jahr von Federico Felici und Jonas Buchli. Felici ist CEO, Buchli CTO. Beide haben zuvor bei Google DeepMind gearbeitet, beide beschäftigen sich seit Jahren mit einer sehr speziellen Frage: Wie hält man ein 100 Millionen Grad heisses Plasma in Form?
Kennengelernt haben sich die beiden über einen Tokamak – jene donutförmige Versuchsanlage, mit der Forschende Fusion untersuchen. Felici arbeitete damals an der EPFL, die eine solche Anlage im Swiss Plasma Center betreibt. Buchli war bei DeepMind. Gemeinsam brachten sie einer KI bei, das Plasma zu regeln. Später wechselte Felici selbst zu DeepMind und entwickelte dort Simulationen und Machine-Learning-Schnittstellen für Fusionsanlagen.
Die Geschäftsidee kam aus den Gesprächen mit der Branche. Fusionsfirmen sagten den beiden immer wieder dasselbe: Man würde die Komponenten für das Steuerungssystem gerne einkaufen, aber es gibt schlicht niemanden, der sie anbietet – und schon gar niemanden, der die Sprache der Fusion spricht. Felicis Befund dazu ist deutlich: Quer durch die Industrie bauen die Firmen ihre Steuerungssysteme selbst, obwohl etwa 80 Prozent davon bei allen gleich seien.
Wer investiert
Die Runde wird gemeinsam angeführt von Founderful, dem Zürcher Frühphasen-Fonds, und Playfair aus London. Beide setzen auf sehr frühe Deeptech-Wetten. Das Geld fliesst zuerst in das Team in Lausanne: gesucht werden Regelungstechnikerinnen, Computerphysiker, Fachleute für Plasmadiagnostik und Softwareentwickler. Aktuell sind es sieben Personen. Parallel sollen die ersten Kundenprojekte laufen.
Schaufeln statt Gold
Fusionality konzentriert sich vorerst auf den magnetischen Einschluss. Dabei halten starke Elektromagnete den Brennstoff dicht und heiss genug. Auf diesen Ansatz setzen unter anderem Commonwealth Fusion Systems, Realta Fusion, Proxima Fusion und Type One Energy. Andere Verfahren sollen später dazukommen.
Der Denkansatz ist bewusst modular. Felici vergleicht die Technologien mit Lego-Steinen: Man beginnt mit wenigen Bausteinen und baut den Satz Schritt für Schritt aus. Welche Komponenten zuerst kommen, verrät er nicht. Das Ziel formuliert er dafür breit – am Ende soll die ganze Bandbreite an Technik abgedeckt sein, die man zum Betrieb einer Fusionsanlage braucht.
Bemerkenswert ist, wie zurückhaltend die beiden KI-Leute beim Thema KI sind. Künstliche Intelligenz werde in künftigen Steuerungssystemen eine wichtige Rolle spielen, sagt Felici – aber er würde nicht dafür plädieren, ihr die Kontrolle über einen ganzen Fusionsreaktor zu überlassen. Heute ergänze und optimiere KI eher Teile des Systems.
Unsere Einordnung
Das ist eine der klügeren Deeptech-Gründungen des Jahres. Fusion ist ein Markt, in dem sehr viel Kapital in sehr wenige, sehr riskante Wetten fliesst – niemand weiss, welcher Reaktortyp am Ende Strom liefert. Fusionality wettet nicht auf einen Gewinner, sondern verkauft allen Teilnehmern das Werkzeug. Wer in einem Goldrausch Schaufeln verkauft, verdient auch dann, wenn die meisten Schürfer leer ausgehen.
Dazu kommt ein Standortvorteil, den man in der Schweiz gerne unterschätzt. Das Swiss Plasma Center der EPFL gehört zu den führenden Fusionsforschungsinstituten Europas. Aus diesem Umfeld heraus eine Firma zu gründen, die Regelungstechnik verkauft, ist kein Zufall, sondern die logische Verwertung von jahrzehntelang aufgebautem Wissen. Genau das ist der Transfer, den sich die Schweizer Hochschulpolitik wünscht.
Der ehrliche Vorbehalt: CHF 3 Mio. und sieben Leute sind für Industriehardware wenig. Fusionality muss beweisen, dass sich die Systeme tatsächlich zwischen unterschiedlichen Anlagen übertragen lassen – sonst wird aus dem Baukasten doch wieder Einzelanfertigung. Und der Markt wächst nur, solange die Fusionsfirmen selbst finanziert bleiben. Trotzdem: Ein Startup, das an einem heiss laufenden Markt verdient, ohne dessen technisches Risiko zu tragen, startet aus einer guten Position.
Zum Startup
- Name
- Fusionality
- Phase
- Pre-Seed
- Letzte Runde
- CHF 3 Mio. (Pre-Seed, 2026)
- Kanton
- Waadt
Quelle: techcrunch.com
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