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Porträt: Wie mimic robotics aus Zürich der Fabrik eine Hand gibt

Redaktion·27. Aug. 2026·6 Min.
Porträt: Wie mimic robotics aus Zürich der Fabrik eine Hand gibt
In 30 Sekunden gelesen
  • mimic robotics ist ein 2024 gegründetes ETH-Spin-off mit Sitz in Zürich, entstanden im Soft Robotics Lab von Prof. Robert Katzschmann.
  • Die Firma baut geschickte Roboterhände für gewöhnliche Industriearme statt komplette humanoide Roboter.
  • Die KI-Modelle werden mit echten Handbewegungen trainiert, die Mitarbeitende über eigens entwickelte Aufzeichnungsgeräte im Betrieb festhalten.
  • Im November 2025 sammelte mimic USD 16 Mio. in einer Seed-Runde unter Führung von Elaia und Speedinvest.

🔎 Porträt – Zürich: Während halb Silicon Valley humanoide Ganzkörper-Roboter baut, konzentriert sich dieses ETH-Spin-off auf das Körperteil, an dem in der Fabrik fast alles hängt.

Die Automatisierung hat in den letzten Jahrzehnten viel geschafft. Millionen Handgriffe in Fabriken, Lagern und Logistikzentren hängen trotzdem weiter an menschlichen Händen. Klassische Roboter sind gut in immer gleichen, vorprogrammierten Bewegungen unter kontrollierten Bedingungen. Sobald sich etwas ändert, scheitern sie. Genau in diese Lücke stösst mimic robotics.

Was die Firma macht

mimic baut humanoide Roboterhände und kombiniert sie mit gewöhnlichen Industrie-Roboterarmen. Der Verzicht auf die volle Menschengestalt ist eine bewusste Entscheidung. Die Gründer sagen es selbst so: Humanoide seien spannend, aber es gebe wenige industrielle Szenarien, in denen der ganze Körper einen Mehrwert bringe. Die Hand dagegen ist in den meisten realen Aufgaben das Entscheidende. Das Resultat ist ein System, das man heute in eine bestehende Anlage stellen kann, nicht in fünf Jahren.

Der Kern ist nicht die Mechanik, sondern das KI-Modell. mimic trainiert sogenannte Foundation-Modelle für die physische Welt mit echten menschlichen Demonstrationen. Erfahrene Mitarbeitende tragen dazu eigens entwickelte Aufzeichnungsgeräte, während sie ihre normale Arbeit erledigen. Daraus entsteht ein detaillierter Datensatz menschlicher Handbewegungen. Mit Imitationslernen bringt das Modell den Roboterhänden bei, diese Bewegungen nachzubilden, sich auf Abweichungen einzustellen und Fehler in Echtzeit zu korrigieren.

Die Geschichte: aus dem Soft Robotics Lab

Angefangen hat alles im Soft Robotics Lab der ETH Zürich unter Professor Robert Katzschmann. Er forscht an Robotern, die sicher mit Menschen und der Natur umgehen können, und arbeitet mit weichen und starren Materialien plus intelligenter Regelung. Katzschmann ist heute Mitgründer und wissenschaftlicher Berater der Firma. Erfahrung aus der Industrie bringt er mit: Er hat unter anderem an Amazon Robotics, bei Dexai Robotics sowie an chirurgischen und Unterwasser-Robotiksystemen mitgearbeitet.

Im Labor traf er auf Elvis Nava, Doctoral Fellow am ETH AI Center. Navas Arbeit zu Meta-Learning und Repräsentationslernen liefert das theoretische Rückgrat der mimic-Modelle: Roboter sollen Wissen über Aufgaben hinweg verallgemeinern, mit möglichst wenigen Demonstrationen. Nava ist heute CTO.

Vervollständigt wurde das Team im selben Labor durch Stefan Weirich und Stephan-Daniel Gravert. Weirich, heute CEO, schrieb seine Masterarbeit über biomimetische, sehnengetriebene Roboterhände und verbindet Maschinenbau, Robotik und Industriedesign aus Stationen an der RWTH Aachen, der TU München und der ETH. Gravert, heute CPO, studierte Elektrotechnik und Informationstechnik an der TU München und der ETH, mit Forschungserfahrung am MIT; er arbeitete an elektrostatischer Aktuierung für künstliche Herzen und an Schwarmrobotik für die medizinische Diagnostik. Dazu kommt Gründungsingenieur Benedek Forrai. Die Firma wurde 2024 als ETH-Spin-off gegründet und ist als mimic robotics AG in Zürich eingetragen.

Finanzierung & Zahlen

Im November 2025 hat mimic eine Seed-Runde über USD 16 Mio. abgeschlossen. Angeführt wurde sie von Elaia und Speedinvest, mit dabei waren Founderful, 1st Kind, 10X Founders, 2100 Ventures und der Sequoia Scout Fund. Zuvor hatte die Firma bereits USD 2,5 Mio. eingesammelt. Das Geld geht in drei Richtungen: die Produktion der Roboterhände hochfahren, die Teams für Entwicklung und Einsatz vor Ort vergrössern und die Pilotprojekte mit Fertigungs- und Logistikpartnern in Europa und darüber hinaus vertiefen. Zum Zeitpunkt der Runde arbeiteten laut Firmenangaben rund 25 Ingenieurinnen, Forscher und Operations-Leute bei mimic.

Markt & Wettbewerb

Das Feld ist laut und gut finanziert. Die Schlagzeilen gehören derzeit humanoiden Prototypen aus den USA und Ostasien. mimic vertritt einen anderen, deutlich europäischeren Ansatz: praktisch, sicher, anschlussfähig an bestehende Anlagen. Der Rückenwind ist real. Europa hat eine starke Tradition in Präzisionsfertigung und Werkzeugbau, kämpft aber gleichzeitig mit alternden Belegschaften, zurückverlagerter Produktion und Nachhaltigkeitsauflagen. Wer Handarbeit automatisieren kann, ohne die halbe Fabrik umzubauen, trifft genau diesen Nerv.

Der Preis dieses Ansatzes ist Abhängigkeit von Daten. Wer menschliche Geschicklichkeit imitieren will, braucht Zugang zu echten Arbeitsplätzen und echten Handgriffen. Das ist ein Vorteil gegenüber Simulations-Ansätzen und zugleich ein Flaschenhals: Jeder neue Kunde bedeutet erst einmal Aufzeichnen, bevor produziert wird.

Unsere Einordnung

mimic macht das Klügste, was ein europäisches Robotik-Startup gerade machen kann: Es verzichtet auf das Rennen, das es nicht gewinnen kann, und gewinnt stattdessen ein kleineres. Ein Humanoid mit zwei Beinen ist ein Forschungsprojekt mit Kapitalbedarf im dreistelligen Millionenbereich. Eine Hand am Ende eines Arms, den der Kunde schon besitzt, ist ein Produkt. Das ist der Unterschied zwischen Demo-Video und Auftrag.

Skeptisch bleiben wir bei der Skalierung. Roboterhände sind mechanisch heikel, Verschleiss an Sehnen und Gelenken ist der klassische Killer in diesem Segment. Und die Datenstrategie funktioniert nur, solange Kunden bereit sind, ihre Arbeitsabläufe aufzeichnen zu lassen. Beides sind lösbare, aber teure Probleme. USD 16 Mio. reichen dafür, den Beweis in ein paar Pilotanlagen anzutreten. Danach entscheidet sich, ob aus dem ETH-Labor ein Industrieausrüster wird. Wir setzen mimic auf die Liste der Schweizer Firmen, deren nächste Runde man nicht verpassen sollte.

Zum Startup

Name
mimic robotics
Phase
Seed
Letzte Runde
USD 16 Mio. (Seed, 2025)
Kanton
Zürich
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Quelle: ai.ethz.ch

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