Porträt: Wie Liom aus Pfäffikon die Blutzuckermessung ohne Nadel neu erfinden will

- Liom (früher Spiden) aus Pfäffikon SZ entwickelt ein nicht-invasives Wearable zur Glukose- und Biomarker-Messung ohne Nadel.
- Gegründet 2017 vom Serienunternehmer Leo Grünstein; über 80 Mitarbeitende.
- Series A Ende 2025 auf CHF 38 Mio. erweitert, Gesamtfinanzierung rund CHF 63 Mio.
- Marc Maurer, früherer Co-CEO von On, ist als Investor und Verwaltungsrat an Bord; Marktstart für 2028 geplant.
🔎 Porträt – Pfäffikon SZ: Wie ein Schweizer Medtech die Blutzuckermessung ohne Nadel neu erfinden will – und dafür den früheren On-Co-CEO an Bord holt.
Millionen Menschen stechen sich mehrmals täglich in den Finger oder tragen Sensoren mit Nadel unter der Haut, nur um ihren Blutzucker zu kennen. Liom aus Pfäffikon SZ will genau das überflüssig machen: messen ganz ohne Nadel, direkt am Handgelenk. Es ist eine der ehrgeizigsten Wetten der Schweizer Medtech-Szene.
Was die Firma macht
Liom entwickelt ein Wearable, das Glukose und weitere Biomarker nicht-invasiv misst – also ohne Blutstropfen und ohne Sensor unter der Haut. Das Gerät sitzt am Handgelenk und soll präzise Werte liefern, wie man sie heute nur mit einem Stich oder einem Sensor unter der Haut bekommt. Damit zielt Liom nicht nur auf Menschen mit Diabetes, sondern auch auf gesundheitsbewusste Nutzer, die kleine Schwankungen im Stoffwechsel früh erkennen wollen.
Die Geschichte
Gegründet wurde die Firma 2017 vom Serienunternehmer Leo Grünstein – zunächst unter dem Namen Spiden. Lange arbeitete das Team im Stillen an der Grundlagentechnologie. 2021 kam die Firma erstmals aus dem Stealth-Modus und meldete eine Finanzierungsrunde über 18 Millionen Franken. 2024 folgte der Rebrand zu Liom, verbunden mit einem klaren Fokus auf das Consumer-Wearable. Heute beschäftigt Liom über 80 Mitarbeitende und gehört zu den am besten finanzierten Medtech-Startups des Landes.
Produkt & Technologie
Der Kern ist eine optische Messplattform: Statt Blut zu entnehmen, liest das Gerät Signale direkt durch die Haut aus. Genau hier liegt die eigentliche Herausforderung – die nicht-invasive Glukosemessung gilt als eine der härtesten Nüsse der Medizintechnik. Ende 2025 meldete Liom einen Durchbruch bei der Miniaturisierung: Die Technik, die zuvor Laborgeräte füllte, passt nun in ein tragbares Format. Der Marktstart ist für 2028 geplant, eine Vorbestell-Phase soll früher starten. Bis dahin muss Liom vor allem eines liefern: verlässliche, klinisch belegte Genauigkeit.
Markt & Wettbewerb
Der Preis ist gewaltig. An der nadelfreien Glukosemessung arbeiten seit Jahren auch Apple, Google und Samsung – bisher ohne marktreifes Produkt. Etablierte Anbieter wie Dexcom und Abbott dominieren den Markt mit Sensoren, die zwar unter die Haut müssen, aber zuverlässig funktionieren. Gelingt Liom eine wirklich präzise Messung ohne Nadel, wäre das ein Milliardenmarkt, der weit über Diabetes hinausreicht – hinein in Fitness, Ernährung und Prävention. Genau deshalb ist der Wettbewerb so hart und die Fallhöhe so gross.
Finanzierung & Zahlen
Ende 2025 erweiterte Liom seine Series A um rund 13 Millionen Franken (etwa 13,9 Millionen Euro). Damit stieg die Series A auf insgesamt 38 Millionen Franken, die Gesamtfinanzierung auf rund 63 Millionen Franken. Zu den früheren Geldgebern zählen unter anderem Geberit, b-to-v Partners und der Investor Daniel Gutenberg. Neu an Bord kam mit der Erweiterung Marc Maurer, früherer Co-CEO des Laufschuh-Konzerns On – als Investor und Verwaltungsrat. Er soll Liom beim Wechsel von der Forschung zu Produkt, Marke und Markt begleiten.
Unsere Einordnung
Liom spielt um den ganz grossen Einsatz. Die nicht-invasive Glukosemessung ist ein Feld, auf dem schon viele gescheitert sind – selbst Tech-Giganten mit Milliardenbudgets. Genau das macht den Fall so spannend: Wenn ein Schweizer Team schafft, woran Apple und Google bisher scheitern, ist das ein Weltprodukt. Mit über 60 Millionen Franken und einem Konsumgüter-Profi wie Marc Maurer im Verwaltungsrat hat Liom die Mittel und das Know-how, um den Sprung vom Labor in den Handel zu wagen. Skeptisch stimmt der Zeitplan: Der Marktstart ist inzwischen auf 2028 gerutscht, und bei nicht-invasiver Messung entscheidet am Ende die klinisch belegte Genauigkeit, nicht die Vision. Unser Fazit: eine der mutigsten Wetten der Schweizer Medtech – mit riesigem Potenzial und ebenso grossem Risiko. Bis harte Studiendaten vorliegen, bleibt es genau das: eine Wette.
Zum Startup
- Name
- Liom Health
- Phase
- Series A
- Letzte Runde
- CHF 38 Mio. (Series A inkl. Erweiterung, 2025)
- Kanton
- Schwyz
Quelle: liom.com
Mehr aus der Szene
InternationalMistral holt EUR 3 Mrd. – Europas grösste Tech-Runde und ein Weckruf für die Schweizer KI-Debatte
FinanzierungFörder-Ticker KW 37: Genf verteilt CHF 500'000, das Tessin knackt erstmals die 100er-Marke
Finanzierung