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Porträt: Wie Dyneo aus Carouge den Fernwärmenetzen das Fieber misst

Redaktion·22. Aug. 2026·6 Min.
Porträt: Wie Dyneo aus Carouge den Fernwärmenetzen das Fieber misst
In 30 Sekunden gelesen
  • Dyneo Technologies SA mit Sitz in Carouge GE betreibt eine Daten- und KI-Plattform für die Steuerung von Fernwärmenetzen.
  • Gegründet wurde die Firma von Maël Perret (CEO, HES-Ingenieur) und Max Carrel (CTO, EPFL-Ingenieur).
  • Zu den Netzbetreibern, die mit der Technologie arbeiten, gehören Veolia, Romande Energie, Viteos, die Services industriels de Lausanne, CADouest, CADcime und die Gemeinde Val-de-Ruz.
  • In einer veröffentlichten Fallstudie senkte Dyneo die Rücklauftemperatur an auffälligen Unterstationen um 15 Grad Celsius.

🔎 Porträt – Carouge GE: Ein Fernwärmenetz verliert Energie an Stellen, die niemand sieht – Dyneo macht sie sichtbar und verkauft genau das.

Fernwärme ist unsichtbare Infrastruktur. Rohre unter der Strasse, Unterstationen im Keller, eine Zentrale am Stadtrand. Solange es warm wird, schaut niemand hin. Genau darin liegt das Problem – und das Geschäft eines Genfer Startups.

Was die Firma macht

Die Dyneo Technologies SA sitzt an der Avenue Cardinal-Mermillod in Carouge, gleich südlich der Stadt Genf. Sie baut eine Software-Plattform, die Wärmenetze mit Daten und künstlicher Intelligenz steuert. Betreiber sehen darin, wie ihr Netz tatsächlich läuft: wo Temperaturen aus dem Ruder laufen, welche Unterstation das Gesamtsystem bremst, wo sich eine Anpassung wirklich lohnt.

Das Versprechen ist nicht spektakulär, aber konkret: bessere Effizienz, tiefere Kosten, mehr Platz für erneuerbare Wärmequellen im selben Netz. Die Firma nennt sich selbst einen Pfeiler der Energieeffizienz für thermische Netze in Europa. Gross gedacht – aber die Kundenliste stützt diese Ambition zumindest.

Die Geschichte

Hinter Dyneo stehen zwei Ingenieure. Maël Perret, HES-Ingenieur, führt die Firma als Mitgründer und CEO. Max Carrel, EPFL-Ingenieur, verantwortet als Mitgründer die Technologie. Ihre Vorgeschichte erklärt die Produktwahl: Sie haben gross angelegte Energieprojekte geleitet, IoT-Infrastrukturen für Solaranlagen aufgebaut und KI-Lösungen für Gebäudetechnik entwickelt.

Daraus zogen sie einen Schluss, den sie offen formulieren: Zu viele Energielösungen bleiben lokale Initiativen ohne Skalierungsstrategie. Thermische Netze dagegen seien einer der stärksten Hebel zur grossflächigen Dekarbonisierung – weil sie ganze Quartiere gleichzeitig von fossilen Brennstoffen lösen, die lokale Wirtschaft stärken und Städten Energiesouveränität geben.

Das Team ist inzwischen auf rund acht Köpfe gewachsen: Full-Stack-Entwicklung, Data Science, DevOps, Vertrieb. Klein, aber mit auffällig hoher Ingenieurdichte.

Produkt und Technologie

Das Herzstück ist ein Portal, in dem Betreiber ihr Netz überwachen und steuern. Interessanter als die Oberfläche ist, worauf Dyneo schaut. Ein Beispiel aus einer veröffentlichten Fallstudie: die proaktive Erkennung von Unterstationen mit grossem Einfluss auf das Gesamtsystem. Ergebnis dort – 15 Grad Celsius bei der Rücklauftemperatur zurückgewonnen.

Wer sich mit Fernwärme nicht auskennt, unterschätzt diese Zahl. Die Rücklauftemperatur ist die Kennzahl, an der ein Netz hängt. Ist sie zu hoch, sinkt der Wirkungsgrad der Zentrale, steigen die Verluste in den Leitungen – und erneuerbare Wärmequellen wie Abwärme, Grosswärmepumpen oder Solarthermie lassen sich kaum einbinden, weil sie auf tiefe Temperaturen angewiesen sind. Eine zweite Fallstudie beschreibt genau diesen Zusammenhang: Rücklauftemperaturen senken, um erneuerbare Quellen anschliessen zu können.

Dyneo verkauft also keine neue Hardware. Die Firma holt aus vorhandener Infrastruktur mehr heraus. Das ist ein wirtschaftlich sehr angenehmes Argument gegenüber Betreibern, die ohnehin knapp bei Kasse sind.

Markt und Kunden

Die Referenzliste ist für ein Startup dieser Grösse bemerkenswert. Mit der Technologie arbeiten unter anderem Veolia, Romande Energie, Viteos in Neuenburg, die Services industriels de Lausanne, das Netz CADouest, das Netz CADcime, die Gemeinde Val-de-Ruz, die Gemeinde Genolier, der französische Netzbetreiber Siel42 und der Bauträger Edifea.

Zwei Dinge fallen auf. Erstens die Mischung: kommunale Betreiber, kantonale Energieversorger und mit Veolia ein internationaler Konzern. Zweitens die Geografie – die Romandie bildet den Kern, Frankreich kommt dazu. Das ist eine logische Expansion: gleiche Sprache, dichtere Fernwärmelandschaft, grösserer Markt.

Die öffentliche Schweizer Förderlandschaft hat die Firma dabei gut begleitet: Genilem, Fongit, Venture Kick, Innosuisse, der Technologiefonds, CleantechAlps, platinn und Tech4Regen tauchen als Unterstützer auf, dazu die Teilnahme bei Venture Leaders Cleantech.

Unsere Einordnung

Dyneo macht etwas richtig, was viele Cleantech-Startups falsch machen: Die Firma verkauft eine Verbesserung, nicht eine Revolution. Kein Netzbetreiber muss seine Anlage ersetzen, keine Gemeinde muss eine Volksabstimmung gewinnen. Es braucht nur die Bereitschaft, Daten anzuschauen. Das senkt die Einstiegshürde dramatisch – und erklärt, warum in der Referenzliste Namen stehen, an die andere Startups jahrelang nicht herankämen.

Der Markt ist zudem strukturell im Rückenwind. Die Schweiz baut Fernwärme aus, Europa erst recht. Und jedes neue Netz, jede Erweiterung, jede eingebundene Abwärmequelle erhöht die Komplexität – also den Bedarf an Steuerung. Wer in diesem Moment eine funktionierende Plattform hat, sitzt gut.

Die offene Frage ist der Vertrieb. Kommunale Energieversorger kaufen langsam, in Ausschreibungen, mit langen Zyklen. Ein achtköpfiges Team kann davon nur eine begrenzte Zahl parallel bearbeiten. Wenn Dyneo skalieren will, braucht es entweder deutlich mehr Vertriebsleute oder Partner, die das Produkt mitverkaufen. Der Weg über Konzerne wie Veolia deutet an, dass die Gründer das verstanden haben. Das ist der spannendste Teil ihrer nächsten zwölf Monate.

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Name
Dyneo
Phase
Seed
Kanton
Genf
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Quelle: en.dyneo.ch

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