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Porträt: Wie Distalmotion aus der EPFL einen OP-Roboter für die Ambulatorien baut

Redaktion·6. Nov. 2026·6 Min.
Porträt: Wie Distalmotion aus der EPFL einen OP-Roboter für die Ambulatorien baut
In 30 Sekunden gelesen
  • Distalmotion wurde 2012 als Spin-off des Robotik-Labors der EPFL gegründet; die Technologie wurde 2013 über das EPFL-Transferbüro lizenziert
  • Der Roboter Dexter erhielt im Dezember 2020 die CE-Kennzeichnung; erste klinische Fälle folgten 2021
  • Series E über USD 90 Mio. (Februar 2022) und Series G über USD 150 Mio. (November 2025), beide unter Führung von Revival Healthcare Capital
  • Am 21. Oktober 2026 meldete die Firma einen Kredit von bis zu USD 70 Mio. von Perceptive Advisors für den Ausbau in US-Ambulatorien

🔎 Porträt – Epalinges (VD): Ein Roboter, der in jeden OP passt, ohne den OP umzubauen. Das ist die Wette von Distalmotion.

Operationsroboter gelten als teuer und sperrig. Distalmotion aus der Waadt will das ändern. Das EPFL-Spin-off baut Dexter, ein System für Weichgewebe-Chirurgie, das klein, mobil und mit Einweg-Instrumenten arbeitet. Im Oktober 2026 hat die Firma einen Kredit über bis zu USD 70 Mio. gemeldet.

Was die Firma macht

Dexter ist ein Roboter für minimalinvasive Eingriffe. Die Instrumente sind abgewinkelt wie ein Handgelenk und werden nach dem Eingriff entsorgt. Das System ist klein, mobil und braucht keine baulichen Anpassungen. Es kann zwischen Räumen wechseln. An einer sterilen Konsole sitzt die Chirurgin nah am Patienten. Sie kann während der Operation zwischen laparoskopischer und robotischer Technik wechseln. Das System ist offen aufgebaut und soll mit bestehender und künftiger OP-Technik zusammenarbeiten. Weil die Instrumente nur einmal verwendet werden, entfällt die Sterilaufbereitung.

Die Geschichte

Distalmotion wurde 2012 als Spin-off aus dem Robotik-Labor der EPFL gegründet. 2013 lizenzierte die Firma ihre Technologie über das Transferbüro der EPFL. Vor der CE-Kennzeichnung arbeitete das Team nach EPFL-Angaben mit mehr als 60 chirurgischen Teams in Europa zusammen. Die CE-Kennzeichnung für Dexter folgte im Dezember 2020, für Urologie, Gynäkologie und Allgemeinchirurgie. 2021 kamen die ersten klinischen Fälle.

Heute sitzt die Firma in Epalinges und beschreibt sich als Lausanner Unternehmen. In den USA gibt es ein Büro in Cleveland, Ohio. Dexter ist in den USA und in Europa erhältlich. CEO ist Greg Roche, Chas McKhann ist Executive Chairman. Das Team zählt über 150 Personen aus mehr als 25 Nationen. Im November 2025 sprach die Firma von fast 3000 behandelten Patientinnen und Patienten.

Produkt und Technologie

In den USA ist Dexter laut Firma für die vier häufigsten ambulanten Weichgewebe-Eingriffe zugelassen: Gallenblasenentfernung, Leistenbruch, Narbenbruch und Gebärmutterentfernung. Die Liste der Indikationen ist länger und umfasst weitere gynäkologische Eingriffe. Die Anwendung ist auf Erwachsene ab 22 Jahren beschränkt.

Markt und Wettbewerb

Der Markt für Chirurgie-Roboter wird von Grossen wie Intuitive Surgical mit dem da-Vinci-System geprägt. Distalmotion greift anders an: nicht mit mehr Funktionen, sondern mit weniger Aufwand. Die Firma zielt auf ambulante Operationszentren in den USA. Dort zählen Effizienz und Platz. Sam Chawla von Perceptive sagt, Dexter sei für die Verlagerung von Eingriffen in diese Zentren gebaut. 2022 schätzte die Firma, dass in den USA und Europa rund 12 Millionen Eingriffe pro Jahr mit Dexter machbar wären. Das ist eine Firmenschätzung.

Finanzierung und Zahlen

Im Februar 2022 sammelte Distalmotion USD 90 Mio. in einer Series E. Angeführt wurde sie von Revival Healthcare Capital, mit 415 Capital und bestehenden Investoren. Im November 2025 folgte eine Series G über USD 150 Mio., wieder unter Führung von Revival Healthcare Capital, mit bestehenden Geldgebern. Am 21. Oktober 2026 meldete Distalmotion einen vorrangig besicherten Kredit von bis zu USD 70 Mio. von Perceptive Advisors. Das Geld soll den Ausbau in US-Ambulatorien, die Weiterentwicklung von Dexter und die Präsenz in den USA stärken.

Unsere Einordnung

Distalmotion ist ein Paradebeispiel für Hochschul-Transfer: Forschung von 2012, Lizenz 2013, Zulassung 2020, jetzt Wachstum in den USA. Das braucht Geduld und viel Kapital. Die Schweiz hat beides geliefert, wenn auch zu grossen Teilen von Investoren, die den Weg mitgehen.

Der Kredit ist ein gutes Zeichen. Fremdkapital gibt es, wenn Geldgeber Umsätze sehen. Gleichzeitig bleibt er ein Kredit, der bedient werden muss. Der Beweis steht aus: Müssen Ambulatorien wirklich auf Dexter umsteigen? Wir finden die Logik überzeugend und schauen auf die Installationszahlen.

Zum Startup

Name
Distalmotion
Phase
Growth
Letzte Runde
USD 150 Mio. (2025)
Kanton
Waadt
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Quelle: distalmotion.com

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