Porträt: Wie Apolarion aus der EPFL-Forschung Saatgut mit kaltem Plasma entkeimt – ohne Chemie

- Apolarion ist ein EPFL-Spin-off, gegründet von den Plasmaphysikern Luke Simons (CEO) und Jesús Poley
- Das Gerät erzeugt kaltes atmosphärisches Plasma aus Luft und Strom und tötet Krankheitserreger auf Saatgut, ohne Chemie
- Venture Kick förderte das Team mit CHF 40'000 (Mai 2026); am 3. November 2026 wurden CHF 150'000 von Venture Kick gemeldet
- Zuvor gab es einen von UBS gesponserten EPFL-Innogrant über CHF 100'000 (Januar 2026)
🔎 Porträt – EPFL: Chemische Beizen sind Standard im Saatgut. Apolarion will sie durch ein Gerät ersetzen, das nur Luft und Strom braucht.
Saatgut kann Krankheitserreger tragen. Pilze und Schimmel wandern mit dem Korn aufs Feld. Apolarion, ein Spin-off der EPFL, setzt dagegen auf kaltes Plasma. Diese Woche wurde bekannt, dass Venture Kick das Team mit CHF 150'000 unterstützt.
Was die Firma macht
Apolarion entwickelt ein kleines, modulares Gerät. Es erzeugt kaltes atmosphärisches Plasma, also ein elektrisch erzeugtes Gemisch reaktiver Teilchen aus der Luft. Diese Teilchen zerstören Krankheitserreger auf dem Saatgut. Das Ganze läuft bei Raumtemperatur und normalem Druck, ohne Hitze und ohne Chemikalien. Wichtig ist, dass die Samen keimfähig bleiben. Das Gerät soll wenig Energie brauchen und flexibel einsetzbar sein.
Die Geschichte
Hinter Apolarion stehen Luke Simons und Jesús Poley. Beide sind Plasmaphysiker aus dem Swiss Plasma Center der EPFL und haben Erfahrung im Projektmanagement. Simons ist CEO. Die wissenschaftliche Nähe ist eng: Im Innogrant-Text der EPFL wird die Zusammenarbeit mit Professor Ivo Furno vom Swiss Plasma Center genannt.
Die Förderung kam in Etappen. Im Januar 2026 meldete die EPFL einen von UBS gesponserten Innogrant über CHF 100'000. Er sollte Prototyp, biologische Validierung und einen ersten Pilot mit Schweizer Industriepartnern finanzieren. Am 18. Mai 2026 folgte Venture Kick Stufe 2 mit CHF 40'000, gedacht für einen Minimum Viable Product und Konferenzen, um Absichtserklärungen von europäischen Saatgutfirmen zu sammeln.
Am 3. November 2026 meldeten Venture Kick und mehrere Medien nun CHF 150'000. Die Meldung nennt keine einzelne Stufe. Zur Einordnung: Bei Venture Kick zahlen die drei Stufen CHF 10'000, CHF 40'000 und CHF 100'000 aus, das Programm-Total beträgt CHF 150'000. Das Geld soll die ersten Kundenlieferungen und eine erste Serie von Feldversuchen finanzieren, darunter Räume, Ausrüstung und Personal.
Produkt und Technologie
Plasma ist der vierte Aggregatzustand. «Kalt» heisst hier: Das Gas ist nur teilweise ionisiert, die Temperatur bleibt niedrig. Das ist der Trick. Heiss würde es die Samen schädigen. Kalt erzeugt es reaktive Moleküle, die Mikroorganismen angreifen. Aus Luft und Strom entsteht so ein Wirkstoff, der vor Ort produziert wird und nichts im Boden hinterlässt.
Das Team nennt zwei Probleme der Alternativen. Chemische Beschichtungen können Rückstände im Boden hinterlassen. Wärmebasierte Verfahren verbrauchen viel Energie und wirken nicht immer. Der Plasma-Ansatz soll beides vermeiden.
Markt und Wettbewerb
Nach eigenen Angaben liegt der Schweizer und EU-Markt für Saatgutbehandlung bei rund USD 250 Mio. Weltweit nennt das Team etwa USD 13 Mrd., mit einem Wachstum von 9,5 Prozent pro Jahr. Mehr als 450 Unternehmen in der EU könnten laut Apolarion profitieren. Das sind Firmenzahlen, keine unabhängigen Studien. Wir geben sie so wieder.
Die Konkurrenz sind die etablierten Beizverfahren, chemisch und thermisch. Sie sind eingespielt und billig. Das ist die Hürde. Ein Plasmagerät muss beweisen, dass es im Durchsatz mithält und sich rechnet.
Unsere Einordnung
Die Idee ist stark. Sie spricht ein echtes Problem an und verzichtet auf Chemie. Die Förderkette zeigt, dass die Schweizer Instrumente funktionieren: erst EPFL-Grant, dann Venture Kick, nun Feldversuche. So geht Deeptech-Aufbau in der Schweiz.
Jetzt kommt der entscheidende Teil. Feldversuche und erste Kundenlieferungen zeigen, ob das Gerät unter Praxisbedingungen besteht. Wir wünschen dem Team Erfolg und beobachten, ob aus Absichtserklärungen echte Aufträge werden. Eine Preisliste und Wirksamkeitsdaten haben wir bisher nicht gesehen. Sie werden wichtig.
Zum Startup
- Name
- Apolarion
- Phase
- Pre-Seed
- Letzte Runde
- CHF 150'000 (Venture Kick, 2026)
- Kanton
- Waadt
Quelle: tech.eu
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