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Porträt: Wie DePoly aus dem Wallis PET-Müll ohne Hitze recycelt

Redaktion·28. Juli 2026·6 Min.
Porträt: Wie DePoly aus dem Wallis PET-Müll ohne Hitze recycelt
In 30 Sekunden gelesen
  • DePoly ist ein EPFL-Spin-off aus Sion und recycelt verschmutzten, gemischten PET-Müll chemisch – ohne Hitze und Druck.
  • Aus Abfall werden die Grundstoffe PTA und MEG, aus denen die Industrie neues PET herstellt.
  • Im Juli 2026 eröffnete DePoly in Monthey sein erstes Vorzeigewerk.
  • Insgesamt sammelte die Firma rund USD 37 Mio. ein, unter anderem von BASF Venture Capital.

🔎 Porträt – Sion (VS): Dieses EPFL-Spin-off macht aus schmutzigem Plastikmüll wieder neuwertigen Rohstoff – bei Raumtemperatur.

Der grosse Teil des Plastiks der Welt wird nie recycelt. Zu schmutzig, zu bunt, zu gemischt – klassische Anlagen kapitulieren davor. DePoly aus dem Wallis will genau diesen Abfall retten. Und zwar mit Chemie, die ohne grosse Hitze und ohne Druck auskommt.

Was die Firma macht

DePoly zerlegt PET – den Kunststoff von Getränkeflaschen und Polyester-Textilien – wieder in seine chemischen Grundbausteine. Heraus kommen die Rohstoffe PTA und MEG, aus denen die Industrie frisches PET herstellt. Das Besondere: Der Prozess läuft bei Raumtemperatur und verträgt auch unsortierten, verschmutzten oder gemischten Abfall. Genau das, was heute meist verbrannt oder deponiert wird.

Die Geschichte

Gegründet wurde DePoly 2020 als Spin-off der EPFL, von Samantha Anderson, Chris Ireland und Bardiya Valizadeh. Der Sitz ist Sion im Wallis – ein Kanton, der sich mit viel Ehrgeiz als Standort für saubere Industrie positioniert. Aus einer Laboridee ist in wenigen Jahren ein Scale-up mit industriellem Anspruch geworden.

Produkt & Technologie

Herkömmliches mechanisches Recycling schreddert und schmilzt Plastik. Das funktioniert nur mit sauberem, sortenreinem Material und macht den Kunststoff mit jeder Runde schlechter. DePoly geht den chemischen Weg und führt PET auf die Molekülebene zurück. Das Ergebnis ist so gut wie neu und lässt sich beliebig oft wiederverwenden. Weil der Prozess kalt läuft, braucht er weniger Energie als viele konkurrierende Verfahren – ein wichtiger Punkt für die CO2-Bilanz.

Markt & Wettbewerb

Der Druck auf die Verpackungs- und Textilindustrie wächst. Marken müssen Rezyklat-Quoten erfüllen, und echtes, hochwertiges Rezyklat ist knapp. Chemisches Recycling gilt als einer der grossen Hoffnungsträger – aber viele Verfahren sind teuer und energiehungrig. DePoly setzt genau hier an. Als strategischer Investor ist unter anderem BASF Venture Capital an Bord, was zeigt, dass auch die Chemieindustrie das Potenzial sieht.

Finanzierung & Zahlen

DePoly hat über mehrere Runden rund USD 37 Mio. eingesammelt, darunter eine überzeichnete Seed-Runde von CHF 12,3 Mio. und eine spätere Erweiterung. Im Juli 2026 eröffnete die Firma in Monthey ihr erstes Vorzeigewerk – im Industriepark CIMO, mitten in der Walliser Chemieregion. Damit macht DePoly den entscheidenden Schritt vom Labor in die reale Produktion.

Unsere Einordnung

DePoly macht vieles richtig. Die Firma löst ein echtes Problem, hat eine klare technische Kante und geht mit dem Werk in Monthey ein reales Risiko ein, statt nur Folien zu präsentieren. Der Praxistest beginnt aber erst jetzt: Chemisches Recycling muss sich im Dauerbetrieb und beim Preis gegen billiges Neuplastik beweisen. Schafft DePoly das, ist es nicht nur ein Häkchen für die Kreislaufwirtschaft, sondern auch ein Beleg, dass das Wallis mehr kann als Wasserkraft und Tourismus. Wir drücken die Daumen – und schauen genau hin.

Zum Startup

Name
DePoly
Phase
Seed
Letzte Runde
USD 23 Mio (Seed, 2025)
Kanton
Wallis
Investoren

Quelle: depoly.co

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