Porträt: Wie Decentriq aus Zürich Daten zusammenbringt, ohne sie preiszugeben – die «Schweiz der Daten»

- Decentriq ist ein HSG-Spin-off aus Zürich, 2019 von Maximilian Groth und Stefan Deml gegründet.
- Die Plattform bietet Data Clean Rooms: Daten bleiben verschlüsselt, auch für Decentriq unsichtbar.
- 2022 floss eine Series A über USD 15 Mio. unter Führung von Eclipse Ventures.
- Zu den genannten Kunden und Projekten zählen SNB, Roche, Goldbach und ein Banken-Pilot unter armasuisse.
🔎 Porträt – Zürich: Decentriq hat verstanden, dass Daten oft dann am wertvollsten sind, wenn man sie nicht herausgeben muss.
Banken, Spitäler und Werber sitzen auf Daten, die sie nicht teilen dürfen. Genau dafür hat ein Zürcher Team eine Plattform gebaut. Das Ergebnis nennt der CEO die «Schweiz der Daten».
Was die Firma macht
Decentriq betreibt sogenannte Data Clean Rooms. Organisationen laden verschlüsselte Datensätze hoch und legen Regeln fest: Was darf mit den Daten berechnet werden, und welche Ergebnisse dürfen herauskommen? Die Daten bleiben für alle anderen Beteiligten unsichtbar. Auch für Decentriq selbst. Der Dateneigentümer behält die volle Kontrolle.
Das Unternehmen sitzt in Zürich und beschreibt sich als unabhängigen Anbieter, der keiner Agentur, keinem Verlag und keinem Cloud-Konzern gehört. Das ist ein Verkaufsargument. Wer Daten zusammenlegt, will einen neutralen Dritten.
Die Geschichte
Maximilian Groth und Stefan Deml haben Decentriq 2019 gegründet. Groth ist CEO, er hat an der Universität St. Gallen Accounting und Finance studiert und den HSG Alumni Tech Club ins Leben gerufen. Deml ist ETH-Absolvent. Die HSG zählt Decentriq zu ihren Spin-offs. Groth sagt, der Name der Uni helfe in Gesprächen mit Investoren.
Im Herbst 2020 folgte eine Seed-Runde über USD 3,8 Mio. Im März 2022 kam die Series A über USD 15 Mio. Angeführt hat sie Eclipse Ventures. Mit dabei waren die bisherigen Investoren Atlantic Labs, btov Partners und Paladin Capital Group. Das Geld sollte unter anderem den Ausbau des Teams in Europa, im Nahen Osten, in Asien und in den USA finanzieren.
Produkt und Technologie
Die Technik dahinter heisst Confidential Computing. Daten bleiben auch während der Verarbeitung verschlüsselt. Für die Werbebranche hat Decentriq daraus «Media Clean Rooms» gemacht. Verlage und Marken können eigene Kundendaten abgleichen, ohne Cookies und ohne Rohdaten auszutauschen. Das passt in eine Welt, in der Drittanbieter-Cookies an Bedeutung verlieren.
Das zweite grosse Feld ist die Medizin. Roche nutzt laut HSG einen Clean Room, um mit Patientendaten externer Kliniken neue Biomarker zu erforschen, ohne dass Identitäten offenliegen. Innosuisse sprach Decentriq im Mai 2023 CHF 2,2 Mio. für eine Plattform zu, auf der Institutionen sensible Patientendaten gemeinsam nutzen können.
Ein dritter Strang ist die Finanzwelt. In einem Pilot haben die Schweizerische Nationalbank, die Zürcher Kantonalbank und SIX sensible Daten zu Phishing-Angriffen geteilt. Geleitet hat das Projekt armasuisse. Der Bund bezeichnete den Pilot im Frühling 2023 als Erfolg.
Markt und Wettbewerb
Clean Rooms sind kein Nischenthema mehr. Grosse Cloud- und Werbeplattformen bieten eigene an. Decentriq setzt dagegen auf Neutralität und auf Branchen, in denen Vertrauen zählt. In der Werbung nutzt etwa Goldbach, die Werbeeinheit der TX Group, die Media Clean Rooms. Zu den frühen Referenzen zählten die Schweizer Armee und die Mobiliar.
Unsere Einordnung
Wir finden: Decentriq ist ein Paradebeispiel für eine Schweizer Stärke, die man leicht unterschätzt. Diskretion ist hier das Produkt. Die Schweiz hat Banken, Pharma und Datenschutz-Kultur. Das ist ein echter Standortvorteil, wenn aus Vertrauen Software wird.
Die offene Frage ist der Wettbewerb. Wenn die grossen Plattformen ihre Clean Rooms günstig anbieten, muss Decentriq den Neutralitäts-Vorsprung in Umsatz verwandeln. Mit Referenzen aus Pharma, Medien und Staat steht die Firma dafür gut da. Wir behalten sie im Blick.
Quelle: unisg.ch
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