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Porträt: Wie Cutempa Medical aus Basel chronische Wunden mit Mineralpulver heilen will

Redaktion·16. Aug. 2026·6 Min.
Porträt: Wie Cutempa Medical aus Basel chronische Wunden mit Mineralpulver heilen will
In 30 Sekunden gelesen
  • Cutempa Medical AG sitzt im Switzerland Innovation Park Basel Area und entwickelt mineralbasierte Wundpflege.
  • Kern ist die Plattform SIOTWO mit den Produktkandidaten Curi01 und Curi02, die überschüssiges Wundexsudat aufnehmen.
  • Erste Indikation ist das diabetische Fusssyndrom; seit Ende Juli 2026 läuft in Deutschland die pivotale Zulassungsstudie CURE1-DFU mit 280 Patientinnen und Patienten an rund 20 Zentren.
  • Die 2024 gegründete Firma nennt als Ziel den Marktstart erster Produkte 2028.
  • Laut Firmenangaben leiden rund 1,5 Prozent der Weltbevölkerung an chronischen Wunden.

🔎 Porträt – Basel: Eine Firma, die chronische Wunden nicht mit einem Wirkstoff bekämpft, sondern mit Physik – und damit einen der teuersten blinden Flecken der Medizin trifft.

Chronische Wunden sind ein Milliardenproblem, über das kaum jemand spricht. Cutempa Medical will sie mit einem Pulver in den Griff bekommen, das aussieht wie Sand und sich verhält wie eine Flüssigkeit.

Was die Firma macht

Die Cutempa Medical AG ist ein Schweizer Medizintechnik-Unternehmen mit Adresse im Switzerland Innovation Park Basel Area an der Lichtstrasse 35 in Basel. Sie entwickelt mineralbasierte Technologien für die Behandlung chronischer und akuter Wunden. Kein Medikament, kein biologischer Wirkstoff – sondern ein physikalisch wirkendes Medizinprodukt.

Im Zentrum steht die Plattform SIOTWO. Sie soll das Mikromilieu der Wunde ins Gleichgewicht bringen – laut Firma einer der Haupttreiber dafür, dass Wunden nicht heilen.

Das Problem, das gelöst werden soll

Jede Wunde sondert Exsudat ab. Das ist normal und sogar nötig: Die Flüssigkeit spült Keime aus und bringt Abwehrzellen an den Ort des Geschehens. Bei Diabetikerinnen und Diabetikern gerät dieser Vorgang aus dem Takt. Es bildet sich zu viel Flüssigkeit, das Gewebe weicht auf, und die Granulationsphase – die eigentliche Wundheilung – kommt nie richtig in Gang.

Herkömmliche Verbände stossen dabei an eine simple geometrische Grenze. Sie liegen flach auf. Hat eine Wunde Taschen, Hohlräume oder eine unregelmässige Oberfläche, sammelt sich dort Flüssigkeit, an die der Verband gar nicht herankommt. Cutempa nennt das exudate pooling.

Produkt und Technologie

Die Antwort heisst Curi01 und Curi02 – zwei Produktkandidaten auf Basis der SIOTWO-Plattform. Es sind Pulver, die in die Wunde gegeben werden und sich dabei wie eine Flüssigkeit verhalten: Sie fliessen in Taschen und Vertiefungen und arbeiten von dort aus.

Die Wirkung beruht auf einem starken Kapillareffekt. Das Pulver saugt überschüssiges Exsudat auf und bindet dabei Entzündungszellen. Laut Firma wird so die Zellneubildung angeregt und ein günstiges, feuchtes Wundmilieu wiederhergestellt. Curi01 soll sich vollständig in die heute übliche Behandlung einfügen – das Pflegepersonal muss seine Abläufe nicht umstellen. Wer schon einmal versucht hat, in einem Spital einen neuen Prozess einzuführen, weiss, wie viel dieses Argument wert ist.

Markt und Wettbewerb

Cutempa beziffert die Zahl der Betroffenen auf rund 1,5 Prozent der Weltbevölkerung. Die Kosten für die Gesundheitssysteme in den USA, Europa und Australien gehen in die Milliarden – und darin sind Amputationen noch nicht eingerechnet. Das ist ein Markt, der nicht wächst, weil eine neue Technologie ihn schafft, sondern weil Diabetes und Alterung ihn Jahr für Jahr grösser machen.

Der Wettbewerb ist entsprechend hart besetzt. Grosse Wundpflege-Konzerne, Schaumstoffe, Alginate, Unterdrucktherapie, dazu Kaltplasma und Wachstumsfaktoren als teurere Alternativen. Cutempas Wette lautet: günstiger und einfacher als die Hightech-Verfahren, wirksamer als die Standardverbände.

Strategie und Zeitplan

Erste Indikation ist das diabetische Fusssyndrom. Die Firma bezeichnet es ausdrücklich als klinische und kommerzielle Validierung der SIOTWO-Plattform und als Sprungbrett in weitere Indikationen. Seit Ende Juli 2026 läuft dafür in Deutschland die pivotale Zulassungsstudie CURE1-DFU: 280 Patientinnen und Patienten mit Diabetes Typ 1 oder 2 an rund 20 spezialisierten Zentren, Gesamtdauer rund 15 Monate. Curi01 ist dabei als Medizinprodukt der Klasse IIb nach der europäischen MDR eingestuft. Als kommerzielle Ziele nennt Cutempa den Marktstart erster Produkte 2028, strategische Partnerschaften und Auslizenzierung sowie regionale oder globale Vermarktungsabkommen.

Das ist eine bewusst schlanke Aufstellung: entwickeln, zulassen, dann mit Partnern skalieren – statt einen eigenen Vertrieb gegen Konzerne aufzubauen. Zur Finanzierung und zur Teamgrösse macht die Firma öffentlich keine belastbaren Angaben; wir verzichten deshalb auf Zahlen.

Unsere Einordnung

Uns gefällt die Nüchternheit dieses Ansatzes. Kein Zellprodukt, kein biologischer Wirkstoff, keine Datenwolke – ein physikalisch wirkendes Pulver, das in einen bestehenden Pflegeprozess passt. Das senkt den regulatorischen Aufwand, verkürzt den Weg zur Zulassung und macht das Produkt bezahlbar. Genau daran scheitern in der Wundpflege die meisten Innovationen: Sie wirken, aber niemand kann sie sich leisten oder in den Stationsalltag einbauen.

Die offene Flanke bleibt der Wirksamkeitsnachweis. Physikalisch plausibel ist nicht klinisch belegt. Ob ein Pulver das diabetische Fussulkus messbar schneller schliesst als die heutige Standardtherapie, entscheidet nun die laufende Zulassungsstudie – und dort sind schon deutlich besser finanzierte Wundpflege-Konzepte gescheitert. Immerhin: Cutempa stellt sich dieser Prüfung mit einem Design, das für diese Indikation zu den umfangreichsten unter der MDR zählt.

Trotzdem: Wenn ein Basler Kleinteam ein Milliardenproblem mit Kapillarkräften angeht statt mit Biologika, verdient das Aufmerksamkeit. Wir schauen 2028 wieder hin.

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Name
Cutempa Medical
Kanton
Basel-Stadt
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Quelle: cutempamedical.com

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