Porträt: Wie Corintis aus Lausanne die KI-Chips von innen kühlt

- Corintis ist ein EPFL-Spin-off aus Lausanne und kühlt Chips mit winzigen Flüssigkeitskanälen direkt im Halbleiter.
- Die Technik entfernt Wärme bis zu dreimal effizienter als klassische Kühlung – gezeigt in einem Projekt mit Microsoft.
- Im September 2025 sammelte die Firma USD 24 Mio. in einer Series A, insgesamt rund USD 33 Mio.
- Das Team um CEO Remco van Erp zielt auf den grössten Engpass der KI: die Hitze in den Rechenzentren.
🔎 Porträt – Lausanne (VD): Dieses EPFL-Spin-off löst ein Problem, an dem gerade die halbe KI-Industrie schwitzt – die Hitze im Chip.
Moderne KI-Chips sind kleine Öfen. Je mehr Rechenleistung, desto mehr Wärme – und irgendwann wird die Kühlung zum eigentlichen Flaschenhals. Corintis aus Lausanne geht das Problem an der Wurzel an: Die Firma führt Kühlflüssigkeit nicht mehr aussen am Chip vorbei, sondern in winzigen Kanälen direkt durch den Halbleiter.
Was die Firma macht
Corintis baut mikrofluidische Kühlung. Man kann sich das wie ein feines Adernetz vorstellen, das in den Chip oder direkt darunter gelegt wird. Durch diese Mikrokanäle fliesst Flüssigkeit und nimmt die Wärme genau dort auf, wo sie entsteht. Klassische Kühlkörper und Lüfter sitzen dagegen weit weg von den heissen Zonen und kämpfen mit jedem Grad. Corintis verspricht, Wärme bis zu dreimal effizienter abzuführen.
Die Geschichte
Die Wurzeln liegen an der EPFL. Dort forschte das Team um Professor Elison Matioli jahrelang an der Frage, wie man Wärme direkt im Chip bekämpft. 2021 wurde daraus die Firma Corintis, gegründet von Remco van Erp als CEO, Sam Harrison als COO und Matioli als wissenschaftlichem Kopf. Der Sitz ist Lausanne, mitten im Waadtländer Deeptech-Cluster. Zuletzt holte die Firma einen erfahrenen Intel-Manager ins Führungsteam – ein Zeichen, dass es nicht mehr nur um Forschung geht, sondern um Serienproduktion.
Produkt & Technologie
Das Herzstük ist die sogenannte In-Chip-Kühlung. Die Mikrokanäle werden passgenau auf die Struktur eines bestimmten Chips zugeschnitten, damit die Kühlung dort am stärksten wirkt, wo die meiste Hitze anfällt. Corintis kombiniert dafür eigene Software zur Auslegung der Kanäle mit der Fertigung der Kühlstrukturen. Aufsehen erregte ein gemeinsames Projekt mit Microsoft: Dabei demonstrierten die Partner eine im Chip integrierte mikrofluidische Kühlung, die Wärme dreimal wirksamer abführte als der bisherige Stand der Technik.
Markt & Wettbewerb
Der Zeitpunkt ist ideal. Rechenzentren fressen immer mehr Strom, und ein grosser Teil davon geht für Kühlung drauf. Betreiber suchen händeringend nach Lösungen, die Chips kühl halten, ohne den Energieverbrauch explodieren zu lassen. Flüssigkühlung ist deshalb eines der heissesten Themen der Branche. Corintis konkurriert mit grossen Anbietern klassischer Flüssigkühlung und mit den Chip-Herstellern selbst. Der Vorteil der Waadtländer: Sie gehen näher an den Chip heran als fast alle anderen – und je näher, desto wirksamer.
Finanzierung & Zahlen
Im September 2025 schloss Corintis eine Series A über USD 24 Mio. ab, angeführt von BlueYard Capital, mit dabei unter anderem Founderful, Acequia Capital, Celsius Industries und XTX Ventures. Insgesamt hat die Firma damit rund USD 33 Mio. eingesammelt. Das Geld soll den Schritt von Prototypen in die Serienfertigung finanzieren.
Unsere Einordnung
Corintis ist genau die Sorte Deeptech, die die Schweiz stark macht: harte Physik aus einer Spitzenhochschule, geduldig zur Marktreife gebracht. Dass ausgerechnet Microsoft die Technik öffentlich vorführt, ist ein Ritterschlag – solche Konzerne kühlen sonst am liebsten selbst. Der schwierige Teil kommt jetzt: In-Chip-Kühlung muss sich in echten Rechenzentren über Jahre bewähren, und die Fertigung solcher Mikrostrukturen im grossen Massstab ist anspruchsvoll. Gelingt der Sprung, sitzt Corintis an einem der wichtigsten Hebel der KI-Ära. Wir hätten diese Firma gerne öfter auf dem Radar.
Quelle: corintis.com
Mehr aus der Szene
FinanzierungEIC Accelerator: Vier Schweizer Deeptech-Startups holen EU-Millionen
PorträtPorträt: Wie Ecorobotix aus der Waadt Pestizide um bis zu 95 Prozent senkt
Porträt