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FinanzierungVerifiziert

Ferm Labs holt EUR 3 Mio. – Zug fermentiert aus Molke den Käsegeschmack

Redaktion·15. Sept. 2026·5 Min.
Ferm Labs holt EUR 3 Mio. – Zug fermentiert aus Molke den Käsegeschmack
In 30 Sekunden gelesen
  • Ferm Labs mit Sitz in Zug hat eine Finanzierungsrunde über EUR 3 Mio. abgeschlossen.
  • Angeführt wurde die Runde von CDP Venture Capital über den Green Transition Fund (NextGenerationEU); beteiligt sind Fund F, Redstone mit Euregio+ und Alpine VC sowie die Loacker-Gruppe.
  • Gegründet wurde die Firma 2025 von Stephanie Lüpold (CEO) und Mattia Baroni (CTO); die Produktion steht in Bozen.
  • Das Geld fliesst in mehr Fermentationskapazität in Südtirol, in den europäischen B2B-Vertrieb und in die Forschung.

Ein Jahr nach der Gründung hat Ferm Labs 3 Millionen Euro beisammen. Das Zuger Startup will Lebensmittelherstellern den Kompromiss zwischen billigem Zusatzstoff und teurer Naturzutat abnehmen – mit Mikroben, die schneller arbeiten als üblich.

Was passiert ist

Ferm Labs hat eine Finanzierungsrunde über 3 Millionen Euro abgeschlossen. Das Geld geht in drei Richtungen: mehr Fermentationskapazität in Südtirol, ein grösserer B2B-Vertrieb in Europa und mehr Köpfe in der Forschung für neue Produktkategorien.

Das Unternehmen wurde 2025 von Stephanie Lüpold (CEO) und Mattia Baroni (CTO) gegründet. Der Hauptsitz liegt in Zug, die Produktion in Bozen. Diese Aufteilung ist kein Zufall: Kapital und Holding in der Schweiz, Anlagen und Rohstoffe dort, wo die Lebensmittelindustrie sitzt.

Wer investiert

Angeführt wird die Runde von CDP Venture Capital über den Green Transition Fund, der aus NextGenerationEU gespeist wird. Dazu kommt ein europäisches Syndikat: Fund F, Redstone in Zusammenarbeit mit Euregio+ und Alpine VC – und die Loacker-Gruppe, also ein etablierter Südtiroler Lebensmittelhersteller.

Enrico Filì, Leiter des Green Transition Fund bei CDP Venture Capital, spricht von einer Deeptech-Plattform, die Effizienz, Nachhaltigkeit und Geschmacksleistung neu definiere. Der Loacker-Einstieg ist der interessantere Teil: Ein Industriekunde, der mitinvestiert, ist der beste verfügbare Beleg dafür, dass ein Inhaltsstoff in der Praxis funktioniert.

Was die Technologie kann

Ferm Labs führt nicht gentechnisch veränderte Mikroben durch eigens eingestellte Prozessparameter. Damit verkürzt sich die Fermentation nach Firmenangaben von Wochen auf Stunden. Aus Nebenströmen mit geringem Wert entstehen sogenannte Kokumi-Peptide – Moleküle, die Tiefe und Mundgefühl bringen, ohne selbst stark zu schmecken. Das Ergebnis sind Pasten und Pulver ohne E-Nummern, ohne zugesetzte Fette und ohne hohen Natriumgehalt.

Das erste Produkt heisst Kokumesan und zielt auf die industrielle Käseverarbeitung. Es wird aus Flüssigmolke gewonnen und soll das Profil eines gereiften Käses liefern. Laut Ferm Labs sinkt der Anteil teuren Rohkäses in einer Rezeptur damit von rund 20 Prozent auf unter 1 Prozent, was einer Einsparung von 75 Prozent bei den Einsatzkosten entspreche – ohne sensorische Einbussen. Den adressierten Markt in den USA und Europa beziffert die Firma auf 68 Milliarden Euro. Als Nebeneffekt nennt sie weniger Fett- und Salzablagerungen in den Maschinen und eine längere Haltbarkeit.

Alle diese Zahlen stammen vom Unternehmen selbst. Unabhängig geprüft sind sie nicht.

Unsere Einordnung

Foodtech hat in den letzten Jahren viel Geld mit Versprechen verbrannt, die am Regal scheiterten. Ferm Labs macht es anders herum und verkauft nicht an Konsumenten, sondern an Werke. Das ist unspektakulär und genau deshalb gesund: Ein Industriekunde entscheidet nach Kosten pro Kilo und nach Prozesstauglichkeit, nicht nach Erzählung.

Das Argument dahinter ist stark. Salzreduktion, Nutri-Score und Clean Label sind für europäische Hersteller keine Modethemen mehr, sondern Auflagen und Handelsanforderungen. Wer eine Zutat liefert, die gleichzeitig Kosten senkt und die Deklaration verkürzt, hat zwei Argumente statt einem. Genau daran sind viele Clean-Label-Alternativen bisher gescheitert: Sie waren sauberer, aber teurer.

Drei Millionen Euro sind für eine Fermentationsfirma allerdings knapp. Bioprozesse skalieren nicht linear; was im 100-Liter-Fermenter läuft, verhält sich im 10'000-Liter-Tank oft anders. Die nächste Runde wird deshalb schneller kommen als geplant. Und der Firmensitz in Zug ist bei aller Freude über eine neue Schweizer Adresse vor allem eine Holding-Entscheidung – die Wertschöpfung entsteht in Südtirol. Für den Standort Schweiz bleibt das interessanteste Signal ein anderes: Zwei erfahrene Gründer haben für eine Industrieplattform ein Jahr nach Start europäisches Staats- und Industriekapital zusammengebracht. Das geht schneller, als viele hier glauben.

Zum Startup

Name
Ferm Labs
Phase
Seed
Letzte Runde
EUR 3 Mio. (Seed, 2026)
Kanton
Zug
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Quelle: eu-startups.com

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