Portraet: Wie Comphya aus Lausanne Erektionsstoerungen mit einem Nerven-Implantat behandelt

- EPFL-Spin-off aus Lausanne, 2017 gegruendet, entwickelt ein implantierbares Neurostimulations-System.
- Zielgruppe: Maenner mit Erektionsstoerungen, die auf Medikamente wie PDE5-Hemmer nicht ansprechen.
- FDA-IDE seit Januar 2025, erste US-Pilotstudie an der Johns Hopkins University.
- Series A von CHF 7,5 Mio. (2025); eine Zulassungsstudie in den USA ist fuer die naechste Phase geplant.
🔎 Portraet – Lausanne: Ein Implantat gegen Erektionsstoerungen, gesteuert per Fernbedienung. Dieses EPFL-Spin-off geht ein Tabuthema technologisch an, wo Pillen versagen.
Erektionsstoerungen gelten als Pillenthema. Doch fuer viele Maenner wirken die bekannten Tabletten nicht, etwa nach einer Prostata-Operation, bei Diabetes oder Nervenschaeden. Genau hier setzt Comphya an, ein Medtech aus Lausanne, das aus der EPFL hervorgegangen ist.
Was die Firma macht
Comphya entwickelt das nach eigenen Angaben erste implantierbare Neurostimulations-System zur Behandlung von Erektionsstoerungen, die auf Medikamente nicht ansprechen. Das Prinzip: Ein kleiner Stimulator wird im Beckenboden platziert und stimuliert gezielt die Nerven, die eine natuerliche Erektion ausloesen. Ausgeloest wird das Ganze per drahtloser Fernbedienung, also bei Bedarf und vom Patienten selbst gesteuert.
Die Geschichte
Gegruendet wurde Comphya 2017 als Spin-off der EPFL. Die Kerntechnologie entwickelte Mitgruender Rodrigo Fraga-Silva zusammen mit Professor Nikos Stergiopulos, einem erfahrenen Medizintechnik-Unternehmer, der zuvor unter anderem Rheon Medical aufgebaut hatte. Mit an Bord kam Mitgruender Mikael Sturny, der zum Thema Neurostimulation bei Erektionsstoerungen promovierte. 2025 uebernahm Branchenveteran Pim van Wesel den CEO-Posten und soll das Unternehmen durch die klinische und regulatorische Phase in den USA fuehren.
Produkt & Technologie
Das Implantat wird in einem minimalinvasiven, laparoskopischen Eingriff eingesetzt. Nach ersten Erfahrungen aus der Pilotphase konnten Patienten das Spital am Folgetag wieder verlassen, ohne berichtete Nebenwirkungen. Der grosse Unterschied zu bestehenden Loesungen: Statt starre mechanische Penis-Implantate zu setzen, will Comphya die koerpereigene Funktion wiederherstellen, indem es die Nerven stimuliert. Das ist medizinisch anspruchsvoller, aber naeher an der natuerlichen Erektion.
Markt & Wettbewerb
Der Markt ist gross und unterversorgt. Millionen Maenner weltweit leiden an Erektionsstoerungen, ein erheblicher Teil spricht nicht auf Medikamente an. Fuer diese Gruppe gibt es heute vor allem Vakuumpumpen, Spritzen oder mechanische Penis-Implantate, die viele als unbefriedigend empfinden. Ein steuerbares Nerven-Implantat waere eine neue Kategorie. Der Preis dafuer ist ein langer, teurer Zulassungsweg, wie ihn jedes aktive Implantat gehen muss.
Finanzierung & Zahlen
2025 schloss Comphya eine ueberzeichnete Series A ab, die das gesamte aufgenommene Eigenkapital auf CHF 7,5 Mio. brachte, inklusive der Wandlung bestehender Wandeldarlehen. Zuvor hatte das Unternehmen bereits im Januar 2025 die FDA-Freigabe fuer eine klinische Pruefung (IDE) erhalten. Die erste US-Pilotstudie startete an der Johns Hopkins University. Fuer die naechste, groessere Zulassungsstudie in den USA plant Comphya eine weitere Finanzierungsrunde.
Unsere Einordnung
Comphya packt ein Problem an, ueber das kaum jemand offen spricht, das aber Millionen betrifft. Das gefaellt uns. Der Ansatz ist mutig: Nervenstimulation statt Mechanik ist der schwierigere, aber elegantere Weg. Die fruehen klinischen Signale sind ermutigend, und die FDA-Freigabe plus Johns Hopkins als erster Standort geben Glaubwuerdigkeit. Klar ist aber auch: Bis zur Marktzulassung ist es noch weit, und aktive Implantate sind kapitalintensiv. Comphya braucht eine solide Series B und Geduld. Wenn es gelingt, koennte aus Lausanne eine ganz neue Therapiekategorie kommen.
Quelle: comphya.com
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