Porträt: Wie Coachbetter aus Frauenfeld den Fussball digitalisiert – mit dem DFB als Aktionär

- Coachbetter aus Frauenfeld (TG) digitalisiert Trainingsplanung, Teammanagement und Video-Analyse im Fussball.
- Gegründet 2018 von Patrick Patzig, Thomas Grimm, Simon Arpagaus und Stefan Steuble.
- Pre-Series-A über rund USD 8,2 Mio. (2026) – mit dem Deutschen Fussball-Bund als strategischem Aktionär.
- Kooperation mit Manchester City (CityCoach); Nutzer von der City Football Group bis zum Amateurverein.
🔎 Porträt – Frauenfeld: Wie ein Thurgauer SaaS-Team vom Amateurverein bis zu Manchester City ganze Fussballwelten digitalisiert – und dabei sogar den Deutschen Fussball-Bund als Aktionär gewinnt.
Coachbetter aus Frauenfeld baut seit 2018 an einer einfachen Idee: Trainerinnen und Trainer sollen sich um den Sport kümmern, nicht um die Administration. Aus dieser Idee ist eine Plattform geworden, die Amateurvereine und Weltklubs gleichermassen nutzen. Und die im Frühjahr 2026 einen prominenten neuen Miteigentümer bekam.
Was die Firma macht
Coachbetter ist eine Abo-basierte SaaS-Plattform für Fussballvereine, Trainer und Spieler. Sie bündelt Trainingsplanung, Teammanagement, Kommunikation und Video-Analyse an einem Ort. Trainer stellen Einheiten aus einer Bibliothek mit Hunderten fertiger Übungen zusammen, planen Spiele, verwalten Kader und teilen Videos mit markierten Szenen und Feedback. Statt Excel, Chatgruppen und Zettelwirtschaft läuft alles in einer App. Das Versprechen: mehr Zeit für die Entwicklung von Spielerinnen und Spielern, weniger für Logistik.
Die Geschichte
Gegründet wurde die Firma 2018 von Patrick Patzig, Thomas Grimm, Simon Arpagaus und Stefan Steuble. CEO ist Patrick Patzig. Den ersten grösseren Schub gab eine Pre-Seed-Runde von knapp einer Million Dollar im Jahr 2021, mit dem St. Galler Swiss Founders Fund und der internationalen Investorin TheVentureCity. Danach folgte eine erweiterte Seed-Runde. 2024 stiegen prominente Namen aus dem Fussball als Investoren ein. Der Sitz blieb dabei stets im Thurgau – ein seltenes SportTech-Aushängeschild fernab der grossen Startup-Hubs Zürich und Lausanne.
Produkt & Technologie
Das Herz ist die Trainings- und Taktik-Software. Dazu kamen über die Jahre eigene Apps: der Taktikboard-Editor Moves und die Spieler-App Playbetter für die direkte Kommunikation zwischen Trainer und Team. Ein sichtbarer Meilenstein ist die Zusammenarbeit mit Manchester City: Unter dem Label CityCoach bringt Coachbetter die Trainingsmethodik des Klubs auf die Smartphones von Nachwuchstrainern weltweit. Damit wird aus einer reinen Vereinssoftware eine Vertriebsplattform für das Wissen von Spitzenklubs – ein Modell, das sich beliebig auf weitere Vereine und Verbände ausweiten lässt.
Markt & Wettbewerb
Der Markt für Amateur- und Nachwuchsfussball ist riesig und schlecht digitalisiert. Allein der Deutsche Fussball-Bund zählt über acht Millionen Mitglieder und mehr als 24'000 Vereine. Genau dort liegt Coachbetters Chance – und die Konkurrenz. Anbieter wie Hudl dominieren die Profi-Videoanalyse, unzählige Vereins-Apps kämpfen um die Basis. Coachbetters Winkel: nicht nur Verwaltung, sondern Trainingsinhalte und Ausbildung in einem Paket, von der E-Jugend bis zur ersten Mannschaft. Wer Inhalte, Community und Software verbindet, ist schwerer austauschbar als eine reine Verwaltungs-App.
Finanzierung & Zahlen
Im Frühjahr 2026 schloss Coachbetter eine Pre-Series-A-Runde über rund 8,2 Millionen US-Dollar (etwa 6,4 Millionen Franken) ab. Der spektakulärste Teil: Der Deutsche Fussball-Bund beteiligte sich als strategischer Aktionär. Der weltgrösste Sportverband baut damit gemeinsam mit Coachbetter digitale Infrastruktur für den Breitenfussball. Zu den weiteren Geldgebern zählen unter anderem Brighteye Ventures und erneut der Swiss Founders Fund, dazu bekannte Persönlichkeiten aus dem Fussball. Nach eigenen Angaben nutzen Klubs aus der City Football Group rund um Manchester City, Borussia Dortmund sowie Tausende Amateurvereine die Plattform.
Unsere Einordnung
Das ist ein starker Schweizer SportTech-Fall – und ein kluger. Wer den DFB an Bord holt, bekommt nicht nur Geld, sondern einen Vertriebskanal mit acht Millionen Mitgliedern. Genau das ist der Hebel, den reine Software-Anbieter selten erreichen. Das Risiko: Abhängigkeit. Wenn ein Verband Aktionär und wichtigster Kanal zugleich ist, muss Coachbetter aufpassen, nicht zum verlängerten Arm eines einzelnen Partners zu werden. Und der Breitenmarkt ist notorisch preissensibel. Doch die Kombination aus Trainingsinhalten, Ausbildung und Klub-Kooperationen wie mit Manchester City gibt Coachbetter etwas, das schwer zu kopieren ist. Aus dem Thurgau heraus eine globale Fussballplattform zu bauen, war lange eine gewagte Wette. Sie geht gerade auf.
Zum Startup
- Name
- Coachbetter
- Phase
- Seed
- Letzte Runde
- USD 8,2 Mio. (Pre-Series A, 2026)
- Kanton
- Thurgau
Quelle: coachbetter.com
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