Porträt: Wie Avientus aus Zürich Transportdrohnen mit nur zwei Motoren baut – erst fürs Militär, dann für die Logistik

- Avientus aus Zürich entwickelt eine zum Patent angemeldete Transportdrohne, die mit zwei Motoren sowohl senkrecht startet als auch fliegt.
- Laut Venturelab (März 2026) hat das Team rund CHF 1 Mio. eingesammelt und besteht aus drei Gründern und zehn Mitarbeitenden.
- Zuerst soll die Drohne an Verteidigungskunden gehen, später an B2B-Expresslieferungen ausserhalb von Städten.
- Die Prototypen stürzten mehrfach ab, bis nach neun Monaten ein zuverlässiger Flug gelang.
🔎 Porträt – Zürich: Ein Team von ETH-Ingenieuren will die Transportdrohne einfacher machen – und beginnt dort, wo Geschwindigkeit und Reichweite am meisten zählen.
Drohnen, die Pakete tragen, gibt es viele. Zuverlässig und günstig sind die wenigsten. Avientus aus Zürich verspricht einen anderen Weg: weniger Teile, weniger Lärm, mehr Reichweite.
Was die Firma macht
Avientus baut autonome Drohnen für die Logistik. Das Herzstück ist ein zum Patent angemeldetes Design: Zwei Motoren genügen für den senkrechten Start und den Flug. Laut Firma bringt das mehr Tempo, mehr Reichweite und weniger Lärm als bei heutigen Transportdrohnen. Dazu kommt eine Ladestation, die Pakete autonom be- und entlädt.
Die Geschichte
Gründer Johannes Aicher hat an der ETH Zürich abgeschlossen und zuvor als Entwicklungsingenieur beim Formel-1-Team Sauber gearbeitet. Das Gründerteam lernte sich im ETH-Projekt AMZ Racing kennen. Es sah die bestehenden zivilen Transportdrohnen-Startups als zu kompliziert und wollte ein schlankeres Konzept bauen. Venturelab nennt im März 2026 drei Gründungsmitglieder und zehn Mitarbeitende. Ein älteres Porträt des Innovation Park Zürich spricht von vier Mitgründern. Die Zahlen unterscheiden sich, das Bild bleibt: ein kleines, technisches Team.
Der Weg war nicht glatt. Die Prototypen stürzten mehrfach ab. Es dauerte neun Monate, bis die Drohne zuverlässig flog. Aicher reiste im April 2026 mit neun weiteren Mitgliedern des Swiss National Technology Teams ins Silicon Valley. Die Reise war Teil der Venture-Leaders-Roadshow, auf die auch eine neue Finanzierungsrunde abgestimmt sein sollte.
Produkt und Technologie
Beim Andocken dreht sich das Fluggerät um 90 Grad von der Horizontalen in die Vertikale. Aicher beschrieb es einmal so: „a bit like if a drone and an airplane had a child“. Ein Porträt des Innovation Park Zürich nennt als geplante Eckwerte bis zu 25 Kilogramm Nutzlast an einem Seil und rund 40 Kilometer Reichweite. Das waren Ziele in der Entwicklung, keine bestätigten Serienwerte. Venturelab nennt weder Nutzlast noch Reichweite. Wir halten die Zahlen deshalb bewusst als Planwerte fest.
Markt und Wettbewerb
Der Start liegt bei Verteidigungskunden wie Streitkräften und Rüstungsfirmen. Die Drohne soll dort Sensoren ausbringen und Ersatzteile liefern. Später folgt B2B-Expresslieferung ausserhalb von Städten, die heute per Lieferwagen oder Helikopter läuft. Die langfristige Vision ist ein Netz aus Basisstationen und Drohnen, das dringende Güter täglich transportiert: vom Verteilzentrum zum Industriestandort, von der Apotheke ins Spital. Der Krieg in der Ukraine hat die Produktion von Transportdrohnen mit mehreren hundert Stück pro Monat angetrieben und die Entwicklung beschleunigt. Namentlich genannte Kunden gibt es bei Avientus bisher nicht.
Finanzierung
Laut Venturelab hat Avientus rund CHF 1 Mio. eingesammelt. Investoren nennt der Artikel nicht, deshalb nennen wir auch keine.
Unsere Einordnung
Der Ansatz ist klug: Wer ein einfaches Fluggerät baut, hat weniger, was kaputtgehen kann. Gerade Logistik lebt von Zuverlässigkeit, nicht von Show. Die neun Monate bis zum stabilen Flug zeigen, dass das Team hartnäckig ist.
Der Start im Verteidigungsmarkt ist pragmatisch, aber auch eine Weichenstellung. Er bringt Aufträge und Tempo, bindet das Team aber an strenge Anforderungen und politische Debatten. Wir finden: Wer den zivilen Logistik-Traum nicht aus den Augen verliert, kann hier einen ernsthaften Schweizer Drohnenanbieter aufbauen. Entscheidend sind die ersten zahlenden Kunden und belegte Leistungsdaten. Dann wird aus dem Versprechen ein Geschäft.
Quelle: venturelab.swiss
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