Porträt: Wie Anapaya mit ETH-Technologie ein sichereres Internet baut

- Anapaya ist ein ETH-Spin-off (2017) rund um die sichere Internet-Architektur SCION, gegründet u.a. von Adrian Perrig.
- SCION lässt den Absender den Datenpfad wählen, nutzt mehrere Pfade parallel und steckt Ausfälle und Angriffe besser weg.
- Kunden: Swisscom, SWITCH, SIX, ZKB; SCION trägt das Secure Swiss Finance Network und das Swiss Secure Health Network (>30'000 Nutzer).
- Finanzierung u.a. CHF 6,8 Mio. (SIX Fintech Ventures), USD 2 Mio. (Mysten Labs, 2023), CHF 10 Mio. (2024).
🔎 Porträt – Zürich: Was, wenn das Internet von Grund auf sicher gebaut wäre? Ein ETH-Spin-off macht genau das – und die Schweiz ist das Testfeld.
Anapaya baut sichere Netz-Infrastruktur auf Basis der ETH-Technologie SCION. Klingt abstrakt. Dahinter steht die Frage, ob das Internet grundsätzlich vertrauenswürdiger werden kann.
Was die Firma macht
Anapaya verkauft Software und Appliances, mit denen Organisationen Daten über das SCION-Netz statt über das klassische Internet leiten. SCION steht für eine neue Internet-Architektur, die Sicherheit und Kontrolle über den Datenweg von Anfang an mitdenkt. Nutzer bestimmen, über welche Pfade ihr Verkehr läuft. Fällt ein Pfad aus, wird nahtlos umgeschaltet. Für Banken, Spitäler und Behörden ist das viel wert.
Die Geschichte
Anapaya entstand 2017 als Spin-off der ETH Zürich. Gründungsvater ist Adrian Perrig, Professor am Institut für Informatik, zusammen mit den Kollegen David Basin und Peter Müller. SCION selbst ist älter: An der Architektur wurde an der ETH über acht Jahre geforscht, mit geschätzt 100 Personenjahren Aufwand und mit Industriepartnern wie Swisscom und SWITCH. Anapaya wurde gegründet, um diese Forschung in ein marktreifes Produkt zu überführen.
Produkt & Technologie
Das heutige Internet routet Daten nach dem Prinzip "irgendwie zum Ziel". Wer die Zwischenstationen kontrolliert, kann mitlesen oder umleiten. SCION dreht das um. Der Absender wählt den Pfad, mehrere Pfade laufen parallel, und jeder Teilnehmer weiss, wem er vertraut. Das Ergebnis ist ein Netz, das Ausfälle und Angriffe besser wegsteckt. Anapaya liefert die Bausteine dafür: Gateways, Software und den Betrieb.
Markt & Wettbewerb
Anapayas stärkstes Argument ist die Schweiz selbst. Das Secure Swiss Finance Network verbindet Nationalbank und Börse SIX über SCION. Das Swiss Secure Health Network wird von über 30'000 Ärztinnen, Ärzten und Behörden genutzt. Zu den Kunden zählen Swisscom, SWITCH, SIX und die ZKB. Diese Referenzen sind schwer zu schlagen. International konkurriert Anapaya mit VPN- und SD-WAN-Anbietern, doch keiner davon bietet eine so grundlegend neue Architektur. Die Frage ist, ob sich SCION über die Schweiz hinaus durchsetzt.
Finanzierung & Zahlen
Anapaya hat mehrere Runden abgeschlossen. Eine Runde über CHF 6,8 Mio. wurde von SIX Fintech Ventures angeführt. 2023 kamen USD 2 Mio. von Mysten Labs dazu, dem Unternehmen hinter der Sui-Blockchain. Im Mai 2024 folgte eine Finanzierung über CHF 10 Mio. von Cape Capital, dem SIX Fintech Venture Fund und weiteren. Das Kapital soll SCION über die Landesgrenzen tragen.
Unsere Einordnung
Anapaya ist eine der spannendsten Deeptech-Wetten der Schweiz – und eine der geduldigsten. Ein neues Internet-Fundament baut man nicht in einem Jahr. Der Vorteil: Die Schweiz ist ein ideales Schaufenster. Wenn Nationalbank, Börse und ein grosser Teil des Gesundheitswesens auf SCION setzen, ist das der beste Verkaufsprospekt, den man sich wünschen kann. Das Risiko sind Netzwerk-Effekte. Eine Architektur ist nur so nützlich wie die Zahl derer, die sie nutzen. Anapaya muss den Sprung ins Ausland schaffen, sonst bleibt SCION eine elegante Schweizer Insellösung. Wir trauen dem Team den Sprung zu. Die Grundlagen sind aussergewöhnlich solide.
Quelle: anapaya.net
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