Porträt: Wie Aktionariat aus Zürich Firmenaktien handelbar macht

- Aktionariat aus dem Kanton Zürich tokenisiert Aktien Schweizer AGs auf der Blockchain.
- Der Brokerbot lässt Firmen einen Aktienhandel direkt auf der eigenen Website eröffnen.
- Grundlage ist das Schweizer DLT-Gesetz für registrierte Wertrechte.
- Über 85 Firmen nutzen die Infrastruktur, das Handelsvolumen liegt über CHF 59 Mio.
🔎 Porträt – Zürich: Ein Fintech macht das Unmögliche gewöhnlich – Aktien einer kleinen AG kaufen und verkaufen, so einfach wie einen Online-Einkauf.
Aktien von Startups und KMU sind meist tot geparkt. Wer investiert, kommt oft jahrelang nicht mehr raus. Das Zürcher Fintech Aktionariat will diesen Markt öffnen – mit tokenisierten Aktien auf der Blockchain.
Was die Firma macht
Aktionariat gibt Schweizer Aktiengesellschaften die Werkzeuge, um ihre Aktien digital abzubilden, zu verwalten und handelbar zu machen. Herzstück ist der Brokerbot: ein Handelswerkzeug, das eine Firma direkt auf ihrer eigenen Website einbinden kann. Interessierte kaufen oder verkaufen Anteile dort so unkompliziert wie in einem Webshop. Aus einer starren Cap-Table wird so ein kleiner, laufender Markt.
Die Geschichte
Gegründet wurde Aktionariat 2020 im Kanton Zürich. Das Timing war kein Zufall: Kurz darauf trat in der Schweiz das sogenannte DLT-Gesetz in Kraft, das registrierte Wertrechte auf einer Blockchain rechtlich möglich macht. Aktionariat setzte früh auf diese Grundlage und positionierte sich als Schweizer Pionier für die Tokenisierung von Firmenanteilen. Das Unternehmen finanziert sich zu einem guten Teil selbst – unter anderem über die eigene Plattform – und lebt damit vor, was es verkauft.
Produkt & Technologie
Technisch werden die Aktien als Token auf einer öffentlichen Blockchain abgebildet, rechtlich verankert im Schweizer Recht als registrierte Wertrechte. Damit sind die Token nicht bloss Spielgeld, sondern echte Firmenanteile. Über Partnerschaften – etwa mit dem Genfer Infrastruktur-Anbieter Taurus – wird der Handel und die Verwahrung breiter anschlussfähig. Für die ausgebenden Firmen bedeutet das: weniger Papierkram, ein digitales Aktienbuch und ein Kanal, über den Fans, Kunden und Mitarbeitende Mitaktionäre werden können.
Markt & Wettbewerb
Über 85 Firmen nutzen die Infrastruktur bereits, darunter bekannte Namen wie die Alan Frei Company, quitt, RealUnit oder der EHC Kloten. Das kumulierte Handelsvolumen liegt über CHF 59 Mio. Das ist für sich genommen kein Massenmarkt – aber ein Beweis, dass das Modell funktioniert. International arbeiten zahlreiche Anbieter an der Tokenisierung von Vermögenswerten, von Immobilien bis Anleihen. Aktionariats Nische ist eng und klar: Aktien privater Schweizer Firmen, sauber im hiesigen Recht verankert.
Unsere Einordnung
Aktionariat löst ein reales Problem, über das kaum jemand spricht: Beteiligungen an kleinen Firmen sind fast unverkäuflich. Genau das schreckt viele Kleininvestoren ab. Der Ansatz – Handel direkt auf der Firmenwebsite, rechtlich sauber über das DLT-Gesetz – ist elegant und typisch schweizerisch pragmatisch. Ehrlich bleibt aber: Der Markt ist noch klein, und die Liquidität bei einzelnen Titeln dünn. Ein Token macht eine Aktie handelbar, aber nicht automatisch gefragt. Die spannende Frage ist, ob Aktionariat über die Pioniernische hinaus zur Standard-Infrastruktur für Schweizer KMU-Aktien wird. Das Fundament dafür hat es gelegt.
Zum Startup
- Name
- Aktionariat
- Phase
- Bootstrapped
- Letzte Runde
- Selbst über die eigene Plattform tokenisiert (Aktien handelbar via shares.aktionariat.com). Aktienkapital CHF 180'000.
- Kanton
- Zürich
Quelle: aktionariat.com
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