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Porträt: Wie AICA aus Lausanne Industrierobotern einen Tastsinn gibt

Redaktion·12. Aug. 2026·6 Min.
Porträt: Wie AICA aus Lausanne Industrierobotern einen Tastsinn gibt
In 30 Sekunden gelesen
  • AICA ist ein EPFL-Spin-off aus Lausanne, gegründet 2019 aus dem LASA-Labor von Professorin Aude Billard.
  • Die Softwareplattform verbindet Reinforcement Learning mit Kraftregelung und gibt Robotern einen Tastsinn.
  • Ziel ist eine Robotik, die auch ohne Spezialisten programmierbar ist.
  • Investoren sind u.a. High-Tech Gründerfonds, Schaeffler VC, Spicehaus, Momenta Ventures und Bosch Startup Harbour.

🔎 Porträt – Lausanne: Ein EPFL-Spin-off will Robotern beibringen, was Menschen selbstverständlich können – fühlen, wie fest sie zupacken.

Die meisten Industrieroboter sind stark, schnell – und blind für das, was sie berühren. AICA aus Lausanne will das ändern. Das Startup gibt Maschinen einen Tastsinn und die Fähigkeit, selbständig zu lernen.

Was die Firma macht

AICA baut eine KI-Softwareplattform für adaptive Robotik. Der Kern: Roboter sollen nicht mehr Zeile für Zeile fest programmiert werden, sondern auf ihre Umgebung reagieren. Wenn ein Werkstück leicht verrutscht, ein Bauteil klemmt oder eine Kraft unerwartet steigt, passt sich der Roboter an. Damit zielt AICA auf Aufgaben, die für klassische Industrieroboter bis heute zu heikel sind: Montage, Einsetzen, Schleifen oder Handhabung empfindlicher Teile.

Die Geschichte

AICA wurde 2019 in Lausanne gegründet. Die Wurzeln liegen im Learning Algorithms and Systems Laboratory (LASA) der EPFL, dem Labor von Professorin Aude Billard – einer der bekanntesten Robotik-Forscherinnen Europas. Mitgegründet haben das Unternehmen Aude Billard, Lukas Huber und Baptiste Busch. Aus jahrelanger Grundlagenforschung zu lernenden Systemen wurde so ein Produkt, das Fabriken nutzen können. Der Transfer aus dem Hochschullabor in die Industrie ist typisch für die Deeptech-Szene rund um die EPFL.

Produkt & Technologie

Technisch kombiniert AICA zwei Bausteine. Erstens Reinforcement Learning: Der Roboter lernt durch Versuch und Rückmeldung, statt starr einem Skript zu folgen. Zweitens eine geschlossene Kraftregelung, die laufend misst, wie stark der Roboter drückt, zieht oder hält. Zusammen ergibt das eine Art Tastsinn. Der Roboter spürt Widerstand und reagiert in Echtzeit. Die Plattform soll zudem die Programmierung vereinfachen, sodass nicht für jede neue Aufgabe ein Robotik-Spezialist nötig ist. Genau das ist AICAs Versprechen: Robotik demokratisieren und auch kleineren Herstellern zugänglich machen.

Markt & Wettbewerb

Der Markt für flexible Automatisierung wächst. Fachkräfte fehlen, Losgrössen werden kleiner, und Fabriken müssen schneller umrüsten. Klassische Roboterprogrammierung ist dafür zu langsam und zu teuer. Hier setzen weltweit mehrere Anbieter an, von grossen Roboterherstellern bis zu KI-Startups. AICAs Wette ist, dass Software – nicht neue Hardware – den Unterschied macht: Die Plattform soll auf bestehenden Roboterarmen laufen. Das senkt die Hürde für Kunden, die nicht ihren ganzen Maschinenpark austauschen wollen.

Finanzierung & Zahlen

AICA hat sein Wachstum über mehrere frühe Runden finanziert. Zu den Geldgebern und Unterstützern zählen der High-Tech Gründerfonds, Schaeffler VC, Spicehaus Partners, Momenta Ventures und Bosch Startup Harbour. Dazu kamen öffentliche Förderungen von Innosuisse und Venture Kick sowie das EPFL-Programm Innogrant. Auffällig ist die Nähe zur Industrie: Mit Schaeffler und Bosch stehen zwei Namen aus der Fertigungs- und Zulieferwelt auf der Investorenliste – also genau jene Branchen, die AICAs Software am Ende einsetzen sollen.

Unsere Einordnung

AICA packt ein echtes Problem an. Wer schon einmal gesehen hat, wie aufwendig ein Industrieroboter für eine neue Aufgabe eingerichtet wird, versteht den Reiz sofort. Software statt Spezialistenwissen – das ist die richtige Richtung. Stark ist auch die Herkunft: Das LASA-Labor der EPFL gehört zur Weltspitze, und strategische Investoren wie Schaeffler und Bosch signalisieren echtes Industrieinteresse. Die grosse Frage ist die Skalierung. Adaptive Robotik zu demonstrieren ist das eine, sie robust und wartungsarm in hunderte Fabriken zu bringen das andere. Gelingt AICA dieser Sprung, ist es eines der spannendsten Deeptech-Unternehmen der Westschweiz.

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Name
AICA
Phase
Seed
Kanton
Waadt
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Quelle: aica.tech

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