Oculis kauft Accure die weltweiten Rechte an Privosegtor ab

- Oculis (Nasdaq: OCS) mit Hauptsitz in Zug übernimmt von Accure Therapeutics aus Barcelona alle weltweiten Entwicklungs- und Vermarktungsrechte an Privosegtor.
- Der Preis für beide Transaktionen: USD 3,8 Mio. (CHF 3,1 Mio.) in bar plus bis zu 2'050'000 Oculis-Aktien mit Lockup und Meilenstein-Vesting.
- Mit dem Kauf endet der bestehende Lizenzvertrag samt Meilensteinzahlungen und Royalties für jede erfolgreiche Indikation.
- Der Abschluss für Privosegtor (ACT-01) wird bis spätestens 28. Februar 2027 erwartet, jener für ACT-02 bis 31. März 2027.
Oculis räumt auf. Das in Zug ansässige Biopharma-Unternehmen kauft seinem spanischen Partner Accure Therapeutics die kompletten weltweiten Rechte an seinem wichtigsten Wirkstoffkandidaten ab. Damit verschwindet ein Lizenzvertrag, der über Jahre Meilensteinzahlungen und Lizenzgebühren gekostet hätte.
Was passiert ist
Oculis und Accure haben einen Asset Purchase Agreement unterzeichnet. Nach Vollzug gehören Oculis alle weltweiten Entwicklungs- und Vermarktungsrechte an Privosegtor. Der Wirkstoff hiess ursprünglich ACT-01 und stammt aus der Forschung des Barceloner Hospital Clínic-Instituts IDIBAPS sowie des spanischen Forschungsrats CSIC. Oculis hatte ihn bisher lizenziert. In einem zweiten, separaten Schritt übernimmt Oculis zusätzlich ACT-02, einen präklinischen Neurologie-Kandidaten.
Der entscheidende Punkt steht im Kleingedruckten: Mit dem Kauf endet der bestehende Lizenzvertrag mit Accure. Inklusive der daran geknüpften Meilensteinzahlungen und Lizenzgebühren für jede einzelne erfolgreiche Indikation. Oculis behält damit deutlich mehr vom späteren Umsatz. Bestehende Vereinbarungen mit den akademischen Instituten bleiben bestehen, dort fallen weiterhin Royalties im tiefen einstelligen Prozentbereich an.
Was der Deal kostet
Die Gesamtgegenleistung für beide Transaktionen besteht aus einer Vorabzahlung von USD 3,8 Mio. beziehungsweise CHF 3,1 Mio. in bar, fällig beim ersten Closing. Dazu kommen bis zu 2'050'000 Oculis-Stammaktien. Ein Teil davon ist bis zu zwei Jahre nach Abschluss gesperrt, ein anderer Teil ist an Entwicklungs- und Zulassungsmeilensteine geknüpft. Der Abschluss für Privosegtor wird bis spätestens 28. Februar 2027 erwartet, jener für ACT-02 bis 31. März 2027. Verwaltungsrat von Oculis sowie Verwaltungsrat und Aktionäre von Accure haben zugestimmt.
Warum Privosegtor so wichtig ist
Privosegtor ist ein sogenanntes Peptoid, ein kleines Molekül, das die Blut-Hirn- und die Blut-Retina-Schranke überwindet. Es soll Nervenzellen schützen, statt nur Entzündung zu dämpfen. Zielindikation ist die Sehnerventzündung, medizinisch Optikusneuritis – ein Krankheitsbild, das häufig als erstes Anzeichen einer Multiplen Sklerose auftritt und für das es bis heute keine neuroprotektive Therapie gibt.
Die Phase-2-Studie ACUITY lieferte positive Daten: bessere Sehfunktion, messbar erhaltene Netzhautschichten und tiefere Neurofilament-Werte im Blut. Darauf aufbauend läuft nun das PIONEER-Programm mit drei zulassungsrelevanten Studien. Bei der ersten, PIONEER-1, schreitet die Aktivierung der Studienzentren laut Oculis planmässig voran. Zusätzlich bereitet Oculis für das vierte Quartal 2026 eine IND-Einreichung für akute MS-Schübe vor – die FDA hat dafür bereits grünes Licht in Form von positivem Pre-IND-Feedback gegeben. Der Wirkstoff trägt Breakthrough-Therapy-Status der FDA, PRIME-Status der EMA und Orphan-Drug-Status von beiden Behörden.
Unsere Einordnung
Das ist ein kluger Deal, und zwar zu einem auffällig tiefen Preis. USD 3,8 Mio. in bar für die Vollrechte an einem Wirkstoff, der Breakthrough-Status trägt und in zulassungsrelevanten Studien steckt – das ist wenig. Der grössere Teil der Gegenleistung sind Aktien, und die kosten Oculis heute kein Cash. Wer eine Pipeline mit knappem Kapital durch Phase 3 bringen muss, zahlt genau so.
Der eigentliche Wert liegt aber nicht im Preis, sondern im Wegfall der Royalty-Kette. Lizenzverträge aus der Frühphase sind der stille Killer vieler Biotech-Bilanzen: Sie kosten erst dann richtig, wenn das Produkt endlich läuft. Oculis kauft sich diese Zukunftslast jetzt weg, solange sie noch billig ist. Timing und Preis passen.
Ein Risiko bleibt: Beide Closings sind an Bedingungen geknüpft und liegen erst 2027. Bis dahin ist der Deal eine Absichtserklärung mit Preisschild, kein Vollzug. Und Privosegtor muss in PIONEER liefern. Gelingt das, hat sich Oculis mit dieser Transaktion die Marge für ein ganzes Produktleben gesichert. Scheitert die Studie, war es eine überschaubare Wette. Genau so sollte man das machen.
Quelle: oculis.gcs-web.com
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