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NewBiologix baut die Zelllinie für eine Duchenne-Gentherapie – Lausanne wird Fertigungspartner eines türkischen Spin-offs

Redaktion·6. Sept. 2026·4 Min.
NewBiologix baut die Zelllinie für eine Duchenne-Gentherapie – Lausanne wird Fertigungspartner eines türkischen Spin-offs
In 30 Sekunden gelesen
  • NewBiologix hat am 2. September 2026 eine Vereinbarung mit der türkischen Synastra Biotechnology bekannt gegeben.
  • NewBiologix erstellt mit seiner Xcell-Plattform eine stabile Produzenten-Zelllinie und eine Research Cell Bank für Synastras Gentherapie-Kandidaten gegen Duchenne-Muskeldystrophie.
  • Die Vereinbarung enthält eine Option auf eine kommerzielle Lizenz für die spätere klinische und kommerzielle Herstellung.
  • Ein Finanzvolumen wurde nicht kommuniziert; die Vereinbarung betrifft die frühe Zelllinien-Entwicklung, nicht die klinische Produktion.

Gentherapien scheitern selten an der Idee. Sie scheitern an der Herstellung. Genau dort verkauft eine Waadtländer Firma jetzt ihre Technologie – an einen Partner aus der Türkei.

Was passiert ist

NewBiologix hat am 2. September eine Vereinbarung mit Synastra Biotechnology bekannt gegeben. Die Schweizer Firma entwickelt für den türkischen Partner eine stabile Produzenten-Zelllinie für dessen Gentherapie-Kandidaten gegen Duchenne-Muskeldystrophie. Konkret erstellt und charakterisiert NewBiologix mit seiner Xcell-Plattform eine stabile Research Cell Bank.

Die Vereinbarung enthält eine Option: Synastra kann das Programm später in eine kommerzielle Lizenz überführen, die die klinische und kommerzielle Herstellung abdeckt. Ein Finanzvolumen nennen die Firmen nicht. Es geht in dieser Phase um Zelllinien-Entwicklung, noch nicht um die Produktion von Therapiedosen.

Wer der Partner ist

Synastra Biotechnology ist eine türkische Gentherapie-Firma, entstanden aus einer Zusammenarbeit der Universität Üsküdar mit dem Wagniskapitalfonds Unifon-Biotech GSYF. Geführt wird sie vom Molekularbiologen Cihan Taştan als stellvertretendem Verwaltungsratspräsidenten und Geschäftsführer. Der Leitkandidat ist eine AAV-basierte Mikro-Dystrophin-Gentherapie.

NewBiologix selbst wurde von Igor Fisch und Nicolas Mermod gegründet und sitzt am Biopôle in Epalinges bei Lausanne. Die Firma trat 2023 mit einer Series A über USD 50 Mio. unter Führung von Recipharm aus dem Stealth-Modus. CEO Fisch sagt, Gentherapie werde ihr Potenzial nur ausschöpfen, wenn sich die Herstellung mitentwickle.

Warum Duchenne der harte Testfall ist

Duchenne-Muskeldystrophie ist eine schwere, fortschreitende X-chromosomale Erkrankung, die etwa eine von 5000 männlichen Geburten betrifft. Mutationen im DMD-Gen verhindern die Bildung von funktionsfähigem Dystrophin, Skelett- und Herzmuskulatur bauen ab.

Für die Herstellung ist das brutal. Eine systemische Behandlung braucht einige der höchsten Vektordosen des ganzen Feldes. Ausbeute, Konstanz, Skalierbarkeit und Kosten entscheiden damit darüber, ob eine Therapie überhaupt breit verfügbar wird. Der bisherige Standard ist die transiente Transfektion – aufwändig, teuer und schwer reproduzierbar zu skalieren. NewBiologix ersetzt sie durch genetisch definierte, stabile Produzenten-Zelllinien, die die Produktionsgene während der Zellvermehrung stillhalten und erst dann anschalten, wenn Vektor gebraucht wird.

Unsere Einordnung

Wir halten diesen Abschluss für wichtiger, als seine Grösse vermuten lässt. Eine Zelllinien-Entwicklung ist kein Millionendeal und wird auch nicht als solcher verkauft. Aber sie ist der Fuss in der Tür: Wer die Produzenten-Zelllinie liefert, steht am Anfang der Wertschöpfungskette und hat die Option auf alles, was danach kommt.

Bemerkenswert ist die Geografie. Ein türkisches Uni-Spin-off holt sich für den kritischsten Teil seines Programms einen Schweizer Technologiepartner – nicht einen amerikanischen Auftragshersteller. Das ist genau die Rolle, die die Schweizer Life-Sciences-Szene spielen kann und sollte: nicht jede Therapie selbst entwickeln, sondern die Werkzeuge liefern, ohne die sie niemand herstellen kann.

Zur Vorsicht mahnen wir trotzdem. Stabile Produzenten-Zelllinien für AAV sind seit Jahren das Versprechen der Branche, und viele Plattformen haben den Sprung vom Labor in die reproduzierbare Grossproduktion nicht geschafft. NewBiologix wollte seine Produktionszelllinien 2026 kommerziell verfügbar machen. Ein zahlender Partner mit Lizenzoption ist ein Beleg dafür, dass die Technologie ernst genommen wird. Der echte Beweis kommt erst, wenn die erste Charge aus dieser Zelllinie die Spezifikationen hält.

Zum Startup

Name
NewBiologix
Phase
Series A
Letzte Runde
USD 50 Mio. (Series A, 2023)
Kanton
Waadt
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Quelle: globenewswire.com

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