Jaipur Robotics holt EUR 4,3 Mio. – Manno bringt Computer Vision in den Abfallbunker

- Jaipur Robotics aus Manno (TI) schliesst eine Seed-Runde über EUR 4,3 Mio. ab.
- Angeführt wird die Runde von EquityPitcher Ventures und High-Tech Gründerfonds (HTGF).
- Die KI erkennt gefährliche Objekte im Abfallbunker und kartiert den Heizwert des Abfalls.
- Das 2024 gegründete Team zählt 40 Personen und betreibt zwei Forschungsstandorte in der Schweiz und Asien.
Zwei Jahre nach der Gründung holt Jaipur Robotics EUR 4,3 Mio. Das Tessiner Startup verkauft keine Roboter, sondern Augen: eine KI, die in den Abfallbunker schaut und erkennt, was dort drin liegt.
Was passiert ist
Jaipur Robotics mit Sitz im Technopole Ticino in Manno bei Lugano hat am 7. September eine Seed-Runde über EUR 4,3 Mio. bekannt gegeben. Das Geld soll in die Marktführerschaft, neue Regionen und mehr Produkttiefe fliessen. Gegründet wurde die Firma 2024 von Ermes Zamboni und Nikhil Prakash. Heute zählt das Team 40 Personen, mit zwei Forschungsstandorten in der Schweiz und in Asien.
Vor der Seed-Runde stand ein Pre-Seed über EUR 725'000 unter Führung von TiVentures, dazu kamen EUR 161'000 von Venture Kick. Die neue Runde ist damit ein sauberer Sprung, kein Notpflaster.
Wer investiert
Angeführt wird die Runde gemeinsam von EquityPitcher Ventures aus Zürich und dem High-Tech Gründerfonds aus Bonn. Anna Stetter, Investment Managerin beim HTGF, nennt drei Gründe für das Ja: den Datensatz, ein Gründerteam mit Tiefe in Maschinenbau, Deep Learning und industrieller Umsetzung – und messbare Resultate bei Kunden. Silvan Gehmann von EquityPitcher hebt die Nähe zum Kunden hervor. Auch der Kanton Tessin meldet sich zu Wort: Stefano Rizzi, Leiter der Abteilung Wirtschaft, verweist auf die Rolle von Fondazione Agire und TiVentures im lokalen Ökosystem.
Warum Abfall ein Datenproblem ist
Kehrichtverwertungsanlagen verbrennen, was nicht recycelt werden kann. Das Problem: Niemand weiss genau, was im Bunker liegt. Gasflaschen oder Betonbrocken legen eine Anlage lahm. Und weil der Heizwert je nach Mischung stark schwankt, läuft die Verbrennung selten optimal. Dazu fehlen erfahrene Kranführer.
Genau hier setzt Jaipur an. Die Software erkennt gefährliche und übergrosse Objekte im Bunker und in der Anlieferung. Sie kartiert den unteren Heizwert als Heatmap, damit der Kranführer sieht, wo energiereicher und wo energiearmer Abfall liegt – und richtig mischt. Dazu kommt ein Krantracking, das Position und Status mehrerer Kräne in Echtzeit verfolgt. Die Firma nennt pro Anlage und Jahr mehr als 80 Prozent weniger ungeplante Stillstände und über EUR 1 Mio. Mehrwert durch bessere Mischung. Grundlage ist nach eigenen Angaben der grösste europäische Datensatz dieser Art: über 50 Mio. beschriftete Bilder, mehr als 5 Mio. Tonnen Abfall pro Jahr, 99 Prozent Trefferquote bei gefährlichen Materialien. Weltweit gibt es über 3'100 solcher Anlagen in einem Markt von rund EUR 40 Mrd. – die meisten davon überwachen noch manuell.
Unsere Einordnung
Das ist eine der überzeugendsten KI-Geschichten des Jahres aus der Schweiz – und zwar, weil sie so unglamourös ist. Während halb Europa Chatbots baut, verkauft ein Team aus Manno Betriebssicherheit an Anlagen, die niemand fotografiert. Der Vorsprung liegt nicht im Modell, sondern im Datensatz. 50 Mio. beschriftete Bilder aus echten Bunkern bekommt kein Konkurrent über Nacht, weil man dafür jahrelang Zugang zu Anlagen braucht. Das ist der klassische Deeptech-Graben.
Bemerkenswert ist auch der Standort. Das Tessin gilt selten als Deeptech-Kanton, hier liefert es einen Vorzeigefall – mit TiVentures und Fondazione Agire als Sprungbrett. Die Kennzahlen stammen allerdings von der Firma selbst und sind nicht unabhängig geprüft. Wir würden gern sehen, wie viele Anlagen tatsächlich zahlen und wie schnell der Sprung von Europa nach Asien gelingt. 40 Leute bei EUR 4,3 Mio. frischem Kapital heisst: Die Runde ist ein Zwischenschritt, kein Ruhekissen.
Quelle: htgf.de
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