NavVis: Münchner Digital-Twin-Pionier holt EUR 73,7 Mio. Series D

- NavVis aus München sichert sich eine Series D über EUR 73,7 Mio. (rund USD 85 Mio.).
- Angeführt wird die Runde von der US-Beteiligungsfirma The Jordan Company, mit Yttrium, KKE und Cipio Partners.
- NavVis erfasst Fabriken, Anlagen und Baustellen als vermessungsgenaue digitale Zwillinge.
- Über 1500 Kunden in mehr als 50 Ländern nutzen die Plattform, darunter BMW, Siemens und BASF.
🌍 Blick über die Grenze – München: Wenn Fabriken und Baustellen zum präzisen digitalen Zwilling werden, entsteht genau die Dateninfrastruktur, auf der auch Schweizer Industrie und Bau ihre KI aufbauen werden.
Ein Münchner Startup hat eingesammelt, wovon viele Deeptech-Firmen träumen: frisches Wachstumskapital in einem schwierigen Markt. NavVis holt 73,7 Millionen Euro – und will damit zum Rückgrat der «physischen KI» werden.
Was die Firma macht
NavVis baut eine Plattform für digitale Zwillinge der gebauten Welt. Kern sind zwei Bausteine: tragbare und handgeführte Laserscanner (NavVis VLX und MLX), die Gebäude, Fabriken und Anlagen in Vermessungsqualität erfassen – laut Firma rund zehnmal schneller als klassische Methoden. Und die Cloud-Plattform NavVis IVION, die aus den Rohdaten einen gemeinsamen, stets aktuellen digitalen Zwilling macht. Technische Basis ist SLAM, ein Verfahren, mit dem sich Systeme ohne vorhandene Karte durch neue Umgebungen bewegen und diese kartieren. Gegründet wurde NavVis 2013 als Spin-off der Technischen Universität München von Felix Reinshagen, Georg Schroth, Robert Huitl und Sebastian Hilsenbeck.
Was gerade passiert ist
Die Series D über 73,7 Millionen Euro – rund 85 Millionen US-Dollar – wird von der US-Beteiligungsfirma The Jordan Company angeführt. Mit dabei sind die bestehenden Investoren Yttrium (gemeinsam mit einem Konsortium industrieller Family Offices), KOZO KEIKAKU ENGINEERING (KKE) und Cipio Partners. Das Geld soll in mehr Skalierbarkeit, eine tiefere Intelligenzschicht und die KI-Produktroadmap fliessen. CEO Felix Reinshagen betont zudem den Fokus auf den US-Markt, wo NavVis zuletzt am schnellsten gewachsen ist. Die Runde reiht sich in eine lange Finanzierungsgeschichte ein: 2018 sammelte NavVis eine Series C über 31 Millionen Euro, 2020 kamen 20 Millionen Euro von der Europäischen Investitionsbank dazu.
Markt und Technologie
NavVis positioniert seine Plattform als «System of Record» für industrielle Realdaten: eine verlässliche, immer aktuelle Aufzeichnung dessen, wie eine Anlage tatsächlich aussieht. Nach Firmenangaben wurden 2025 mehr als eine Milliarde Quadratmeter komplexer Industrieanlagen, Baustellen und Gebäude auf die Plattform geladen. Über 150 000 Nutzerinnen und Nutzer in Engineering, Wartung und Bau arbeiten damit – etwa um Stillstände von Fertigungslinien zu verkürzen, den Bau von Rechenzentren zu beschleunigen oder Robotik-Einsätze zu planen. Mehr als 1500 Kunden in über 50 Ländern setzen NavVis ein, darunter BMW, Volkswagen, Toyota, Mercedes-Benz, ExxonMobil, BASF, Bosch und Siemens. Partnerschaften bestehen mit SAP, NVIDIA und Autodesk. Immer wichtiger wird das Feld der «physischen KI»: Modelle, die mit realen Raumdaten trainiert werden.
Warum das für die Schweiz zählt
Die Schweiz hat eine dichte Industrie- und Baulandschaft, in der genau diese Technologie zündet: Pharmaanlagen, Präzisionsfertigung, Rechenzentren, Infrastruktur. Wer Wartung, Umbau oder Robotik planen will, braucht verlässliche Raumdaten – kein Zeichnungschaos, dem niemand traut. Für Schweizer Bau- und Industriefirmen ist NavVis Werkzeug und Weckruf zugleich: Der digitale Zwilling wird vom Nice-to-have zur Grundlage für Automatisierung und KI. Und für die hiesige Deeptech-Szene zeigt die Runde, dass sich auch in einem selektiven Markt grosse Wachstumsrunden holen lassen – wenn ein Produkt bei den anspruchsvollsten Kunden der Welt im Einsatz steht. Der Haken: Digitale Zwillinge entfalten ihren Wert erst, wenn sie konsequent gepflegt und in bestehende Abläufe eingebettet werden. Genau daran scheitern viele gute Werkzeuge. NavVis hat die besten Karten, dieses Versprechen einzulösen.
Quelle: navvis.com
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