Molecular Partners streicht bis zu 55 Stellen – Schlieremer Biotech setzt alles auf Radiopharmazeutika

- Molecular Partners (Schlieren) will bis zu 55 Stellen abbauen, rund 44 Prozent der Belegschaft.
- Der Umbau soll bis Q2 2027 abgeschlossen sein, die vollen Einsparungen greifen ab Anfang H2 2027.
- Fokus liegt neu auf Radio-DARPins, allen voran MP0712 mit Partner Orano Med in einer US-Phase-1/2a-Studie.
- Flüssige Mittel: CHF 57,5 Mio. per 30. September 2026, laut Firma bis Ende 2027 ausreichend.
Molecular Partners macht ernst. Das Biotech aus Schlieren will bis zu 55 Stellen streichen und sich ganz auf gezielte Strahlentherapie ausrichten. Das ist hart. Es ist aber auch ein klares Bekenntnis.
Was passiert ist
Zusammen mit den Zahlen zum dritten Quartal 2026 hat Molecular Partners einen Stellenabbau angekündigt. Betroffen sein können bis zu 55 Positionen, das sind rund 44 Prozent der Belegschaft. Das Unternehmen hat das kantonale Amt für Wirtschaft in Zürich informiert und das gesetzlich vorgeschriebene Konsultationsverfahren mit den Mitarbeitenden gestartet. Nach Abschluss will es die Betroffenen unterstützen.
Die Umsetzung soll bis zum zweiten Quartal 2027 dauern. Die vollen Einsparungen wirken ab Anfang der zweiten Jahreshälfte 2027. Was der Umbau kostet, kann die Firma noch nicht beziffern. Eine Schätzung will sie mit den Jahreszahlen 2026 Anfang 2027 liefern.
Es ist nicht der erste Schnitt. Im Juni 2025 hatte das Unternehmen bereits den Abbau von bis zu 40 Stellen gemeldet, damals rund 24 Prozent der Positionen. Die neue Runde geht deutlich weiter.
Wohin die Reise geht
Der Grund ist ein strategischer Fokus. Molecular Partners will ein dediziertes Radiopharma-Unternehmen werden. Im Zentrum stehen Radio-DARPins. Das sind die eigenen, gentechnisch hergestellten Proteine, kombiniert mit zielgerichteter Radiotherapie. Andere Forschungsfelder, vor allem die experimentellen Immuntherapien, sollen über Partnerschaften oder Ausgründungen vorankommen.
Das wichtigste Programm ist MP0712. Es zielt auf DLL3, ein Merkmal bei kleinzelligem Lungenkrebs und anderen neuroendokrinen Tumoren, und entsteht zusammen mit Orano Med. Die Phase-1/2a-Studie läuft in den USA. Die zweite Dosisstufe mit 105 MBq ist vollständig rekrutiert. Auf der ersten Stufe mit 75 MBq gab es keine dosislimitierenden Ereignisse, die Nebenwirkungen waren bisher mild bis mässig und vorübergehend. Erste Sicherheitsdaten sollen im Dezember 2026 vorgestellt werden, Wirksamkeitsdaten folgen 2027.
Dahinter stehen zwei weitere Kandidaten. MP0726 geht in der zweiten Jahreshälfte 2026 in die erste Bildgebung am Menschen. MP0730 zielt auf CD70 und wurde als dritter Radio-DARPin nominiert. Der Start am Menschen ist für Mitte 2027 geplant.
Das Geld
Per 30. September 2026 hatte Molecular Partners flüssige Mittel von CHF 57,5 Mio., rund USD 69 Mio. Das soll laut Firma bis Ende 2027 reichen. Für 2026 rechnet sie mit Betriebsausgaben von CHF 50 bis 55 Mio., darunter rund CHF 5 Mio. ohne Zahlungswirkung. CEO Patrick Amstutz spricht von einem entscheidenden Schritt in der Verwandlung zum reinen Radiopharma-Unternehmen.
Unsere Einordnung
Wir finden: Der Schritt ist richtig, auch wenn er wehtut. Wer mit CHF 57,5 Mio. bis Ende 2027 kommen will, kann nicht mehr überall gleichzeitig forschen. Ein scharfer Fokus auf ein Feld mit klaren Meilensteinen ist ehrlicher als ein breites Portfolio, das niemand mehr bezahlen kann.
Für die Zürcher Biotech-Szene ist das auch eine Chance. Gut ausgebildete Forschende kommen auf den Markt. Ausgründungen aus den Immuntherapie-Programmen könnten daraus entstehen. Die Firma sagt das selbst: Partnerschaften oder Spin-offs sind ausdrücklich vorgesehen. Das wäre ein starkes Signal. Der Dezember wird zeigen, ob die ersten Sicherheitsdaten den Kurs bestätigen.
Quelle: biopharmawatch.com
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