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Metafuels startet am PSI die erste Anlage, die Methanol unter einem Dach zu Kerosin macht

Redaktion·22. Aug. 2026·4 Min.
Metafuels startet am PSI die erste Anlage, die Methanol unter einem Dach zu Kerosin macht
In 30 Sekunden gelesen
  • Am 20. August 2026 wurde auf dem Areal des Paul Scherrer Instituts in Villigen die aerobrew-Demonstrationsanlage eingeweiht – ein gemeinsames Projekt von PSI und dem Zürcher Unternehmen Metafuels.
  • Die Anlage produziert bis zu 50 Liter nachhaltiges Flugbenzin pro Tag und ist laut PSI die weltweit erste, die alle Produktionsschritte von Methanol zu Kerosin unter einem Dach vereint.
  • Das katalytische aerobrew-Verfahren wurde von PSI-Forschenden und dem Metafuels-Team gemeinsam entwickelt und patentiert; es läuft nun erstmals in industriell relevantem Anlagendesign.
  • Metafuels will die erste kommerzielle Anlage mit aerobrew ab 2030 in Betrieb nehmen und finanzierte sich im Februar 2026 mit USD 24 Mio. unter Führung von UVC Partners.

Ein Modellhelikopter brachte die Schere im Körbchen. Danach war das rote Band durchschnitten – und die Schweiz hat eine Anlage, die es so weltweit noch nicht gab.

Was passiert ist

Am 20. August 2026 haben das Paul Scherrer Institut PSI und das Zürcher Unternehmen Metafuels auf dem PSI-Areal in Villigen die Demonstrationsanlage «aerobrew» eingeweiht. Mehr als 150 Gäste aus Wissenschaft, Politik, Industrie und Energiewirtschaft waren dabei, darunter der Aargauer Regierungsrat Dieter Egli, BAZL-Direktorin Francine Zimmermann und Swiss-CEO Jens Fehlinger.

Die Anlage ist auf 50 Liter nachhaltiges Flugbenzin pro Tag ausgelegt. Das klingt nach wenig. Entscheidend ist etwas anderes: Laut PSI ist es die weltweit erste Anlage, die alle Produktionsschritte zur Synthese von Flugtreibstoff aus Methanol unter einem Dach vereint. Und es ist das erste Mal, dass die aerobrew-Technologie in einem industriell relevanten Anlagendesign läuft – nicht mehr im Labor.

Wie das Verfahren funktioniert

Der Weg beginnt bei Wasser und Strom. Aus erneuerbarer Elektrizität wird Wasserstoff gewonnen, dazu kommt Kohlendioxid – kurzfristig aus biogenen Quellen wie Holz- oder Pflanzenresten, langfristig direkt aus der Luft. Aus beidem entsteht grünes Methanol. Erst dann kommt aerobrew ins Spiel: ein katalytisches Verfahren, das aus dem Methanol Kerosin macht.

Der Clou liegt in der Selektivität. Das Verfahren erreicht laut PSI ein besseres Ausbeute-Ertrags-Verhältnis als bisher genutzte SAF-Produktionsmethoden und kommt ohne fossile Brennstoffe aus. Das Verfahren haben PSI-Forschende und das Metafuels-Team gemeinsam entwickelt und patentiert. «Wir haben aerobrew erfolgreich im Labormassstab entwickelt», sagt Marco Ranocchiari vom PSI Center for Energy and Environmental Sciences. «Mit unserer Demonstrationsanlage testen wir den Prozess nun unter realen Bedingungen.»

Warum das für die Luftfahrt zählt

Der Fluggesellschaften-Blick auf SAF ist nüchtern: Der Treibstoff muss in bestehende Tanks, bestehende Triebwerke und bestehende Flughafeninfrastruktur passen. Genau darauf zielt Metafuels. «Deshalb haben wir ein Produkt entwickelt, das sich in bestehende Flughafeninfrastruktur integrieren und in konventionellen Triebwerken einsetzen lässt», sagt Mitgründer und CEO Saurabh Kapoor.

Der Hintergrund: Der heute dominierende SAF-Pfad HEFA hängt an knappen Altölen und Fetten. Methanol-zu-Kerosin hat diese Rohstoffgrenze nicht. Metafuels selbst hat im Februar 2026 eine Finanzierungsrunde über USD 24 Mio. unter Führung von UVC Partners bekannt gegeben, mit Beteiligung bestehender Investoren wie Energy Impact Partners, Contrarian Ventures, RockCreek, Verve Ventures und Fortescue Ventures. Parallel treibt die Firma Turbe voran, ihre erste kommerzielle e-SAF-Anlage im Hafen von Rotterdam. Die erste kommerzielle Anlage mit aerobrew-Technologie soll ab 2030 laufen.

Unsere Einordnung

50 Liter pro Tag sind kein Treibstoffmarkt. Sie sind ein Beweis. Und genau der hat gefehlt. Zwischen «funktioniert im Labor» und «funktioniert in einer Fabrik» liegt die Strecke, auf der die meisten Cleantech-Versprechen liegen bleiben. Metafuels hat sie jetzt zur Hälfte hinter sich.

Bemerkenswert ist die Konstellation. Ein Bundesforschungsinstitut und ein Startup entwickeln gemeinsam ein Patent, bauen gemeinsam eine Anlage und stehen gemeinsam vor der Presse. Das ist die Art von Technologietransfer, die die Schweiz gerne beschreibt und selten so konkret vorzeigen kann. Der Weg zu 2030 bleibt lang: Genehmigungen, Kapital im dreistelligen Millionenbereich, ASTM-Zertifizierung. Aber wer heute in Villigen steht, sieht kein Konzeptpapier mehr. Er sieht Rohre.

Zum Startup

Name
Metafuels
Letzte Runde
USD 24 Mio. (2026, angeführt von UVC Partners)
Kanton
Zürich
Investoren

Quelle: psi.ch

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