Freiburger LS Instruments geht an Postnova – ein leiser Exit mit viel Substanz

- Die deutsche Postnova Analytics GmbH hat die Übernahme der LS Instruments AG per 30. Juli 2026 abgeschlossen.
- LS Instruments ist ein Spin-off aus dem Physik-Departement der Universität Freiburg und baut Geräte für statische und dynamische Lichtstreuung sowie Mikrorheologie.
- Der Betrieb läuft unverändert am Hauptsitz in Fribourg weiter, das bestehende Team bleibt für Entwicklung, Fertigung und Support zuständig.
- Konditionen des Deals wurden nicht offengelegt.
Ein Schweizer Deeptech-Exit ohne Pressekonferenz: Die deutsche Postnova Analytics GmbH hat die Freiburger LS Instruments AG übernommen. Wirksam seit dem 30. Juli 2026. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.
Was passiert ist
Postnova teilt in seinem Newsroom mit, LS Instruments sei per 30. Juli 2026 offiziell Teil des Unternehmens geworden. Die Übernahme bringe komplementäre Technologien und Kompetenzen zusammen und schaffe eine breitere Basis für Produktentwicklung und internationales Wachstum.
Wichtig für den Standort: Der Betrieb läuft unverändert vom Hauptsitz in Fribourg weiter. Das bestehende Team bleibt für Entwicklung, Fertigung und Support der Lichtstreuungs- und Mikrorheologie-Technologien verantwortlich. Das ist bei Auslandsverkäufen von Schweizer Nischenherstellern keineswegs selbstverständlich.
Wer die Käuferin ist
Postnova Analytics wurde 1997 von Thorsten Klein gegründet und sitzt im bayerischen Landsberg am Lech. Die Firma gilt als führende Herstellerin von Systemen für Feldfluss-Fraktionierung (FFF) – ein Trennverfahren ohne stationäre Phase, das besonders schonend mit empfindlichen Makromolekülen und Partikeln umgeht. Klein hatte 1995 an der TU München das erste kommerzielle asymmetrische Flow-FFF-System entwickelt.
Postnova beschreibt die Portfolios als weitgehend überschneidungsfrei: Die Deutschen kommen von der fraktionierten, komponentenaufgelösten Analyse, die Freiburger von der Charakterisierung intakter Proben im nativen Zustand. Gemeinsam ist beiden die Lichtstreuung.
Vom Uni-Labor zum Weltmarkt
LS Instruments ist ein Spin-off aus dem Physik-Departement der Universität Freiburg. Gegründet haben es die Physiker Peter Schurtenberger und Frank Scheffold; die technologischen Wurzeln reichen in Forschungsprojekte an der ETH Zürich und der Uni Freiburg zurück. 2007 zog die Firma in den Inkubator FriUp, 2010 wurde sie zur Aktiengesellschaft, 2011 folgten eigene Räume an der Route St-Nicolas-de-Flüe und das CTI-Start-up-Label.
Das Grundproblem, das die Gründer lösen wollten: Klassische Lichtstreuung versagt, sobald eine Probe trüb oder hochkonzentriert ist – also genau dort, wo Industrie und Pharma messen möchten. Aus dieser Lücke entstanden patentierte Verfahren wie Echo DWS im DWS RheoLab und die modulierte 3D-Kreuzkorrelation in LS Spectrometer und NanoLab 3D. Kein Massenmarkt, aber ein Markt mit sehr wenig Konkurrenz.
Unsere Einordnung
Dieser Exit wird in keiner VC-Statistik gross auftauchen, und das ist schade. Denn er zeigt einen Weg, der in der Schweizer Deeptech-Debatte fast vergessen geht: 16 Jahre lang ein hochspezialisiertes Gerät bauen, profitabel bleiben, keine Mega-Runde brauchen – und am Ende von einem strategischen Käufer geholt werden, der die Technologie wirklich versteht.
Der Deal wirkt sauber gedacht. Postnova kauft keine Kundenliste, sondern eine Messmethode, die die eigene ergänzt statt kannibalisiert. Wer FFF-Systeme verkauft, kann Kundinnen und Kunden neu auch dort bedienen, wo sich Proben gar nicht erst auftrennen lassen. Das ist Industrielogik, kein Finanzdeal.
Bleibt die offene Frage, die bei solchen Übernahmen immer offen bleibt: Wie lange hält das Versprechen, dass in Fribourg alles beim Alten bleibt? Die ersten Jahre sind erfahrungsgemäss unkritisch. Interessant wird es, wenn die nächste Produktgeneration budgetiert wird. Wir schauen hin.
Zum Startup
- Name
- LS Instruments
- Phase
- Exit
- Letzte Runde
- Übernahme durch Postnova Analytics (Exit, 2026)
- Kanton
- Freiburg
Quelle: postnova.com
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