Klinik-Radar: PeriVision und Positrigo bringen ihre Geräte in die klinische Forschung

- PeriVisions VR-Perimeter VisionOne wurde am Inselspital Bern gegen den stationären Standard Octopus 900 geprüft.
- Die Studie lief von Januar bis November 2025 mit 73 Teilnehmenden und 120 Augen, publiziert in Ophthalmology Science.
- Positrigos Hirn-PET-Scanner NeuroLF wurde für eine Alzheimer-Studie an der LMU München akzeptiert.
- NeuroLF unterstützt dort eine Phase-2-Studie bei Erwachsenen mit früher Down-Syndrom-assoziierter Alzheimer-Erkrankung.
Medtech-Startups scheitern selten an der Technik. Sie scheitern daran, dass niemand ihr Gerät in einer echten Studie einsetzt. Zwei Schweizer Firmen haben diese Hürde gerade genommen.
PeriVision: VR-Sehtest gegen den Goldstandard
PeriVision aus Epalinges im Kanton Waadt hat seinen VR-Perimeter VisionOne am Inselspital Bern gegen den stationären Standard antreten lassen. Die prospektive, monozentrische Beobachtungsstudie lief von Januar bis November 2025 an der Augenklinik des Berner Universitätsspitals. Verglichen wurde das VR-Headset mit dem Octopus 900, dem klassischen Perimeter von Haag-Streit.
Die vorab geplante Zwischenauswertung zur Geräteübereinstimmung umfasst 73 Teilnehmende mit 120 Augen und deckt alle Glaukom-Stadien ab. Publiziert wurde sie in Ophthalmology Science. Das Testverfahren dahinter heisst SORS und stammt aus der Forschung der Universität Bern und des Inselspitals: Ein KI-Modell lernt aus Tausenden früherer Gesichtsfeldtests, welchen Prüfpfad ein glaukomatöses Auge am schnellsten offenlegt.
Für PeriVision ist das mehr als eine Publikation. Ein VR-Headset ersetzt ein Gerät, das in der Augenheilkunde seit Jahrzehnten gesetzt ist. Ohne Vergleichsdaten aus einer Universitätsklinik nimmt diesen Wechsel kein Chefarzt vor.
Positrigo: Hirn-PET in einer Alzheimer-Studie der LMU
Positrigo aus Zürich meldete am 6. August, dass sein Hirn-PET-Scanner NeuroLF für den Einsatz in einer Alzheimer-Studie an der Ludwig-Maximilians-Universität München akzeptiert wurde. Konkret unterstützt das Gerät eine Phase-2-Studie bei Erwachsenen mit früher, Down-Syndrom-assoziierter Alzheimer-Erkrankung. Weitere Studien sollen das System künftig prüfen.
Matthias Brendel, Professor für Translationale Molekulare Bildgebung und stellvertretender Direktor der Nuklearmedizin an der LMU, spricht von einem wichtigen Schritt für dedizierte Hirn-PET in der klinischen Forschung. CEO und Mitgründer Jannis Fischer sieht die Studie als Beleg-Sammlung – das eigentliche Ziel bleibe die Routineversorgung.
NeuroLF ist anders als klassische Ganzkörper-PET/CT-Systeme ausschliesslich fürs Gehirn gebaut. Kleiner Fussabdruck, einfachere Installation, eigener Workflow. Das Gerät ist nach Firmenangaben das erste dedizierte Hirn-PET-System mit FDA-510(k)-Freigabe und CE-Kennzeichnung. Anfang 2026 trat Positrigo zudem dem europäischen Konsortium ACCESS-AD bei.
Unsere Einordnung
Beide Meldungen sind einzeln zu klein für eine Schlagzeile. Zusammen zeigen sie etwas Wichtigeres: Schweizer Medtech schafft gerade den Sprung vom Prototyp in die klinische Evidenz. Und genau dieser Sprung entscheidet über Umsatz.
Auffällig ist, wie unterschiedlich die beiden Wege verlaufen. PeriVision holt sich Vergleichbarkeit mit dem etablierten Gerät – der Weg der Ablösung. Positrigo besetzt eine Lücke, die klassische PET/CT-Systeme gar nicht bedienen können, weil sie zu gross und zu teuer für eine neurologische Praxis sind – der Weg der Marktschaffung. Der zweite ist riskanter, aber weniger überfüllt.
Unsere Meinung: Bei Positrigo liegt die grössere Chance. Wenn die neuen Alzheimer-Medikamente breit zum Einsatz kommen, braucht es molekulare Diagnostik in der Fläche und nicht nur im Universitätsspital. Genau dafür ist NeuroLF gebaut. Bei PeriVision hängt alles daran, ob die Übereinstimmung auch in schweren Stadien überzeugt – dort, wo Gesichtsfeldtests am unzuverlässigsten sind.
Ein Hinweis in eigener Sache: Beide Firmen finden Sie mit Kanton, Branche und Phase in unserem Startup-Verzeichnis.
Quelle: positrigo.com
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