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INLEAP Photonics holt EUR 20 Mio. – Hannover schiesst Drohnen mit dem Laser vom Himmel

Redaktion·3. Sept. 2026·6 Min.
INLEAP Photonics holt EUR 20 Mio. – Hannover schiesst Drohnen mit dem Laser vom Himmel
In 30 Sekunden gelesen
  • INLEAP Photonics aus Hannover hat eine Seed-Runde über EUR 20 Mio. abgeschlossen, angeführt von UVC Partners.
  • Mit dabei sind HTGF, Balnord, Sentris und Scale Capital.
  • Die Firma ist 2023 als Spin-off des Laser Zentrum Hannover e. V. entstanden und baut ultraschnelle Laserstrahl-Steuerungen.
  • Zwei Produktlinien: FASTLIGHT SHIELD als augensicherer Laser-Effektor und FASTLIGHT HELD auf einer unbemannten Bodenplattform.

🌍 Blick über die Grenze – Deutschland: Wenn Drohnen über Flughäfen und Kraftwerken kreisen, ist Abwehr keine militärische Nische mehr – sondern eine Frage des Betriebs kritischer Infrastruktur, auch in der Schweiz.

INLEAP Photonics aus Hannover hat eine Seed-Runde über EUR 20 Mio. abgeschlossen. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Der Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle hat kurz zuvor gezeigt, wie real die Bedrohung geworden ist.

Was die Firma macht

INLEAP Photonics ist 2023 als Spin-off des Laser Zentrum Hannover e. V. entstanden. Der technische Kern ist eine ultraschnelle, sehr präzise Steuerung von Laserstrahlen. Diese Fähigkeit lässt sich in zwei sehr unterschiedliche Richtungen nutzen: Sie macht laserbasierte industrielle Fertigungsprozesse effizienter – und sie erlaubt kontrollierte Drohnenabwehr.

Zwei Produktlinien stehen im Zentrum. INLEAP FASTLIGHT SHIELD ist ein Laser-Effektor, der Drohnen laut Firmenangaben innert Sekunden neutralisiert, indem er identifizierte Schwachstellen gezielt anvisiert. Entscheidend für den zivilen Einsatz: Das System ist als augensicher ausgelegt. INLEAP FASTLIGHT HELD kombiniert denselben Effektor mit einer kompakten, geländegängigen unbemannten Bodenplattform und einer Software-Plattform für Counter-UAS-Szenarien.

Zu den Kunden und Partnern zählen das deutsche Bundesministerium der Verteidigung und der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr. Dazu kommt eine kürzlich angekündigte strategische Partnerschaft mit STARK Defence.

Was gerade passiert ist

Die Seed-Runde über EUR 20 Mio. wurde von UVC Partners angeführt. Beteiligt sind HTGF, Balnord, Sentris und Scale Capital. Das Geld geht in vier Bereiche: Serienproduktion aufbauen und standardisieren, das augensichere Wirkprinzip weiterentwickeln, Vertrieb und Service in Deutschland und Europa ausbauen sowie Qualitätssicherung und Zertifizierungen aufsetzen.

«Unsere Technologie hat den Markt erreicht, und wir sehen einen starken Auftragseingang», sagt Dr.-Ing. Marius Lammers, CEO und Gründer. CTO und Mitgründer Dr.-Ing. Felix Wellmann wird konkreter: Serienproduktion bedeute nicht einfach mehr Kapazität, sondern dass jede Einheit unter denselben definierten Bedingungen gefertigt, getestet und abgenommen werde.

Amanda Birkenholz, Partnerin bei UVC Partners, nennt den Grund für das Investment: Flughäfen, Energieanlagen und Rechenzentren bräuchten denselben Schutz wie militärische Anlagen. INLEAP sei das einzige Team, dessen Technologie beide Umgebungen bediene – augensicher für den zivilen Einsatz und robust genug für Konfliktzonen. Diese Dual-Use-Fähigkeit sei der Hebel für die Skalierung.

Ein Markt, der gerade explodiert

Europäische Counter-Drone- und Verteidigungs-Startups sammeln 2026 in einem Tempo Geld, das vor drei Jahren undenkbar war. EUR 30 Mio. für Frankenburg Technologies aus Estland, EUR 15 Mio. für das finnische Kelluu, EUR 12 Mio. für Six Robotics aus Norwegen. Und als Ausreisser die EUR 1 Mrd. Series D von Quantum Systems im Juli.

Bemerkenswert an INLEAPs Ansatz ist die Wirtschaftlichkeit. Eine Abfangrakete kostet ein Vielfaches der Drohne, die sie zerstört. Ein Laser-Effektor kehrt dieses Verhältnis um: Die Munition ist Strom. Genau das macht die Technologie für Betreiber interessant, die dauerhaft schützen müssen und nicht nur einen einzelnen Angriff abwehren.

Warum das für die Schweiz zählt

Die Schweiz hat exzellente Photonik- und Präzisionsoptik-Forschung – an der EPFL, an der ETH, an der Empa und in einem dichten Netz von Zulieferern im Jura und im Neuenburger Uhrenbogen. Was weitgehend fehlt, ist Wagniskapital, das bereit ist, diese Kompetenz in Richtung Sicherheitstechnik zu finanzieren. Dual Use bleibt für viele Schweizer Fonds ein heikles Wort.

Wir halten das für eine verpasste Chance. INLEAP zeigt sauber, wie ein Uni-Spin-off aus einem rein industriellen Anwendungsfall heraus in einen Sicherheitsmarkt hineinwächst – ohne die zivile Linie aufzugeben. Genau dieses Muster wäre auf Schweizer Photonik übertragbar. Und der Bedarf ist da: Auch hierzulande müssen Flughäfen, Stauanlagen und Rechenzentren geschützt werden.

Ein Vorbehalt bleibt. Ein Auftragseingang ist noch kein bewiesenes Geschäftsmodell, und Beschaffungszyklen bei staatlichen Kunden sind lang und politisch. Wer hier investiert, kauft ein Versprechen auf einen Markt, der real, aber schwer planbar ist. Trotzdem: Die Schweizer Szene sollte dieses Feld nicht anderen überlassen, nur weil die Debatte unbequem ist.

Quelle: eu-startups.com

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