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Infomaniak geht an die Schweizer Börse – ohne die Kontrolle abzugeben

Redaktion·13. Aug. 2026·5 Min.
Infomaniak geht an die Schweizer Börse – ohne die Kontrolle abzugeben
In 30 Sekunden gelesen
  • Infomaniak plant die Kotierung an der SIX Swiss Exchange per Reverse Takeover der Perrot Duval Holding SA.
  • Die Infomaniak-Stiftung behält über nicht gehandelte A-Aktien die Stimmenmehrheit – eine Übernahme bleibt so unmöglich.
  • 2025 erzielte Infomaniak CHF 54,2 Mio. Umsatz, beschäftigt über 300 Personen und bedient rund 300'000 zahlende Kunden.
  • Über den Börsengang entscheidet die Perrot-Duval-Generalversammlung am 24. September 2026.

Ein Schweizer Cloud-Pionier wählt einen ungewöhnlichen Weg an die Börse: Infomaniak will an die SIX Swiss Exchange – und trotzdem unabhängig bleiben. Der Trick liegt in der Aktienstruktur.

Was passiert ist

Die Aktionäre von Infomaniak haben eine Vereinbarung für die Kotierung an der SIX unterzeichnet. Statt eines klassischen Börsengangs geht der Genfer Anbieter den Weg über einen Reverse Takeover: Er verschmilzt mit der Perrot Duval Holding SA, einer Schweizer Gesellschaft, die seit 1905 an der Börse kotiert ist. Wird die Transaktion genehmigt, firmiert das börsennotierte Unternehmen künftig als Infomaniak SA. Perrot Duval hat gleichzeitig angekündigt, ihre industriellen Aktivitäten abzustossen.

Wie der Deal die Unabhängigkeit sichert

Die kotierte Firma bekommt zwei Aktienklassen. Nur die B-Aktien werden an der Börse gehandelt. Die A-Aktien sind nicht kotiert, tragen die Stimmenmehrheit und liegen vollständig bei der gemeinnützigen Infomaniak-Stiftung. Sie können nicht frei verkauft werden. Damit gilt: An der Börse wechselt der wirtschaftliche Wert von Infomaniak den Besitzer, nie aber die Kontrolle. Ohne Zustimmung der Stiftung ist keine Übernahme möglich. Das Management bleibt an der Spitze, gebunden an eine notariell beglaubigte Aktionärs-Charta mit neun Grundprinzipien wie Unabhängigkeit, digitaler Souveränität und Datenschutz.

Warum jetzt

Infomaniak wächst seit 1994 aus eigener Kraft und reinvestiert seit 2017 sämtliche Gewinne. 2025 setzte die Firma CHF 54,2 Mio. um, nach CHF 47,6 Mio. im Vorjahr. Sie beschäftigt über 300 Personen in der Schweiz und bedient rund 300'000 zahlende Kunden. Der Zugang zum Kapitalmarkt soll die nächste Wachstumsstufe finanzieren: neue Rechenzentren in der Schweiz für die steigende europäische Nachfrage nach souveränen Diensten. Über die Transaktion entscheidet die Perrot-Duval-Generalversammlung am 24. September 2026, der Prospekt soll um den 2. September erscheinen. Für Kunden ändert sich laut Firma nichts.

Unsere Einordnung

Das ist ein cleverer Schachzug. Infomaniak holt sich frisches Kapital für den Kampf gegen die US-Cloud-Riesen, ohne die eigene DNA zu verkaufen. Die Doppelstruktur mit Stiftung ist in der Schweiz erprobt und passt perfekt zur Positionierung als souveräner, datenschutzfreundlicher Anbieter. Wer Unabhängigkeit predigt, darf sich nicht dem nächstbesten Investor ausliefern. Offen bleibt, wie viel Wachstumskapital ein Reverse Takeover überhaupt einspielt – und ob die B-Aktionäre mit Stimmen zweiter Klasse zufrieden sind. Trotzdem: Ein europäisches Vorbild dafür, dass Börse und Prinzipien sich nicht ausschliessen müssen.

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Name
Infomaniak
Phase
Growth
Letzte Runde
Geplanter SIX-Börsengang via Reverse Takeover (2026)
Kanton
Genf
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Quelle: news.infomaniak.com

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