Zum Inhalt springen
startupnews.ch
← Zurück zu News
FinanzierungVerifiziert

Die grössten Schweizer Finanzierungsrunden im Oktober 2026

Redaktion·3. Nov. 2026·5 Min.
Die grössten Schweizer Finanzierungsrunden im Oktober 2026
In 30 Sekunden gelesen
  • Nouscom aus Basel schliesst mit 120 Millionen Euro die mit Abstand grösste Runde des Monats ab, eine überzeichnete Series D.
  • Dahinter folgen zwei Zürcher Runden: Namespace mit 42 Millionen Dollar Series B und Enact Intelligence mit 30 Millionen Dollar Pre-Seed.
  • Zehn Runden mit genanntem Betrag ergeben rund 209 Millionen Franken, doch Nouscom allein macht mehr als die Hälfte aus.
  • Unsere Haltung: ein starker Monat an der Spitze, aber im Frühstadium dünner als der September.

Der September war ein ruhiger Monat. Der Oktober bringt die grosse Kasse zurück. Doch die Summe allein täuscht. Eine einzige Runde, die 120 Millionen von Nouscom, macht mehr als die Hälfte des Monats aus. Dahinter steht trotzdem eine breite Liste: zehn Runden mit genanntem Betrag, von Basel über Zürich bis in die Waadt und nach Obwalden.

Platz 1: Nouscom holt 120 Millionen für die Krebsimmuntherapie

Die mit Abstand grösste Runde des Monats kommt aus Basel. Nouscom gab am 19. Oktober eine überzeichnete Series D über 120 Millionen Euro bekannt, rund 111 Millionen Franken. Co-Leads sind M Ventures und Revelation Partners. Neu mit an Bord sind Angelini Industries über Angelini Investments, die Europäische Investitionsbank über ihr Vehikel Aurea und Neva SGR aus der Intesa-Sanpaolo-Gruppe. Nouscom entwickelt Krebsimpfstoffe. Das Geld soll laut Firma den Wirkstoff NOUS-209 bei Trägern des Lynch-Syndroms in eine Zulassungsstudie bringen. Lynch ist eine erbliche Veranlagung, die das Darmkrebsrisiko stark erhöht. Ein Impfstoff, der den Krebs abfängt, bevor er entsteht, wäre ein echter Durchbruch.

Die Rangliste dahinter: Zürich baut Software für Maschinen

Auf Platz zwei steht Namespace aus Zürich. Das Startup sammelte am 5. Oktober 42 Millionen Dollar in einer Series B ein, rund 35 Millionen Franken, nur sieben Monate nach der Series A. Angeführt hat Scale Venture Partners, dazu kamen NEA, 20VC, Essence, Burst Capital und Susa Ventures sowie Angels wie Olivier Pomel, der Chef von Datadog. Namespace baut Cloud-Rechenleistung für Entwickler und für KI-Agenten, die selbst Code schreiben. Genau dieser Markt wächst gerade rasant.

Platz drei geht an Enact Intelligence, ebenfalls aus Zürich. Die Firma kam am 22. Oktober mit einer Pre-Seed-Runde über 30 Millionen Dollar aus dem Stealth-Modus, rund 25 Millionen Franken. Investoren sind Redalpine, Notion Capital und Firstminute Capital, dazu Business Angels von Rang: Arthur Mensch von Mistral, der KI-Pionier Yann LeCun und Thomas Wolf von Hugging Face. Enact will Robotern einen Sinn für Kraft und Berührung geben, damit sie Dinge greifen, ohne sie zu zerdrücken. Eine Pre-Seed-Runde in dieser Höhe ist eine Ansage.

Auf Platz vier folgt Atlas Bio aus Basel mit 12,5 Millionen Dollar, rund 10 Millionen Franken. Die Summe bündelt zwei Runden: einen Seed über 10 Millionen Dollar unter Creandum und einen bisher nicht gemeldeten Pre-Seed über 2,5 Millionen, angeführt von First Momentum Ventures und LEA Partners. Atlas Bio simuliert klinische Studien am Computer. Das Ziel: Tierversuche ersetzen und früh erkennen, welche Medikamente in Phase II durchfallen. Die Firma nennt eine Misserfolgsquote von 70 Prozent, die sie senken will.

Platz fünf sichert sich UniSieve aus Zürich mit einer Series A über 9 Millionen Dollar, rund 7 Millionen Franken. Angeführt hat der Orano Venture Fund, verwaltet von Supernova Invest, mit dabei sind unter anderem der Amadeus APEX Technology Fund, Founderful und die Zürcher Kantonalbank. UniSieve baut Membranen, die Moleküle trennen, ohne dass dafür wie bisher viel Hitze nötig ist. Das spart in der Industrie Energie und damit CO2.

Dahinter wird es breiter

Die restlichen fünf Runden sind kleiner, zeigen aber die Spannweite. Klarent aus Zürich holte 8 Millionen Dollar Seed unter Mosaic Ventures. Sonexos aus der Waadt sammelte 5 Millionen Franken in einer Pre-Series A, angeführt von Valquest Partners und mit Bosch Ventures an Bord. Besso aus Bern bekam 4 Millionen Franken von einem grossen europäischen Single Family Office. FOOD FOUNDERS Studio aus Zürich holte 4 Millionen Euro von Family Offices und Angels. Und SensorX Solutions aus Obwalden meldete 1,5 Millionen Franken, einen Mix aus einer Darlehensbürgschaft des Technologiefonds, privatem Eigenkapital und Geld des Gründerteams.

Was wir aussortiert haben

Nicht jede grosse Zahl aus dem Oktober ist eine Finanzierungsrunde. Distalmotion aus der Waadt sicherte sich einen Kredit von bis zu 70 Millionen Dollar. Das ist Fremdkapital, keine Beteiligung, deshalb zählt es hier nicht. Noch grösser war die Meldung von Alentis: Der Pharmakonzern CSL zahlt bis zu 355 Millionen Dollar an die Basler Firma. Das ist aber eine Lizenzpartnerschaft, kein Kauf von Aktien. Bee People aus St. Moritz meldete seine 1,3 Millionen bereits am 30. September, die Runde zählt deshalb in unseren September. Und eine ganze Reihe Runden ohne genannten Betrag, etwa bei Aurachain, Rivero, JIVITA oder KA-EX, lassen wir bewusst aussen vor. Lieber eine Lücke als eine geschätzte Zahl.

Unsere Einordnung

Der Oktober war ein starker Monat. Aber er steht auf einem einzigen Bein. Ohne Nouscom bleiben rund 98 Millionen Franken in neun Runden, ein ordentlicher, kein herausragender Wert. Wer einen Monat an seiner Spitze misst, misst in der Schweiz fast immer einen einzelnen Deal. Spannender ist, was darunter passiert.

Und darunter passiert Erfreuliches. Der typische Deal wird grösser: Der Median steigt von 3 auf 7 Millionen Franken. Vor allem aber zieht das Frühstadium internationales Geld an. Dass ein Zürcher Robotik-Team wie Enact schon als Pre-Seed 30 Millionen Dollar einsammelt und dabei Namen wie Yann LeCun und den Mistral-Chef an den Tisch holt, war vor zwei Jahren undenkbar. Physische KI aus der Schweiz ist auf der Weltkarte angekommen.

Zugleich bleiben wir kritisch. Vier klar als Seed oder Pre-Seed erkennbare Runden sind weniger als die neun im September. Die Breite im Frühstadium hat abgenommen, auch wenn einzelne Runden grösser wurden. Und die Geografie zeigt das alte Muster: Basel holt mit zwei Runden das Volumen, Zürich mit fünf Runden die Zahl. Immerhin stehen auch Waadt, Bern und Obwalden auf der Liste. Jede Runde ausserhalb der grossen Zentren ist uns einen Eintrag wert.

Ein Blick nach vorn: Im Oktober fällt auf, wie oft Industrie- und Staatsgeld mitspielt. Bosch Ventures steigt bei Sonexos ein, die Europäische Investitionsbank bei Nouscom. Wer heute Kapital sucht, sollte nicht nur an klassische Fonds denken, sondern auch an Konzerne und staatsnahe Geldgeber. Dort liegt gerade viel Geld bereit.

Alle genannten Startups findest du in unserem Verzeichnis, filterbar nach Kanton, Branche und Finanzierungsphase.

Quelle: startupticker.ch

Teilen

Mehr aus der Szene